The Will to Power, Book I and II An Attempted Transvaluation of all Values

By Friedrich Nietzsche

Page 71

true,_ provided it be
_effective_: total _absence of intellectual uprightness._ Everything
is good, whether it be lying, slander, or shameless "cooking," provided
it serve to heighten the degree of heat to the point at which people
"believe."

We are face to face with an actual school for the teaching of _the
means wherewith_ men are _seduced_ to a belief: we see systematic
_contempt_ for those spheres whence contradiction might come (that
is to say, for reason, philosophy, wisdom, doubt, and caution); a
shameless praising and glorification of the teaching, with continual
references to the fact that it was God who presented us with it--that
the apostle signifies nothing--that no criticism is brooked, but
only faith, acceptance; that it is the greatest blessing and favour
to receive such a doctrine of salvation; that the state in which one
should receive it, ought to be one of the profoundest thankfulness and
humility....

The resentment which the lowly feel against all those in high places,
is continually turned to account: the fact that this teaching is
revealed to them as the reverse of the wisdom of the world, against
the power of the world, seduces them to it. This teaching convinces
the outcasts and the botched of all sorts and conditions; it promises
blessedness, advantages, and privileges to the most insignificant and
most humble men; it fanaticises the poor, the small, and the foolish,
and fills them with insane vanity, as though _they_ were the meaning
and salt of the earth.

Again, I say, all this cannot be sufficiently contemned, we spare
ourselves a criticism of the teaching; it is sufficient to take
note of the means it uses in order to be aware of the nature of the
phenomenon one is examining. It identified itself with _virtue,_
it appropriated the whole of the _fascinating power of virtue,_
shamelessly, for its own purposes ... it availed itself of the power of
paradox, and of the need, manifested by old civilisation, for pepper
and absurdity; it amazed and revolted at the same time; it provoked
persecutions and ill-treatment.

It is the same kind of _well-thought-out meanness_ with which the
Jewish priesthood established their power and built up their Church....

One must be able to discern: (1) that warmth of passion "love" (resting
on a base of ardent sensuality); (2) the thoroughly _ignoble character_
of Christianity:--the continual exaggeration and verbosity;--the lack
of cool intellectuality and irony;--the unmilitary character of all its
instincts;--the priestly prejudices against manly pride, sensuality,
the sciences, the arts.


173.

_Paul_: seeks power _against_ ruling Judaism,--his attempt is too
weak.... Transvaluation of the notion "Jew": the "race" is put aside:
but that means denying the very basis

