The Will to Power, Book I and II An Attempted Transvaluation of all Values

By Friedrich Nietzsche

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supposed to take place at some moment after
death;

(5) The teaching of the Son of man as the "Son of God,"--that is to
say, the life-relationship between man and God,--becomes the "second
person of the Trinity," and thus the filial relationship of every
man--even the lowest--to God, is _done away with_;

(6) Salvation through faith (that is to say, that there is no other way
to this filial relationship to God, save through the _practice of life_
taught by Christ) becomes transformed into the belief that there is a
miraculous way of _atoning_ for all _sin_; though not through our own
endeavours, but by means of Christ:

For all these purposes, "Christ on the Cross" had to be interpreted
afresh. The _death_ itself would certainly not be the principal feature
of the event ... it was only another sign pointing to the way in
which one should behave towards the authorities and the laws of the
world--_that one was not to defend oneself--this was the exemplary
life._


171.

Concerning the psychology of _Paul._--The important fact is Christ's
death. This remains to be _explained ..._. That there may be truth or
error in an explanation never entered these people's heads: one day a
sublime possibility strikes them, "His death _might_ mean so and so"
--and it forthwith _becomes_ so and so. An hypothesis is proved by the
sublime _ardour_ it lends to its discoverer....

"The proof of strength": _i.e.,_ a thought is demonstrated by its
_effects_ ("by their fruits," as the Bible ingenuously says); that
which fires enthusiasm must be _true,_--what one loses one's blood for
must be _true--_

In every department of this world of thought, the sudden feeling of
power which an idea imparts to him who is responsible for it, is
placed to the _credit_ of that idea:--and as there seems no other way
of honouring an idea than by calling it true, the first epithet it is
honoured with is the word _true._ ... How could it have any effect
otherwise? It was imagined by some power: if that power were not
real, it could not be the cause of anything.... The thought is then
understood as _inspired_: the effect it causes has something of the
violent nature of a demoniacal influence--

A thought which a decadent like Paul could not resist and to which he
completely yields, is thus "proved" _true_!!!

All these holy epileptics and visionaries did not possess a thousandth
part of the honesty in self-criticism with which a philologist,
nowadays, reads a text, or tests the truth of an historical event....
Beside us, such people were moral cretins.


172.

It matters little _whether a thing be

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Text Comparison with Jenseits von Gut und Böse

