The Will to Power, Book I and II An Attempted Transvaluation of all Values

By Friedrich Nietzsche

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whole process of spiritual healing must be remodelled on a
physiological basis: the "sting of conscience" as such is an obstacle
in the way of recovery--as soon as possible the attempt must be made
to counterbalance everything by means of new actions, so that there
may be an escape from the morbidness of _self-torture...._ The purely
psychical practices of the Church and of the various sects should be
decried as dangerous to the health. No invalid is ever cured by prayers
or by the exorcising of evil spirits: the states of "repose" which
follow upon such methods of treatment, by no means inspire confidence,
in the psychological sense....

A man is _healthy_ when he can laugh at the seriousness and ardour with
which he has allowed himself to be _hypnotised_ to any extent by any
detail in his life--when his remorse seems to him like the action of a
dog biting a stone--when he is ashamed of his repentance.

The purely psychological and religious practices, which have existed
hitherto, only led to an _alteration in the symptoms_: according to
them a man had recovered when he bowed before the cross, and swore
that in future he would be a good man.... But a criminal, who, with
a certain gloomy seriousness cleaves to his fate and refuses to
malign his deed once it is done, has more _spiritual health...._
The criminals with whom Dostoiewsky associated in prison, were all,
without exception, unbroken natures,--are they not a hundred times more
valuable than a "broken-spirited" Christian?

(For the treatment of pangs of conscience I recommend Mitchell's
Treatment.[2])


[Footnote 2: TRANSLATOR'S NOTE.--In _The New Sydenham Society's Lexicon
of Medicine and the Allied Sciences,_ the following description of
Mitchell's treatment is to be found: "A method of treating cases of
neurasthenia and hysteria ... by removal from home, rest in bed,
massage twice a day, electrical excitation of the muscles, and
excessive feeding, at first with milk."]


234.

A _pang of conscience_ in a man is a sign that his character is not
yet equal to his _deed._ There is such a thing as a pang of conscience
after _good deeds_: in this case it is their unfamiliarity, their
incompatibility with an old environment.


235.

_Against remorse._--I do not like this form of cowardice in regard to
one's own actions, one must not leave one's self in the lurch under
the pressure of sudden shame or distress. Extreme pride is much more
fitting here. What is the good of it all in the end! No deed gets
undone because it is regretted, no more than because it is "forgiven"
or "expiated." A man must be a theologian

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Text Comparison with Menschliches, Allzumenschliches: Ein Buch Fuer Freie Geister

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Wie? Alles nur - menschlich-allzumenschlich? Mit diesem Seufzer komme man aus meinen Schriften heraus, nicht ohne eine Art Scheu und Misstrauen selbst gegen die Moral, ja nicht übel versucht und ermuthigt, einmal den Fürsprecher der schlimmsten Dinge zu machen: wie als ob sie vielleicht nur die bestverleumdeten seien? Man hat meine Schriften eine Schule des Verdachts genannt, noch mehr der Verachtung, glücklicherweise auch des Muthes, ja der Verwegenheit.
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4.
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- je weniger die Menschen durch das Herkommen gebunden sind, um so grösser wird die innere Bewegung der Motive, um so grösser wiederum, dem entsprechend, die äussere Unruhe, das Durcheinanderfluten der Menschen, die Polyphonie der Bestrebungen.
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Sodann: eine Meinung beglückt, also ist sie die wahre, ihre Wirkung ist gut, also ist sie selber gut und wahr.
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- denn in dem Siege seines Vaterlandes siegt sein höchstes Wünschen mit.
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Schon die angeerbte Empfindung, ein höheres Wesen mit.
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Das einzige Verlangen des Individuums nach Selbstgenuss (sammt der Furcht, desselben verlustig zu gehen) befriedigt sich unter allen Umständen, der Mensch mag handeln, wie er kann, das heisst wie er muss: sei es in Thaten der Eitelkeit, Rache, Lust, Nützlichkeit, Bosheit, List, sei es in Thaten der Aufopferung, des Mitleids, der Erkenntniss.
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Sodann setzt es voraus, dass der Andere Egoist genug ist, um jene Opfer, jenes Leben für ihn, immer und immer wieder anzunehmen: so dass die Menschen der Liebe und Aufopferung ein Interesse an dem Fortbestehen der liebelosen und aufopferungsunfähigen Egoisten haben, und die höchste Moralität, um bestehen zu können, förmlich die Existenz der Unmoralität erzwingen müsste (wodurch sie sich freilich selber aufheben würde).
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Und doch ist dieses Leiden am Natürlichen in der Realität der Dinge völlig unbegründet: es ist nur die Folge von Meinungen über die Dinge.
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Er ist die Ausnahme, die gebundenen Geister sind die Regel; diese werfen ihm vor, dass seine freien Grundsätze ihren Ursprung entweder in der Sucht, aufzufallen, haben oder gar auf freie Handlungen, das heisst auf solche, welche mit der gebundenen Moral unvereinbar sind, schliessen lassen.
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Denn wenn es wahr ist, dass zum Entstehen des Gelehrten "eine Menge sehr menschlicher Triebe und Triebchen zusammengegossen werden muss", dass der Gelehrte zwar ein sehr edles, aber kein reines Metall ist und "aus einem verwickelten Geflecht sehr verschiedener Antriebe und Reize besteht": so gilt doch das Selbe ebenfalls von Entstehung und Wesen des Künstlers, Philosophen, moralischen Genie's - und wie die in jener Schrift glorificirten grossen Namen lauten.
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Zur Kriegsgeschichte des Individuums.
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Vorsicht der freien Geister.
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Mitleid fordern als Zeichen der Anmaassung.
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Seitdem diess geschehen ist, muss man sich den neuen Bedingungen fügen, wie man sich fügt, wenn ein Erdbeben die alten Gränzen und Umrisse der Bodengestalt verrückt und den Werth des Besitzes verändert hat.
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- Die Menschen verkehren mit ihren Fürsten vielfach in ähnlicher Weise wie mit ihrem Gotte, wie ja vielfach auch der Fürst der Repräsentant des Gottes, mindestens sein Oberpriester war.
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Daran liegt es, dass man nicht zugleich von derselben Person wenigstens in dem selben Zeitraume,.
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Der unangenehme Charakter stammt aus den Zeiten, wo die rohen Fundamente des menschlichen Verkehrs erst zu bauen waren, der andere lebt auf deren höchsten Stockwerken, möglichst entfernt von dem wilden Thier, welches in den Kellern, unter den Fundamenten der Cultur, eingeschlossen wüthet und heult.
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Aber die Menschen selber verkehren sehr verschieden mit diesem ihrem höheren Selbst und sind häufig ihre eigenen Schauspieler, insofern sie Das, was sie in jenen Augenblicken sind, später immer wieder nachmachen.
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