Thoughts Out of Season, Part II

By Friedrich Nietzsche

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their envy, secretiveness and impurity: he is troubled by
their innate love of the false and the ignoble, their wretched
mimicry and translation of a good foreign thing into a bad German
one. But now that the feverish unrest, the quest of gain and success,
the intense prizing of the moment, is added to it all, it makes one
furious to think that all this sickness can never be cured, but only
painted over, by such a "cult of the interesting." And this among a
people that has produced a Schopenhauer and a Wagner! and will
produce others, unless we are blindly deceiving ourselves; for should
not their very existence be a guarantee that such forces are even now
potential in the German spirit? Or will they be exceptions, the last
inheritors of the qualities that were once called German? I can see
nothing to help me here, and return to my main argument again, from
which my doubts and anxieties have made me digress. I have not yet
enumerated all the forces that help culture without recognising its
end, the production of genius. Three have been named; the
self-interest of business, of the state, and of those who draw the
cloak of "good form" over them. There is fourthly the self-interest
of science, and the peculiar nature of her servants--the learned.

Science has the same relation to wisdom as current morality to
holiness: she is cold and dry, loveless, and ignorant of any deep
feeling of dissatisfaction and yearning. She injures her servants in
helping herself, for she impresses her own character on them and
dries up their humanity. As long as we actually mean by culture the
progress of science, she will pass by the great suffering man and
harden her heart, for science only sees the problems of knowledge,
and suffering is something alien and unintelligible to her
world--though no less a problem for that!

If one accustom himself to put down every experience in a dialectical
form of question and answer, and translate it into the language of
"pure reason," he will soon wither up and rattle his bones like a
skeleton. We all know it: and why is it that the young do not shudder
at these skeletons of men, but give themselves blindly to science
without motive or measure? It cannot be the so-called "impulse to
truth": for how could there be an impulse towards a pure, cold and
objectless knowledge? The unprejudiced eye can see the real driving
forces only too plainly. The vivisection of the professor has much to
recommend it, as he himself is accustomed to finger and

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Text Comparison with Die Geburt der Tragödie: Versuch einer Selbstkritik

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es.
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In Wahrheit, es giebt zu der rein ästhetischen Weltauslegung und Welt-Rechtfertigung, wie sie in diesem Buche gelehrt wird, keinen grösseren Gegensatz als die christliche Lehre, welche nur moralisch ist und sein will und mit ihren absoluten Maassen, zum Beispiel schon mit ihrer Wahrhaftigkeit Gottes, die Kunst, jede Kunst in's Reich der Lüge verweist, - das heisst verneint, verdammt, verurtheilt.
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Behutsam ist gerade das Element, als unapollinisch, ferngehalten, das den Charakter der dionysischen Musik und damit der Musik überhaupt ausmacht, die erschütternde Gewalt des Tones, der einheitliche Strom des Melos und die durchaus unvergleichliche Welt der Harmonie.
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Derselbe Trieb, der die Kunst in's Leben ruft, als die zum Weiterleben verführende Ergänzung und Vollendung des Daseins, liess auch die olympische Welt entstehn, in der sich der hellenische "Wille" einen verklärenden Spiegel vorhielt.
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Aber eben so gewiss ist, dass dort, wo der erste Ansturm ausgehalten wurde, das Ansehen und die Majestät des delphischen Gottes starrer und drohender als je sich äusserte.
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Insofern aber das Subject Künstler ist, ist es bereits von seinem individuellen Willen erlöst und gleichsam Medium geworden, durch das hindurch das eine wahrhaft seiende Subject seine Erlösung im Scheine feiert.
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Fugen ist, wieder einzurichten.
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Euripides ist der Schauspieler mit dem klopfenden Herzen, mit den zu Berge stehenden Haaren; als sokratischer Denker entwirft er den Plan, als leidenschaftlicher Schauspieler führt er ihn aus.
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Wer nur einen Hauch von jener göttlichen Naivetät und Sicherheit der sokratischen Lebensrichtung aus den platonischen Schriften gespürt hat, der fühlt auch, wie das ungeheure Triebrad des logischen Sokratismus gleichsam hinter Sokrates in Bewegung ist, und wie dies durch Sokrates wie durch einen Schatten hindurch angeschaut werden muss.
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Wo aber unbesiegbare Anlagen gegen die sokratischen Maximen ankämpften, war die Kraft derselben, sammt der Wucht jenes ungeheuren Charakters, immer noch gross genug, um die Poesie selbst in neue und bis dahin unbekannte Stellungen zu drängen.
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Um die Würde einer solchen Führerstellung auch für Sokrates zu erweisen, genügt es in ihm den Typus einer vor ihm unerhörten Daseinsform zu erkennen, den Typus des theoretischen Menschen, über dessen Bedeutung und Ziel zur Einsicht zu kommen, unsere nächste Aufgabe ist.
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- Wir verstehen also, nach der Lehre Schopenhauer's, die Musik als die Sprache des Willens unmittelbar und fühlen unsere Phantasie angeregt, jene zu uns redende, unsichtbare und doch so lebhaft bewegte Geisterwelt zu gestalten und sie in einem analogen Beispiel uns zu verkörpern.
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Es war die Forderung recht eigentlich unmusikalischer Zuhörer, dass man vor allem das Wort verstehen müsse: so dass eine Wiedergeburt der Tonkunst nur zu erwarten sei, wenn man irgend eine Gesangesweise entdecken werde, bei welcher das Textwort über den Contrapunkt wie der Herr über den Diener herrsche.
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Welche zuversichtliche Gutmüthigkeit dieser verwegenen Bestrebungen, mitten im Schoosse der theoretischen Cultur! - einzig nur aus dem tröstenden Glauben zu erklären, dass "der Mensch an sich" der ewig tugendhafte Opernheld, der ewig flötende oder singende Schäfer sei, der sich endlich immer als solchen wiederfinden müsse, falls er sich selbst irgendwann einmal wirklich auf einige Zeit verloren habe, einzig die Frucht jenes Optimismus, der aus der Tiefe der sokratischen Weltbetrachtung hier wie eine süsslich verführerische Duftsäule emporsteigt.
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als Ganzes percipirt werden kann, ohne Verneinung der Individualexistenz, wenn eine solche Schöpfung geschaffen werden konnte, ohne ihren Schöpfer zu zerschmettern - woher nehmen wir die Lösung eines solchen Widerspruches? Hier drängt sich zwischen unsre höchste Musikerregung und jene Musik der tragische Mythus und der tragische Held, im Grunde nur als Gleichniss der alleruniversalsten Thatsachen, von denen allein die Musik auf directem Wege reden kann.
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Er schaudert vor den Leiden, die den Helden treffen werden und ahnt doch bei ihnen eine höhere, viel übermächtigere Lust.
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Damals hatte er geahnt, was der aesthetische Zuhörer ist.
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Der Inhalt des tragischen.
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neben die Welt hingestellt, allein einen Begriff davon geben kann, was unter der Rechtfertigung der Welt als eines aesthetischen Phänomens zu verstehen ist.