We Philologists Complete Works of Friedrich Nietzsche, Volume 8

By Friedrich Nietzsche

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however, that
Winckelmann was lacking in the more common talent of philological
criticism, or else he could not use it properly: "A rare mixture of a
cool head and a minute and restless solicitude for hundreds of things
which, insignificant in themselves, were combined in his case with a
fire that swallowed up those little things, and with a gift of
divination which is a vexation and an annoyance to the uninitiated."


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Wolf draws our attention to the fact that antiquity was acquainted only
with theories of oratory and poetry which facilitated production,
[Greek: technai] and _artes_ that formed real orators and poets, "while
at the present day we shall soon have theories upon which it would be
as impossible to build up a speech or a poem as it would be to form a
thunderstorm upon a brontological treatise."


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Wolf's judgment on the amateurs of philological knowledge is noteworthy:
"If they found themselves provided by nature with a mind corresponding
to that of the ancients, or if they were capable of adapting themselves
to other points of view and other circumstances of life, then, with even
a nodding acquaintance with the best writers, they certainly acquired
more from those vigorous natures, those splendid examples of thinking
and acting, than most of those did who during their whole life merely
offered themselves to them as interpreters."


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Says Wolf again . "In the end, only those few ought to attain really
complete knowledge who are born with artistic talent and furnished with
scholarship, and who make use of the best opportunities of securing,
both theoretically and practically, the necessary technical knowledge"
True!


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Instead of forming our students on the Latin models I recommend the
Greek, especially Demosthenes . simplicity! This may be seen by a
reference to Leopardi, who is perhaps the greatest stylist of the
century.


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"Classical education" . what do people see in it? Something that is
useless beyond rendering a period of military service unnecessary and
securing a degree![5]


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When I observe how all countries are now promoting the advancement of
classical literature I say to myself, "How harmless it must be!" and
then, "How useful it must be!" It brings these countries the reputation
of promoting "free culture." In order that this "freedom" may be rightly
estimated, just look at the philologists!


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Classical education! Yea, if there were only as much paganism as Goethe
found and glorified in Winckelmann, even that would not be much. Now,
however, that the lying Christendom of our time has taken hold of it,
the thing becomes overpowering, and I cannot help expressing my disgust
on the point--People firmly believe in witchcraft where this

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Text Comparison with Jenseits von Gut und Böse

