The Will to Power, Book I and II An Attempted Transvaluation of all Values

By Friedrich Nietzsche

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Pleasure is
a sensation of power: if the passions are excluded, those states of
the mind are also excluded which afford the greatest sensation of
power and therefore of pleasure. The highest rationalism is a state of
cool clearness, which is very far from being able to bring about that
feeling of power which every kind of _exaltation_ involves....

The ancient philosophers combat everything that intoxicates and
exalts--everything that impairs the perfect coolness and impartiality
of the mind.... They were consistent with their first false principle:
that consciousness was the _highest,_ the _supreme_ state of mind, the
prerequisite of perfection--whereas the reverse is true....

Any kind of action is imperfect in proportion as it has been willed or
conscious. The philosophers of antiquity _were the greatest duffers_
in practice, "because they condemned themselves" theoretically
to _dufferdom,_.... In practice everything resolved itself into
theatricalness: and he who saw through it, as Pyrrho did, for instance,
thought as everybody did--that is to say, that in goodness and
uprightness "paltry people" were far superior to philosophers.

All the deeper natures of antiquity were disgusted at the _philosophers
of virtue_; all people saw in them was brawlers and actors. (This was
the judgment passed on _Plato_ by _Epicurus_ and _Pyrrho_.)

_Result_: In practical life, in patience, goodness, and mutual
assistance, paltry people were above them:--this is something like the
judgment Dostoiewsky or Tolstoy claims for his muzhiks: they are more
philosophical in practice, they are more courageous in their way of
dealing with the exigencies of life....


435.

_A criticism of the philosopher._--Philosophers and moralists merely
deceive themselves when they imagine that they escape from decadence
by _opposing_ it. That lies beyond their wills: and however little they
may be aware of the fact, it is generally discovered, subsequently that
they were among the most powerful promoters of decadence.

Let us examine the philosophers of Greece--Plato, for instance. He
it was who separated the instincts from the polis, from the love of
contest, from military efficiency, from art, beauty, the mysteries,
and the belief in tradition and in ancestors.... He was the seducer of
the nobles: he himself seduces through the _roturier_ Socrates.... He
denied all the first principles of the "noble Greek" of sterling worth;
he made dialectics an everyday practice, conspired with the tyrants,
dabbled in politics for the future, and was the example of a man whose
_instincts_ were the example of a man whose _instincts_ were most
perfectly separated from _tradition._ He is profound and passionate in
everything that is _anti-Hellenic_....

One after the other, these great philosophers represent the _typical_
forms of decadence: the moral and religious idiosyncrasy, anarchy,
nihilism, (ἀδιαφορία), cynicism, hardening principles,

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Text Comparison with Die Geburt der Tragödie: Versuch einer Selbstkritik

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5.
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Nein, drei Mal nein! ihr jungen Romantiker: es sollte nicht nöthig.
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Diese Namen entlehnen wir von den Griechen, welche die tiefsinnigen Geheimlehren ihrer Kunstanschauung zwar nicht in Begriffen, aber in den eindringlich deutlichen Gestalten ihrer Götterwelt dem Einsichtigen vernehmbar machen.
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Der edelste Thon, der kostbarste Marmor wird hier geknetet und behauen, der Mensch, und zu den Meisselschlägen des dionysischen Weltenkünstlers tönt der eleusinische Mysterienruf: "Ihr stürzt nieder, Millionen? Ahnest du den Schöpfer, Welt?" - 2.
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So gewiss von den beiden Hälften des Lebens, der wachen und der träumenden Hälfte, uns die erstere als die ungleich bevorzugtere, wichtigere, würdigere, lebenswerthere, ja allein gelebte dünkt so möchte ich doch, bei allem Anscheine einer Paradoxie, für jenen geheimnissvollen Grund unseres Wesens, dessen Erscheinung wir sind, gerade die entgegengesetzte Werthschätzung des Traumes behaupten.
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s.
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Sie ist auch das bei weitem wichtigere und nothwendigere in der naiven Schätzung des Volkes.
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Man denke nur einmal tiefer über die sprachliche Differenz der Farbe, des syntaktischen Bau's, des Wortmaterial's bei Homer und Pindar nach, um die Bedeutung dieses Gegensatzes zu begreifen; ja es wird Einem dabei handgreiflich deutlich, dass zwischen Homer und Pindar die orgiastischen Flötenweisen des Olympus erklungen sein müssen, die noch im Zeitalter des Aristoteles, inmitten einer unendlich entwickelteren Musik, zu trunkner Begeisterung hinrissen und gewiss in ihrer ursprünglichen Wirkung alle dichterischen Ausdrucksmittel der gleichzeitigen Menschen zur Nachahmung aufgereizt haben.
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Jene Chorpartien, mit denen die Tragödie durchflochten ist, sind also gewissermaassen der Mutterschooss des ganzen sogenannten Dialogs d.
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er frevelt und leidet.
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Der Mensch des alltäglichen Lebens drang durch ihn aus den Zuschauerräumen auf die Scene, der Spiegel, in dem früher nur die grossen und kühnen Züge zum Ausdruck kamen, zeigte jetzt jene peinliche Treue, die auch die misslungenen Linien der Natur gewissenhaft wiedergiebt.
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Der Dichter des dramatisirten Epos kann eben so wenig wie der epische Rhapsode mit seinen Bildern völlig verschmelzen: er ist immer noch ruhig unbewegte, aus weiten Augen blickende Anschauung, die die Bilder vorsich sieht.
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entsetzlich, dann stehen die Haare meines Hauptes vor Schauder zu Berge, und mein Herz klopft.
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Als der dritte in dieser Stufenleiter war Sophokles genannt; er, der sich gegen Aeschylus rühmen durfte, er thue das Rechte und zwar, weil er wisse, was das Rechte sei.
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Man vergegenwärtige sich nur die Consequenzen der sokratischen Sätze: "Tugend ist Wissen; es wird nur gesündigt aus Unwissenheit; der Tugendhafte ist der Glückliche": in diesen drei Grundformen des Optimismus liegt der Tod der Tragödie.
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Alsbald sollen auch die Mächte bei Namen genannt werden, welche mir eine Wiedergeburt der Tragödie - und welche andere selige Hoffnungen für das deutsche Wesen! - zu verbürgen scheinen.
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Bei dieser Gegenüberstellung verstehe ich unter dem Geiste der Wissenschaft jenen zuerst in der Person des Sokrates an's Licht gekommenen Glauben an die Ergründlichkeit der Natur und an die Universalheilkraft.
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Dieser Wechsel affectvoll eindringlicher, doch nur halb gesungener Rede und ganz gesungener Interjection, der im Wesen des stilo rappresentativo liegt, dies rasch wechselnde Bemühen, bald auf den Begriff und die Vorstellung, bald auf den musikalischen Grund des Zuhörers zu wirken, ist etwas so gänzlich Unnatürliches und den Kunsttrieben des Dionysischen und des Apollinischen in gleicher Weise so innerlich Widersprechendes, dass man auf einen Ursprung des Recitativs zu schliessen hat, der ausserhalb aller künstlerischen Instincte liegt.
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Ohne Mythus aber geht jede Cultur ihrer gesunden schöpferischen Naturkraft verlustig: erst ein mit Mythen umstellter Horizont schliesst eine ganze Culturbewegung zur Einheit ab.
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Für die Erklärung des tragischen Mythus ist es gerade die erste Forderung, die ihm eigenthümliche Lust in der rein aesthetischen Sphäre zu suchen, ohne in das Gebiet des Mitleids, der Furcht, des Sittlich - Erhabenen überzugreifen.