Thoughts Out of Season, Part II

By Friedrich Nietzsche

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it become too
powerful and invade the territories of the other methods. It only
understands how to preserve life, not to create it; and thus always
undervalues the present growth, having, unlike monumental history, no
certain instinct for it. Thus it hinders the mighty impulse to a new
deed and paralyses the doer, who must always, as doer, be grazing
some piety or other. The fact that has grown old carries with it a
demand for its own immortality. For when one considers the
life-history of such an ancient fact, the amount of reverence paid to
it for generations--whether it be a custom, a religious creed, or a
political principle,--it seems presumptuous, even impious, to replace
it by a new fact, and the ancient congregation of pieties by a new
piety.

Here we see clearly how necessary a third way of looking at the past
is to man, beside the other two. This is the "critical" way; which is
also in the service of life. Man must have the strength to break up
the past; and apply it too, in order to live. He must bring the past
to the bar of judgment, interrogate it remorselessly, and finally
condemn it. Every past is worth condemning: this is the rule in
mortal affairs, which always contain a large measure of human power
and human weakness. It is not justice that sits in judgment here; nor
mercy that proclaims the verdict; but only life, the dim, driving
force that insatiably desires--itself. Its sentence is always
unmerciful, always unjust, as it never flows from a pure fountain of
knowledge: though it would generally turn out the same, if Justice
herself delivered it. "For everything that is born is _worthy_ of
being destroyed: better were it then that nothing should be born." It
requires great strength to be able to live and forget how far life
and injustice are one. Luther himself once said that the world only
arose by an oversight of God; if he had ever dreamed of heavy
ordnance, he would never have created it. The same life that needs
forgetfulness, needs sometimes its destruction; for should the
injustice of something ever become obvious--a monopoly, a caste, a
dynasty for example--the thing deserves to fall. Its past is
critically examined, the knife put to its roots, and all the
"pieties" are grimly trodden under foot. The process is always
dangerous, even for life; and the men or the times that serve life in
this way, by judging and annihilating the past, are always dangerous
to themselves and others. For as we are merely the resultant of
previous generations, we are

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Text Comparison with Jenseits von Gut und Böse