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Vorrede.
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Europa.
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In der That, man thut gut (und klug), zur Erklärung davon, wie eigentlich die entlegensten metaphysischen Behauptungen eines Philosophen zu Stande gekommen sind, sich immer erst zu fragen: auf welche Moral will es (will er -) hinaus? Ich glaube demgemäss nicht, dass ein "Trieb zur Erkenntniss" der Vater der Philosophie ist, sondern dass sich ein andrer Trieb, hier wie sonst, der Erkenntniss (und der Verkenntniss!) nur wie eines Werkzeugs bedient hat.
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10.
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Wer endlich.
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Etwas dürfte wahr sein: ob es gleich im höchsten Grade schädlich und gefährlich wäre; ja es könnte selbst zur Grundbeschaffenheit des Daseins gehören, dass man an seiner völligen Erkenntniss zu Grunde gienge, - so dass sich die Stärke eines Geistes darnach bemässe, wie viel er von der "Wahrheit" gerade noch aushielte, deutlicher, bis zu welchem Grade er sie verdünnt, verhüllt, versüsst, verdumpft, verfälscht nöthig hätte.
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Theil des Erlebnisses und sind kaum dazu zu zwingen, nicht als "Erfinder" irgend einem Vorgange zuzuschauen.
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Auch Dies zum Kapitel "Moral als Furchtsamkeit".
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Auf die Gefahr hin, dass Moralisiren sich auch hier als Das herausstellt, was es immer war - nämlich als ein unverzagtes montrer ses plaies, nach Balzac -, möchte ich wagen, einer ungebührlichen und schädlichen Rangverschiebung entgegenzutreten, welche sich heute, ganz unvermerkt und wie mit dem besten Gewissen, zwischen Wissenschaft und Philosophie herzustellen.
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Seine spiegelnde und ewig sich glättende Seele weiss nicht mehr zu bejahen, nicht mehr zu verneinen; er befiehlt nicht; er zerstört auch nicht.
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Inwiefern das neue kriegerische Zeitalter, in welches wir Europäer ersichtlich eingetreten sind, vielleicht auch der Entwicklung einer anderen und stärkeren Art von Skepsis günstig sein mag, darüber möchte ich mich vorläufig nur durch ein Gleichniss ausdrücken, welches die Freunde der deutschen Geschichte schon verstehen werden.
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Mitleiden mit euch! das ist freilich nicht das Mitleiden, wie ihr es meint: das ist nicht Mitleiden mit der socialen "Noth", mit der "Gesellschaft" und ihren Kranken und Verunglückten, mit Lasterhaften und Zerbrochnen von Anbeginn, wie sie rings um uns zu Boden liegen; das ist noch weniger Mitleiden mit murrenden gedrückten aufrührerischen Sklaven-Schichten, welche nach Herrschaft - sie nennen's "Freiheit" - trachten.
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Es hat sich nämlich auch in diese Moralisten (welche man durchaus mit Nebengedanken lesen muss, falls man sie lesen muss-), jenes alte englische Laster eingeschlichen, das cant heisst und moralische Tartüfferie ist, dies Mal unter die neue Form der Wissenschaftlichkeit versteckt; es fehlt auch nicht an geheimer Abwehr von Gewissensbissen, an denen billigerweise eine Rasse von ehemaligen Puritanern bei aller wissenschaftlichen Befassung mit Moral leiden wird.
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Herr geworden zu sein eben den Stolz jener menschlicheren Zeitalter ausmacht, dass selbst handgreifliche Wahrheiten wie auf Verabredung Jahrhunderte lang unausgesprochen bleiben, weil sie den Anschein haben, jenem wilden, endlich abgetödteten Thiere wieder zum Leben zu verhelfen.
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Das schwache Geschlecht ist in keinem Zeitalter mit solcher Achtung von Seiten der Männer behandelt worden als in unserm Zeitalter - das gehört zum demokratischen Hang und Grundgeschmack, ebenso wie die Unehrerbietigkeit vor dem Alter -: was Wunder, dass sofort wieder mit dieser Achtung Missbrauch getrieben wird? Man will mehr, man lernt fordern, man findet zuletzt jenen Achtungszoll beinahe schon kränkend, man würde den Wettbewerb um Rechte, ja ganz eigentlich den Kampf vorziehn: genug, das Weib verliert an Scham.
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Dies geschieht heute: täuschen wir uns nicht darüber! Wo nur der industrielle Geist über den militärischen und aristokratischen Geist gesiegt hat, strebt jetzt das Weib nach der wirthschaftlichen und rechtlichen Selbständigkeit eines Commis: "das Weib als Commis" steht an der Pforte der sich bildenden modernen Gesellschaft.
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- Vergesse man es zuletzt den Engländern nicht, dass sie schon Ein Mal mit ihrer tiefen Durchschnittlichkeit eine Gesammt-Depression des europäischen Geistes verursacht haben: Das, was man "die modernen Ideen" oder "die Ideen des achtzehnten Jahrhunderts" oder auch "die französischen Ideen" nennt - Das also, wogegen sich der deutsche Geist mit tiefem Ekel erhoben hat -, war englischen Ursprungs, daran ist nicht zu zweifeln.
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Hier muss man gründlich auf den Grund denken und sich aller empfindsamen Schwächlichkeit erwehren: Leben selbst ist wesentlich Aneignung, Verletzung, Überwältigung des Fremden und Schwächeren, Unterdrückung, Härte, Aufzwängung eigner Formen, Einverleibung und mindestens, mildestens, Ausbeutung, - aber wozu sollte man immer gerade solche Worte gebrauchen, denen von Alters her eine verleumderische Absicht eingeprägt ist? Auch jener Körper, innerhalb dessen, wie vorher angenommen wurde, die Einzelnen sich als gleich behandeln - es geschieht in jeder gesunden Aristokratie -, muss selber, falls er ein lebendiger und nicht ein absterbender Körper ist, alles Das gegen andre Körper thun, wessen sich die Einzelnen in ihm gegen einander enthalten: er wird der leibhafte Wille zur Macht sein müssen, er wird wachsen, um sich greifen, an sich ziehn, Übergewicht gewinnen wollen, - nicht aus irgend einer Moralität oder Immoralität heraus, sondern weil erlebt, und weil Leben eben Wille zur Macht ist.
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Der vornehme Mensch trennt die Wesen von sich ab, an denen das Gegentheil solcher gehobener stolzer Zustände zum Ausdruck kommt: er verachtet sie.
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Ach, der Wissende des Herzens erräth, wie arm, dumm, hülflos, anmaaslich, fehlgreifend, leichter zerstörend als rettend auch die beste tiefste Liebe ist! - Es ist möglich, dass unter der heiligen Fabel und Verkleidung von Jesu Leben einer der schmerzlichsten Fälle vom Martyrium des Wissens um die Liebe verborgen liegt: das Martyrium des unschuldigsten und begehrendsten Herzens, das an keiner Menschen-Liebe je genug hatte, das Liebe, Geliebt-werden und Nichts ausserdem verlangte, mit Härte, mit Wahnsinn, mit furchtbaren Ausbrüchen gegen Die, welche ihm Liebe verweigerten; die Geschichte eines armen Ungesättigten und Unersättlichen in der Liebe, der die Hölle erfinden musste, um Die dorthin zu schicken, welche ihn nicht lieben wollten, - und der endlich, wissend geworden über menschliche Liebe, einen Gott erfinden musste, der ganz Liebe, ganz Lieben- können ist, - der sich der Menschen-Liebe erbarmt, weil sie gar so armselig, so unwissend ist! Wer so fühlt, wer dergestalt um die Liebe weiss -, sucht den Tod.