The Will to Power, Book I and II An Attempted Transvaluation of all Values

By Friedrich Nietzsche

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represents, to the things about him, and who sees them
fuller, mightier, and more pregnant with promises,--who, in fact, _can_
bestow,--the exhausted one belittles and disfigures everything he
sees--he impoverishes its worth: he is detrimental....

No mistake seems possible in this matter: and yet history discloses the
terrible fact, that the exhausted have always been _confounded_ with
those with the most abundant resources, and the latter with the most
detrimental.

The pauper in vitality, the feeble one, impoverishes even life: the
wealthy man, in vital powers, enriches it. The first is the parasite of
the second: the second is a bestower of his abundance. How is confusion
possible?

When he who was exhausted came forth with the bearing of a very
active and energetic man (when degeneration implied a certain excess
of spiritual and nervous discharge), he was _mistaken_ for the wealthy
man. He inspired terror. The cult of the madman is also always the cult
of him who is rich in vitality, and who is a powerful man. The fanatic,
the one possessed, the religious epileptic, all eccentric creatures
have been regarded as the highest types of power: as divine.

This kind of strength which inspires terror seemed to be, above all,
divine: this was the starting-point of authority; here _wisdom_
was interpreted, hearkened to, and sought. Out of this there was
developed, everywhere almost, a _will_ to "deify," _i.e.,_ to a typical
degeneration of spirit, body, and nerves: an attempt to discover the
road to this higher form of being. To make oneself ill or mad, to
provoke the symptoms of serious disorder--was called getting stronger,
becoming more superhuman, more terrible and more wise. People thought
they would thus attain to such wealth of power, that they would be able
to _dispense_ it. Wheresoever there have been prayers, some one has
been sought who had something to give away.

What led astray, here, was the experience of intoxication. This
increases the feeling of power to the highest degree, therefore, to the
mind of the ingenuous, it is _power._ On the highest altar of power
_the most intoxicated man_ must stand, the ecstatic. (There are two
causes of _intoxication_: superabundant life, and a condition of morbid
nutrition of the brain.)


49.

_Acquired,_ not inherited exhaustion: (1) inadequate _nourishment,_
often the result of ignorance concerning diet, as, for instance, in the
case of scholars; (2) erotic precocity: the damnation more especially
of the youth of France--Parisian youths, above all, who are already
dirtied and ruined when they step out of their _lycées_ into the world,
and who cannot break the chains of despicable tendencies; ironical and
scornful towards themselves--galley-slaves despite all their refinement
(moreover,

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Text Comparison with Götzen-Dämmerung

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Sprüche und Pfeile.
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"Wie viel hatte ehemals das Gewissen zu beissen? welche guten Zähne hatte es? - Und heute? woran fehlt es?" - Frage eines Zahnarztes.
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- Und wer heute am besten lacht, lacht auch zuletzt.
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Sie kann nur Nothwehr sein, in den Händen Solcher, die keine andren Waffen mehr haben.
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Nun glauben sie Alle, mit Verzweiflung sogar, an's Seiende.
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Sehr viel später, in einer tausendfach aufgeklärteren Welt kam die Sicherheit, die subjektive Gewissheit in der Handhabung der Vemunft-Kategorien den Philosophen mit Überraschung zum Bewusstsein: sie schlossen, dass dieselben nicht aus der Empirie stammen könnten, - die ganze Empirie stehe ja zu ihnen in Widerspruch.
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Die erste Kirche kämpfte ja, wie bekannt, gegen die "Intelligenten" zu Gunsten der "Armen des Geistes": wie dürfte man von ihr einen intelligenten Krieg gegen die Passion erwarten? - Die Kirche bekämpft die Leidenschaft mit Ausschneidung in jedem Sinne: ihre Praktik, ihre "Kur" ist der Castratismus.
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Oder das Stille-werden des Genesenden, dem alle Dinge neu schmecken und der wartet.
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Moral, wie sie bisher verstanden worden ist - wie sie zuletzt noch von Schopenhauer formulirt wurde als "Verneinung des Willens zum Leben" - ist der décadence-Instinkt selbst, der aus sich einen Imperativ macht: sie sagt: "geh zu Grunde" sie ist das Urtheil Verurtheilter.
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Man zweifelte insgleichen nicht daran, dass alle antecedentia einer Handlung, ihre Ursachen, im Bewusstsein zu suchen seien und darin sich wiederfänden, wenn man sie suche - als "Motive": man wäre ja sonst zu ihr nicht frei, für sie nicht verantwortlich gewesen.
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Es ist nicht eine hohe Cultur, die mit ihm Herr geworden, noch weniger ein delikater Geschmack, eine vornehme "Schönheit" der Instinkte; aber männlichere Tugenden, als sonst ein Land Europa's aufweisen kann.
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Zeugniss Renan, der, sobald er einmal ein Ja oder Nein allgemeinerer Art risquirt, mit peinlicher Regelmässigkeit daneben greift.
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- Emerson hat jene gütige und geistreiche Heiterkeit, welche allen Ernst entmuthigt; er weiss es schlechterdings nicht, wie alt er schon ist und wie jung er noch sein wird, - er könnte von sich mit einem Wort Lope de Vega's sagen: "yo me sucedo a mi mismo".
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Alle unsre politischen Theorien und Staats-Verfassungen, das "deutsche Reich" durchaus nicht ausgenommen, sind Folgerungen, Folge-Nothwendigkeiten des Niedergangs; die unbewusste Wirkung der décadence ist bis in die Ideale einzelner Wissenschaften hinein Herr geworden.
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Der freie Mensch ist Krieger.
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kleinste Gebilde der Herrschaft, die Familie, organisirt, der Kinder und Erben braucht, um ein erreichtes Maass von Macht, Einfluss, Reichthum auch physiologisch festzuhalten, um lange Aufgaben, um Instinkt-Solidarität zwischen Jahrhunderten vorzubereiten.
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Moral war immer ein Prokrustes-Bett.
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Seine Tugenden sind von der Gesellschaft in Bann gethan; seine lebhaftesten Triebe, die er mitgebracht hat, verwachsen alsbald mit den niederdrückenden Affekten, mit dem Verdacht, der Furcht, der Unehre.
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Gebirge her oder aus den Abenteuern des Meeres kommt, nothwendig zum Verbrecher entartet.
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Im Verhältniss zu Plato bin ich ein gründlicher Skeptiker und war stets ausser Stande, in die Bewunderung des Artisten Plato, die unter Gelehrten herkömmlich ist, einzustimmen.