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Wir fragten nach dem Werthe dieses Willens.
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verehrten Dinge ausmacht, gerade darin bestünde, mit jenen schlimmen, scheinbar entgegengesetzten Dingen auf verfängliche Weise verwandt, verknüpft, verhäkelt, vielleicht gar wesensgleich zu sein.
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Man soll darin, wie mich dünkt, diesen skeptischen Anti-Wirklichen und Erkenntniss-Mikroskopikern von heute Recht geben: ihr Instinkt, welcher sie aus der modernen Wirklichkeit hinwegtreibt, ist unwiderlegt, - was gehen uns ihre rückläufigen Schleichwege an! Das Wesentliche an ihnen ist nicht, dass sie "zurück" wollen: sondern, dass sie - weg wollen.
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Cynismus ist die einzige Form, in welcher gemeine Seelen an Das streifen, was Redlichkeit ist; und der höhere Mensch hat bei jedem gröberen und feineren Cynismus die Ohren aufzumachen und sich jedes Mal Glück zu wünschen, wenn gerade vor ihm der Possenreisser ohne Scham oder der wissenschaftliche Satyr laut werden.
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Gesetzt, ein Solcher geht zu Grunde, so geschieht es so ferne vom Verständniss der Menschen, dass sie es nicht fühlen und mitfühlen: - und er kann nicht mehr zurück! er kann auch zum Mitleiden der Menschen nicht mehr zurück! - - 30.
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Brauche ich nach alledem noch eigens zu sagen, dass auch sie freie, sehr freie Geister sein werden, diese Philosophen der Zukunft, - so gewiss sie auch nicht bloss freie Geister sein werden, sondern etwas Mehreres, Höheres, Grösseres und Gründlich-Anderes, das nicht verkannt und verwechselt werden will? Aber, indem ich dies sage, fühle ich fast ebenso sehr gegen sie selbst, als gegen uns, die wir ihre Herolde und Vorläufer sind, wir freien Geister! - die Schuldigkeit, ein altes dummes Vorurtheil und Missverständniss von uns gemeinsam fortzublasen, welches allzulange wie ein Nebel den Begriff "freier Geist" undurchsichtig gemacht hat.
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Aber wie oft muss er sich verzweifelt sagen: "ein Einzelner! ach, nur ein Einzelner! und dieser grosse Wald und Urwald!" Und so wünscht er sich einige hundert Jagdgehülfen und feine gelehrte Spürhunde, welche er in die Geschichte der menschlichen Seele treiben könnte, um dort sein Wild zusammenzutreiben.
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auch für ihn lässt, was sie hat oder gerne hätte -: so erst gilt es ihm als "besessen".
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Gegen eine solche "Möglichkeit", gegen ein solches "Sollte" wehrt sich aber diese Moral mit allen Kräften: sie sagt hartnäckig und unerbittlich "ich bin die Moral selbst, und Nichts ausserdem ist Moral!" - ja mit Hülfe einer Religion, welche den sublimsten Heerdenthier-Begierden zu Willen war und schmeichelte, ist es dahin gekommen, dass wir selbst in den politischen und gesellschaftlichen Einrichtungen einen immer sichtbareren Ausdruck dieser Moral finden: die demokratische Bewegung macht die Erbschaft der christlichen.
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Müsst ihr denn durchaus etwas Krummes gleich gerade biegen? Durchaus jedes Loch mit irgend welchem Werge ausstopfen? Hat das nicht Zeit? Hat die Zeit nicht Zeit? Oh ihr Teufelskerle, könnt ihr denn gar nicht warten? Auch das Ungewisse hat seine Reize, auch die Sphinx ist eine Circe, auch die Circe war eine Philosophin.
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Aber wir mögen thun, was wir wollen: die Tölpel und der Augenschein sagen gegen uns "das sind Menschen ohne Pflicht" - wir haben immer die Tölpel und den Augenschein gegen uns! 227.
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Keins von allen diesen schwerfälligen, im Gewissen beunruhigten Heerdenthieren (die die Sache des Egoismus als Sache der allgemeinen Wohlfahrt zu führen unternehmen -) will etwas davon wissen und riechen, dass die "allgemeine Wohlfahrt" kein Ideal, kein Ziel, kein irgendwie fassbarer Begriff, sondern nur ein Brechmittel ist, - dass, was dem Einen billig ist, durchaus noch nicht dem Andern billig sein kann, dass die Forderung Einer Moral für Alle die Beeinträchtigung gerade der höheren Menschen ist, kurz, dass es eine Rangordnung zwischen Mensch und Mensch, folglich auch zwischen Moral und Moral giebt.
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Das Weib will selbständig werden: und dazu fängt es an, die Männer über das "Weib an sich" aufzuklären - das gehört zu den schlimmsten Fortschritten der allgemeinen Verhässlichung Europa's.
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Und wir voran, wir guten Europäer! - 244.
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Die Franzosen sind nur die Affen und Schauspieler dieser Ideen gewesen, auch ihre besten Soldaten, insgleichen leider ihre ersten und gründlichsten Opfer: denn an der verdammlichen Anglomanie der "modernen Ideen" ist zuletzt die âme française so dünn geworden und abgemagert, dass man sich ihres sechszehnten und siebzehnten Jahrhunderts, ihrer tiefen leidenschaftlichen Kraft, ihrer erfinderischen Vornehmheit heute fast mit Unglauben erinnert.
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Im ersten Falle, wenn die Herrschenden es sind, die den Begriff gut- bestimmen, sind es die erhobenen stolzen Zustände der Seele, welche als das Auszeichnende und die Rangordnung Bestimmende empfunden werden.
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- Aber sie ist schwer zu predigen, diese Moral der Mittelmässigkeit! - sie darf es ja niemals eingestehn, was sie ist und was sie will! sie muss von Maass und Würde und Pflicht und Nächstenliebe reden, - sie wird noth haben, die Ironie zu verbergen! - 263.
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Gesetzt, man kennt Einiges von den Eltern, so ist ein Schluss auf das Kind erlaubt: irgend eine widrige Unenthaltsamkeit, irgend ein Winkel-Neid, eine plumpe Sich-Rechtgeberei - wie diese Drei zusammen zu allen Zeiten den eigentlichen Pöbel-Typus ausgemacht haben - dergleichen muss auf das Kind so sicher übergehn, wie verderbtes Blut; und mit Hülfe der besten Erziehung und Bildung wird man eben nur erreichen, über eine solche Vererbung zu täuschen.