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"Wie könnte Etwas aus seinem Gegensatz entstehn? Zum Beispiel die Wahrheit aus dem Irrthume? Oder der Wille zur Wahrheit aus dem Willen zur Täuschung? Oder die selbstlose Handlung aus dem Eigennutze? Oder das reine sonnenhafte Schauen des Weisen aus der Begehrlichkeit? Solcherlei Entstehung ist unmöglich; wer davon träumt, ein Narr, ja Schlimmeres; die Dinge höchsten Werthes müssen einen anderen, eigenen Ursprung haben, - aus dieser vergänglichen verführerischen täuschenden geringen Welt, aus diesem Wirrsal von Wahn und Begierde sind sie unableitbar! Vielmehr im Schoosse des Sein's, im Unvergänglichen, im verborgenen Gotte, im `Ding an sich` - da muss ihr Grund liegen, und sonst nirgendswo!" - Diese Art zu urtheilen macht das typische Vorurtheil aus, an dem sich die Metaphysiker aller Zeiten wieder erkennen lassen; diese Art von Werthschätzungen steht im Hintergrunde aller ihrer logischen Prozeduren; aus diesem ihrem "Glauben" heraus bemühn sie sich um ihr "Wissen", um Etwas, das feierlich am Ende als "die Wahrheit" getauft wird.
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Was dazu reizt, auf alle Philosophen halb misstrauisch, halb spöttisch zu blicken, ist nicht, dass man wieder und wieder dahinter kommt, wie unschuldig sie sind - wie oft und wie leicht sie sich vergreifen und verirren, kurz ihre Kinderei und Kindlichkeit - sondern dass.
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Diese Letzteren pflegen sich, wenn sie Bücher schreiben, heute der Verbrecher anzunehmen; eine Art von socialistischem Mitleiden ist ihre gefälligste Verkleidung.
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Gesetzt, ein Solcher geht zu Grunde, so geschieht es so ferne vom Verständniss der Menschen, dass sie es nicht fühlen und mitfühlen: - und er kann nicht mehr zurück! er kann auch zum Mitleiden der Menschen nicht mehr zurück! - - 30.
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Freilich: wer selbst nur ein dünnes zahmes Hausthier ist und nur Hausthier-Bedürfnisse kennt (gleich unsren Gebildeten von heute, die Christen des "gebildeten" Christenthums hinzugenommen -), der hat unter jenen Ruinen weder sich zu verwundern, noch gar sich zu betrüben - der Geschmack am alten Testament ist ein Prüfstein in Hinsicht auf "Gross" und "Klein" -: vielleicht, dass er das neue Testament, das Buch von der Gnade, immer noch eher nach seinem Herzen findet (in ihm ist viel von dem rechten zärtlichen dumpfen Betbrüder- und Kleinen-Seelen-Geruch).
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68.
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Unserm Auge fällt es bequemer, auf einen gegebenen Anlass hin ein schon öfter erzeugtes Bild wieder zu erzeugen, als das Abweichende und Neue eines Eindrucks bei sich festzuhalten: letzteres braucht mehr Kraft, mehr "Moralität".
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Sie wissen sich nicht anders vor ihrem schlechten Gewissen zu schützen als dadurch, dass sie sich als Ausführer älterer oder höherer Befehle gebärden (der Vorfahren, der Verfassung, des Rechts, der Gesetze oder gar Gottes) oder selbst von der Heerden-Denkweise her sich Heerden-Maximen borgen, zum Beispiel als "erste Diener ihres Volks" oder als "Werkzeuge des gemeinen Wohls".
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Eine mitleidige Handlung zum Beispiel heisst in der besten Römerzeit weder gut noch böse, weder moralisch noch unmoralisch; und wird sie selbst gelobt, so verträgt sich mit diesem Lobe noch auf das Beste eine Art unwilliger Geringschätzung, sobald sie nämlich mit.
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Es giebt einen Punkt von krankhafter Vermürbung und Verzärtlichung in der Geschichte der Gesellschaft, wo sie selbst für ihren Schädiger, den Verbrecher Partei nimmt, und zwar ernsthaft und ehrlich.
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in Bezug auf die eignen Nothdürfte und ist hier allein unfein und nachlässig.
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Man sehe sich das neunzehnte Jahrhundert auf diese schnellen Vorlieben und Wechsel der Stil-Maskeraden an; auch auf die Augenblicke der Verzweiflung darüber, dass uns "nichts steht" -.
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Es liegt auf der Hand, dass am unbedenklichsten noch sich die stärkeren und bereits fester geprägten Typen des neuen Deutschthums mit ihnen einlassen könnten, zum Beispiel der adelige Offizier aus der Mark: es wäre von vielfachem Interesse, zu sehen, ob sich nicht zu der erblichen Kunst des Befehlens und Gehorchens - in Beidem ist das bezeichnete Land heute klassisch - das Genie des Geldes und der Geduld (und vor allem etwas Geist und Geistigkeit, woran es reichlich an der bezeichneten Stelle fehlt -) hinzuthun, hinzuzüchten liesse.
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ein aristokratisches Gemeinwesen, etwa eine alte griechische Polis oder Venedig, als eine, sei es freiwillige, sei es unfreiwillige Veranstaltung zum Zweck der Züchtung an: es sind da Menschen bei einander und auf sich angewiesen, welche ihre Art durchsetzen wollen, meistens, weil sie sich durchsetzen müssen oder in furchtbarer Weise Gefahr laufen, ausgerottet zu werden.
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welche die Kraft in's Ungeheure aufgehäuft, die den Bogen auf so bedrohliche Weise gespannt hat - - jetzt ist, jetzt wird sie "überlebt".
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Die vornehme Seele nimmt diesen Thatbestand ihres Egoismus ohne jedes Fragezeichen hin, auch ohne ein Gefühl von Härte Zwang, Willkür darin, vielmehr wie Etwas, das im Urgesetz der Dinge begründet sein mag: - suchte sie nach einem Namen dafür, so würde sie sagen "es ist die Gerechtigkeit selbst".
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Die Verderbniss, das Zugrundegehen der höheren Menschen, der fremder gearteten Seelen ist nämlich die Regel: es ist schrecklich, eine solche Regel immer vor Augen zu haben.
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