Thoughts Out of Season, Part II

By Friedrich Nietzsche

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from the mediæval _memento mori_ and the
hopelessness that Christianity bears in its heart towards all future
ages of earthly existence. But you should always try to replace my
hesitating explanations by a better one. For the origin of historical
culture, and of its absolutely radical antagonism to the spirit of a
new time and a "modern consciousness," must itself be known by a
historical process. History must solve the problem of history,
science must turn its sting against itself. This threefold "must" is
the imperative of the "new spirit," if it is really to contain
something new, powerful, vital and original. Or is it true that we
Germans--to leave the Romance nations out of account--must always be
mere "followers" in all the higher reaches of culture, because that
is all we _can_ be? The words of Wilhelm Wackernagel are well worth
pondering: "We Germans are a nation of 'followers,' and with all our
higher science and even our faith, are merely the successors of the
ancient world. Even those who are opposed to it are continually
breathing the immortal spirit of classical culture with that of
Christianity: and if any one could separate these two elements from
the living air surrounding the soul of man, there would not be much
remaining for a spiritual life to exist on." Even if we would rest
content with our vocation to follow antiquity, even if we decided to
take it in an earnest and strenuous spirit and to show our high
prerogative in our earnestness,--we should yet be compelled to ask
whether it were our eternal destiny to be pupils of a fading
antiquity. We might be allowed at some time to put our aim higher and
further above us. And after congratulating ourselves on having
brought that secondary spirit of Alexandrian culture in us to such
marvellous productiveness--through our "universal history"--we might
go on to place before us, as our noblest prize, the still higher task
of striving beyond and above this Alexandrian world; and bravely find
our prototypes in the ancient Greek world, where all was great,
natural and human. But it is just _there_ that we find the reality of
a true unhistorical culture--and in spite of that, or perhaps because
of it, an unspeakably rich and vital culture. Were we Germans nothing
but followers, we could not be anything greater or prouder than the
lineal inheritors and followers of such a culture.

This however must be added. The thought of being Epigoni, that is
often a torture, can yet create a spring of hope for the future, to
the individual as well as the people: so

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Text Comparison with Jenseits von Gut und Böse