Last Page Next Page

Text Comparison with Die Geburt der Tragödie: Versuch einer Selbstkritik

Page 0
Während die Donner der Schlacht von Wörth über Europa weggiengen, sass der Grübler und Räthselfreund, dem die Vaterschaft dieses Buches zu Theil ward, irgendwo in einem Winkel der Alpen, sehr vergrübelt und verräthselt, folglich sehr bekümmert und unbekümmert zugleich, und schrieb seine Gedanken über die Griechen nieder, - den Kern des wunderlichen und schlecht zugänglichen Buches, dem diese späte Vorrede (oder Nachrede) gewidmet sein soll.
Page 1
Darauf hin sollte es schon mit einiger Rücksicht und Schweigsamkeit behandelt werden; trotzdem will ich nicht gänzlich unterdrücken, wie unangenehm es mir jetzt erscheint, wie fremd es jetzt nach sechzehn Jahren vor mir steht, - vor einem älteren, hundert Mal verwöhnteren, aber keineswegs kälter gewordenen Auge, das auch jener Aufgabe selbst nicht fremder wurde, an welche sich jenes verwegene Buch zum ersten Male herangewagt hat, - die Wissenschaft unter der Optik des Künstlers zu sehn, die Kunst aber unter der des Lebens.
Page 3
In der That, das ganze Buch kennt nur einen Künstler-Sinn und - Hintersinn hinter allem Geschehen, - einen "Gott", wenn man will, aber gewiss nur einen gänzlich unbedenklichen und unmoralischen Künstler-Gott, der im Bauen wie im Zerstören, im Guten wie im Schlimmen, seiner gleichen Lust und Selbstherrlichkeit inne werden will, der sich, Welten schaffend, von der Noth der Fülle und Ueberfülle, vom.
Page 14
Welches war das ungeheure Bedürfniss, aus dem eine so leuchtende Gesellschaft olympischer Wesen entsprang? Wer, mit einer anderen Religion im Herzen, an diese Olympier herantritt und nun nach sittlicher Höhe, ja Heiligkeit, nach unleiblicher Vergeistigung, nach erbarmungsvollen Liebesblicken bei ihnen sucht, der wird unmuthig und enttäuscht ihnen bald den Rücken kehren müssen.
Page 15
Der Grieche kannte und empfand die Schrecken und Entsetzlichkeiten des Daseins: um überhaupt leben zu können, musste er vor sie hin die glänzende Traumgeburt der Olympischen stellen.
Page 17
Diese Vergöttlichung der Individuation kennt, wenn sie überhaupt imperativisch und Vorschriften gebend gedacht wird, nur Ein Gesetz, das Individuum d.
Page 18
Liebe zu den Menschen musste Prometheus von den Geiern zerrissen werden, seiner übermässigen Weisheit halber, die das Räthsel der Sphinx löste, musste Oedipus in einen verwirrenden Strudel von Unthaten stürzen: so interpretirte der delphische Gott die griechische Vergangenheit.
Page 23
Was aber ist das Volkslied im Gegensatz zu dem völlig apollinischen Epos? Was anders als das perpetuum vestigium einer Vereinigung des Apollinischen und des Dionysischen; seine ungeheure, über alle Völker sich erstreckende und in immer neuen Geburten sich steigernde Verbreitung ist uns ein Zeugniss dafür, wie stark jener künstlerische Doppeltrieb der Natur ist: der in analoger Weise seine Spuren im Volkslied hinterlässt, wie die orgiastischen Bewegungen eines Volkes sich in seiner Musik verewigen.
Page 24
In diesem Sinne dürfen wir in der Sprachgeschichte des griechischen Volkes zwei Hauptströmungen unterscheiden, jenachdem die Sprache die Erscheinungs- und Bilderwelt oder die Musikwelt nachahmte.
Page 37
Damit aber.
Page 42
Und so hebt der aristophanische Euripides zu seinem Preise hervor, wie er das allgemeine, allbekannte, alltägliche Leben und Treiben dargestellt habe, über das ein Jeder zu urtheilen befähigt sei.
Page 46
Welches Ziel - so müssen wir uns jetzt fragen - konnte die euripideische Absicht, das Drama allein auf das Undionysische zu gründen, in der höchsten Idealität ihrer Durchführung überhaupt haben? Welche Form des Drama's blieb noch übrig, wenn es nicht aus dem Geburtsschoosse der Musik, in jenem geheimnissvollen Zwielicht des Dionysischen geboren werden sollte? Allein das dramatisirte Epos: in welchem apollinischen Kunstgebiete nun freilich die tragische Wirkung unerreichbar ist.
Page 51
In besonderen Lagen, in denen sein ungeheurer Verstand in's Schwanken gerieth, gewann er einen festen Anhalt durch eine in solchen Momenten sich äussernde göttliche Stimme.
Page 52
Wie Plato, rechnete er sie zu den schmeichlerischen Künsten, die nur das Angenehme, nicht das Nützliche darstellen und verlangte deshalb bei seinen Jüngern Enthaltsamkeit und strenge Absonderung von solchen unphilosophischen Reizungen; mit solchem Erfolge, dass der jugendliche Tragödiendichter Plato zu allererst seine Dichtungen verbrannte, um Schüler des Sokrates werden zu können.
Page 53
Dies war die neue Stellung der Poesie, in die sie Plato unter dem Drucke des dämonischen Sokrates drängte.
Page 63
Zugleich aber müssen wir zugeben, dass die vorhin aufgestellte Bedeutung des tragischen Mythus den griechischen Dichtern, geschweige den griechischen Philosophen, niemals in begrifflicher Deutlichkeit durchsichtig geworden ist; ihre Helden sprechen gewissermaassen oberflächlicher als sie handeln, der Mythus findet in dem gesprochnen Wort durchaus nicht seine adäquate Objectivation.
Page 76
Jetzt endlich darf er, nach seiner Heimkehr zum Urquell seines Wesens, vor allen Völkern kühn und frei, ohne das Gängelband einer romanischen Civilisation, einherzuschreiten wagen: wenn er nur von einem Volke unentwegt zu lernen versteht, von dem überhaupt lernen zu können schon ein hoher Ruhm und eine auszeichnende Seltenheit ist, von den Griechen.
Page 78
Es giebt nicht Seinesgleichen.
Page 87
Alle Kräfte der Phantasie und des apollinischen Traumes werden erst durch den Mythus aus ihrem wahllosen Herumschweifen gerettet.
Page 90
Die hellste Deutlichkeit des Bildes genügte uns nicht: denn dieses schien eben sowohl Etwas zu offenbaren als zu verhüllen; und während es mit seiner gleichnissartigen Offenbarung zum Zerreissen des Schleiers, zur Enthüllung des geheimnissvollen Hintergrundes aufzufordern schien, hielt wiederum gerade jene durchleuchtete Allsichtbarkeit das Auge gebannt und wehrte ihm, tiefer zu dringen.