Thoughts Out of Season, Part II

By Friedrich Nietzsche

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essay on
University philosophy. I return to this point, as men must be forced
to take it seriously, to be driven to activity by it; and I think all
writing is useless that does not contain such a stimulus to activity.
And anyhow it is a good thing to apply Schopenhauer's eternal
theories once more to our own contemporaries, as some kindly soul
might think that everything has changed for the better in Germany
since his fierce diatribes. Unfortunately his work is incomplete on
this side as well, unimportant as the side may be.

The "freedom" that the state, as I said, bestows on certain men for
the sake of philosophy is, properly speaking, no freedom at all, but
an office that maintains its holder. The "encouragement of
philosophy" means that there are to-day a number of men whom the
state enables to make their living out of philosophy; whereas the old
sages of Greece were not paid by the state, but at best were
presented, as Zeno was, with a golden crown and a monument in the
Ceramicus. I cannot say generally whether truth is served by showing
the way to live by her, since everything depends on the character of
the individual who shows the way. I can imagine a degree of pride in
a man saying to his fellow-men, "take care of me, as I have something
better to do--namely to take care of you." We should not be angry at
such a heightened mode of expression in Plato and Schopenhauer; and
so they might properly have been University philosophers,--as Plato,
for example, was a court philosopher for a while without lowering the
dignity of philosophy. But in Kant we have the usual submissive
professor, without any nobility in his relations with the state; and
thus he could not justify the University philosophy when it was once
assailed. If there be natures like Schopenhauer's and Plato's, which
can justify it, I fear they will never have the chance, as the state
would never venture to give such men these positions, for the simple
reason that every state fears them, and will only favour philosophers
it does not fear. The state obviously has a special fear of
philosophy, and will try to attract more philosophers, to create the
impression that it has philosophy on its side,--because it has those
men on its side who have the title without the power. But if there
should come one who really proposes to cut everything to the quick,
the state included, with the knife of truth, the state, that affirms
its own existence above all, is justified in

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Text Comparison with Jenseits von Gut und Böse