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Hauptstück: Der freie Geist.
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- Freilich: bei den Gelehrten, den eigentlich wissenschaftlichen Menschen, mag es anders stehn - "besser", wenn man will -, da mag es wirklich so Etwas wie einen Erkenntnisstrieb geben, irgend ein kleines unabhängiges Uhrwerk, welches, gut aufgezogen, tapfer darauf los arbeitet, ohne dass die gesammten übrigen Triebe des Gelehrten wesentlich dabei betheiligt sind.
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dürfte gar eine deutsche Übersetzung des Petronius wagen, der, mehr als irgend ein grosser Musiker bisher, der Meister des presto gewesen ist, in Erfindungen, Einfällen, Worten: - was liegt zuletzt an allen Sümpfen der kranken, schlimmen Welt, auch der "alten Welt", wenn man, wie er, die Füsse eines Windes hat, den Zug und Athem, den befreienden Hohn eines Windes, der Alles gesund macht, indem er Alles laufen macht! Und was Aristophanes angeht, jenen verklärenden, complementären Geist, um dessentwillen man dem ganzen Griechenthum verzeiht, dass es da war, gesetzt, dass man in aller Tiefe begriffen hat, was da Alles der Verzeihung, der Verklärung bedarf: - so wüsste ich nichts, was mich über Plato's Verborgenheit und Sphinx-Natur mehr hat träumen lassen als jenes glücklich erhaltene petit falt: dass man unter dem Kopfkissen seines Sterbelagers keine "Bibel" vorfand, nichts Ägyptisches, Pythagoreisches, Platonisches, - sondern den Aristophanes.
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Man soll nicht in Kirchen gehn, wenn man reine Luft athmen will.
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Man muss sich selbst seine Proben geben, dafür dass man zur Unabhängigkeit und zum Befehlen bestimmt ist; und dies zur rechten Zeit.
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In vielen Ländern des Geistes zu Hause, mindestens zu Gaste gewesen; den dumpfen angenehmen Winkeln immer wieder entschlüpft, in die uns Vorliebe und Vorhass, Jugend, Abkunft, der Zufall von Menschen und Büchern, oder selbst die Ermüdungen der Wanderschaft zu bannen schienen; voller Bosheit gegen die Lockmittel der Abhängigkeit, welche in Ehren, oder Geld, oder Ämtern, oder Begeisterungen der Sinne versteckt liegen; dankbar sogar gegen Noth und.
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Es scheint, dass den lateinischen Rassen ihr Katholicismus viel innerlicher.
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Es gelingt dem Gelehrten erst mit Hülfe der Geschichte (also nicht von seiner persönlichen Erfahrung aus), es gegenüber den Religionen zu einem ehrfurchtsvollen Ernste und zu einer gewissen scheuen Rücksicht zu bringen; aber wenn er sein Gefühl sogar bis zur Dankbarkeit gegen sie gehoben hat, so ist er mit seiner Person.
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nicht mehr leidet.
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Gesammt-Abrechnung gehören die bisherigen, nämlich souveränen Religionen zu den Hauptursachen, welche den Typus "Mensch" auf einer niedrigeren Stufe festhielten, - sie erhielten zu viel von dem, was zu Grunde gehn sollte.
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Bald sprang die Furcht vor verkappter Mystik und Grenzberichtigung des Erkennens hervor; bald die Missachtung einzelner Philosophen, welche sich unwillkürlich zur Missachtung der Philosophie verallgemeinert hatte.
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Er ist zutraulich, doch nur wie Einer, der sich gehen, aber nicht strömen lässt; und gerade vor dem Menschen des grossen Stroms steht er um so kälter und verschlossener da, - sein Auge ist dann wie ein glatter widerwilliger See, in dem sich kein Entzücken, kein Mitgefühl mehr kräuselt.
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Ich sage dies nicht als Wünschender: mir würde das Entgegengesetzte eher nach dem Herzen sein, - ich meine eine solche Zunahme der Bedrohlichkeit Russlands, dass Europa sich entschliessen müsste, gleichermaassen bedrohlich zu werden, nämlich Einen Willen zu bekommen, durch das Mittel einer neuen über Europa herrschenden Kaste, einen langen furchtbaren eigenen Willen, der sich über Jahrtausende hin Ziele setzen könnte: - damit endlich die langgesponnene Komödie seiner Kleinstaaterei und ebenso seine dynastische wie demokratische Vielwollerei zu einem Abschluss käme.
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Freilich bemerkt er dabei, dass ihm keines recht auf den Leib passt, - er wechselt und wechselt.
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Ihr wollt womöglich - und es giebt kein tolleres "womöglich" - das Leiden abschaffen; und wir? - es scheint gerade, wir wollen es lieber noch höher und schlimmer haben, als je es war! Wohlbefinden, wie ihr es versteht - das ist ja kein Ziel, das scheint uns ein Ende! Ein Zustand, welcher den Menschen alsbald lächerlich und verächtlich macht, - der seinen Untergang wünschen macht! Die Zucht des Leidens, des grossen Leidens - wisst ihr nicht, dass nur diese Zucht alle Erhöhungen des Menschen bisher geschaffen hat? Jene Spannung der Seele im Unglück, welche ihr die Stärke anzüchtet, ihre Schauer im Anblick des grossen Zugrundegehens, ihre Erfindsamkeit und Tapferkeit im Tragen, Ausharren, Ausdeuten, Ausnützen des Unglücks, und was ihr nur je von Tiefe, Geheimniss, Maske, Geist, List, Grösse geschenkt worden ist: - ist es nicht ihr unter Leiden, unter der Zucht des grossen Leidens geschenkt worden? Im Menschen ist Geschöpf und Schöpfer vereint: im Menschen ist Stoff, Bruchstück, Überfluss, Lehm, Koth, Unsinn, Chaos; aber im Menschen ist auch Schöpfer, Bildner, Hammer-Härte, Zuschauer-Göttlichkeit und siebenter Tag: - versteht ihr diesen Gegensatz? Und dass euer Mitleid dem "Geschöpf im Menschen" gilt, dem, was geformt, gebrochen, geschmiedet, gerissen, gebrannt, geglüht, geläutert werden muss, - dem, was nothwendig leiden muss und leiden soll? Und unser Mitleid - begreift ihr's nicht, wem unser umgekehrtes Mitleid gilt, wenn es sich gegen euer Mitleid wehrt, als gegen die schlimmste aller Verzärtelungen und Schwächen? - Mitleid also gegen Mitleid! - Aber, nochmals gesagt, es giebt höhere Probleme als alle Lust- und Leid- und Mitleid-Probleme; und jede Philosophie, die nur auf diese hinausläuft, ist eine Naivetät.
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Ein Deutscher, der sich erdreisten wollte, zu behaupten "zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust" würde sich an der Wahrheit arg vergreifen, richtiger, hinter der Wahrheit um viele Seelen zurückbleiben.
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Der Deutsche liest nicht laut, nicht für's Ohr, sondern bloss mit den Augen: er hat seine Ohren dabei in's Schubfach gelegt.
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wird es niemals hart".
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Man wird fast bei jedem Psychologen eine verrätherische Vorneigung und Lust am Umgange mit alltäglichen und wohlgeordneten Menschen wahrnehmen: daran verräth sich, dass er immer einer Heilung bedarf, dass er eine Art Flucht und Vergessen braucht, weg von dem, was ihm seine Einblicke und Einschnitte, was ihm sein "Handwerk" auf's Gewissen gelegt hat.
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