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O sancta simplicitas! In welcher seltsamen Vereinfachung und Fälschung lebt der Mensch! Man kann sich nicht zu Ende wundern, wenn man sich erst einmal die Augen für dies Wunder eingesetzt hat! Wie haben wir Alles um uns hell und frei und leicht und einfach gemacht! wie wussten wir unsern Sinnen einen Freipass für alles Oberflächliche, unserm Denken eine göttliche Begierde nach muthwilligen Sprüngen und Fehlschlüssen zu geben! - wie haben wir es von Anfang an verstanden, uns unsre Unwissenheit zu erhalten, um eine kaum begreifliche Freiheit, Unbedenklichkeit, Unvorsichtigkeit, Herzhaftigkeit, Heiterkeit des Lebens, um das Leben zu geniessen! Und erst auf diesem nunmehr festen und granitnen Grunde von Unwissenheit durfte sich bisher die Wissenschaft erheben, der Wille zum Wissen auf dem Grunde eines viel gewaltigeren Willens, des Willens zum Nicht-wissen, zum Ungewissen, zum Unwahren! Nicht als sein Gegensatz, sondern - als seine Verfeinerung! Mag nämlich auch die Sprache, hier wie anderwärts, nicht über ihre Plumpheit hinauskönnen und fortfahren, von Gegensätzen zu reden, wo es nur Grade und mancherlei Feinheit der Stufen giebt; mag ebenfalls die eingefleischte Tartüfferie der Moral, welche jetzt zu unserm unüberwindlichen "Fleisch und Blut" gehört, uns Wissenden selbst die Worte im Munde umdrehen: hier und da begreifen wir es und lachen darüber, wie gerade noch die beste Wissenschaft uns am besten in dieser vereinfachten, durch und durch künstlichen, zurecht gedichteten, zurecht gefälschten Welt festhalten will, wie sie unfreiwillig-willig den Irrthum liebt, weil sie, die Lebendige, - das Leben liebt! 25.
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In den letzten zehn Jahrtausenden ist man hingegen auf einigen grossen Flächen der Erde Schritt für Schritt so weit gekommen, nicht mehr die Folgen, sondern die Herkunft der Handlung über ihren Werth entscheiden zu lassen: ein grosses Ereigniss als Ganzes, eine erhebliche Verfeinerung des Blicks und Maassstabs, die unbewusste Nachwirkung von der Herrschaft aristokratischer Werthe und des Glaubens an "Herkunft", das Abzeichen einer Periode, welche man im engeren Sinne als die moralische bezeichnen darf: der erste Versuch zur Selbst-Erkenntniss ist damit gemacht.
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auch an der Entstehung des letzten grossen Sklaven-Aufstandes betheiligt, welcher mit der französischen Revolution begonnen hat.
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das eigentliche Fundament der Ethik, welches man wie den Stein der Weisen seit Jahrtausenden sucht.
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Was aber in solchen Mischlingen am tiefsten krank wird und entartet, das ist der Wille: sie kennen das Unabhängige im Entschlusse, das tapfere Lustgefühl im Wollen gar nicht mehr, - sie zweifeln an der "Freiheit des Willens" auch noch in ihren Träumen.
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Wir Menschen des "historischen Sinns": wir haben als solche unsre Tugenden, es ist nicht zu bestreiten, - wir sind anspruchslos, selbstlos, bescheiden, tapfer, voller Selbstüberwindung, voller Hingebung, sehr dankbar, sehr geduldig, sehr entgegenkommend: - wir sind mit Alledem vielleicht nicht sehr "geschmackvoll".
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Keins von allen diesen schwerfälligen, im Gewissen beunruhigten Heerdenthieren (die die Sache des Egoismus als Sache der allgemeinen Wohlfahrt zu führen unternehmen -) will etwas davon wissen und riechen, dass die "allgemeine Wohlfahrt" kein Ideal, kein Ziel, kein irgendwie fassbarer Begriff, sondern nur ein Brechmittel ist, - dass, was dem Einen billig ist, durchaus noch nicht dem Andern billig sein kann, dass die Forderung Einer Moral für Alle die Beeinträchtigung gerade der höheren Menschen ist, kurz, dass es eine Rangordnung zwischen Mensch und Mensch, folglich auch zwischen Moral und Moral giebt.
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Ich wage vielleicht etwas, wenn ich eine solche Wahrheit mir entschlüpfen lasse: mögen Andre sie wieder einfangen und ihr so viel "Milch der frommen Denkungsart" zu trinken geben, bis sie still und vergessen in ihrer alten Ecke liegt.
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Das Weib will selbständig werden: und dazu fängt es an, die Männer über das "Weib an sich" aufzuklären - das gehört zu den schlimmsten Fortschritten der allgemeinen Verhässlichung Europa's.
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"Der hält und weiss von Philosophie so viel als ein Bauer oder Corpsstudent - sagte der Eine -: der ist noch unschuldig.
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Wie wenig der deutsche Stil mit dem Klange und mit den Ohren zu thun hat, zeigt die Thatsache, dass gerade unsre guten Musiker schlecht schreiben.
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Das ist keine philosophische Rasse - diese Engländer: Bacon bedeutet einen Angriff auf den philosophischen Geist überhaupt, Hobbes, Hume und Locke eine Erniedrigung und Werth-Minderung des Begriffs "Philosoph" für mehr als ein Jahrhundert.
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Die vornehme Kaste war im Anfang immer die Barbaren-Kaste: ihr Übergewicht lag nicht vorerst in der physischen Kraft, sondern in der seelischen, - es waren die ganzeren Menschen (was auf jeder Stufe auch so viel mit bedeutet als "die ganzeren Bestien").
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Im Höchsten ward für euch mein Tisch gedeckt - Wer wohnt den Sternen So nahe, wer des Abgrunds grausten Fernen? Mein Reich - welch Reich hat weiter sich gereckt? .