The Will to Power, Book I and II An Attempted Transvaluation of all Values

By Friedrich Nietzsche

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state of beatitude in _A._ is the feeling
of extreme abundance; in _B._ it is reached by the most fastidious
selectiveness; in _C._ it is the contempt and the destruction of Life.


342.

_A._ The _consistent_ type understands that even evil must not be
hated, must not be resisted, and that it is not allowable to make war
against one's self; that it does not suffice merely to accept the pain
which such behaviour brings in its train; that one lives entirely in
positive feelings; that one takes the side of one's opponents in word
and deed; that by means of a superfœtation of peaceful, kindly,
conciliatory, helpful, and loving states, one impoverishes the soil of
the other states, ... that one is in need of unremitting _practice._
What is achieved thereby?--The Buddhistic type, or the _perfect_ cow.

This point of view is possible only where no moral fanaticism
prevails--that is to say, when evil is not hated on its own account,
but because it opens the road to conditions which are painful (unrest,
work, care, complications, dependence).

This is the Buddhistic point of view: there is no hatred of sin, the
concept "sin," in fact, is entirely lacking.

_B._ The _inconsistent_ type. War is waged against evil--there is a
belief that war waged _for Goodness' sake_ does not involve the same
moral results or affect character in the same way as war generally
does (and owing to which tendencies it is detested as _evil)._ As a
matter of fact, a war of this sort carried on against evil is much
more profoundly pernicious than any sort of personal hostility; and
generally, it is "the person" which reassumes, at least in fancy, the
position of opponent (the devil, evil spirits, etc.). The attitude of
hostile observation and spying in regard to everything which may be
bad in us, or hail from a bad source, culminates in a most tormented
and most anxious state of mind: thus "miracles," rewards, ecstasy, and
transcendental solutions of the earth-riddle now became _desirable_.
... The Christian type: or the _perfect bigot_.

_C._ The _stoical_ type. Firmness, self-control, imperturbability,
peace in the form of the rigidity of a will long active--profound
quiet, the defensive state, the fortress, the mistrust of war--firmness
of principles; the unity of _knowledge_ and _will_; great self-respect.
The type of the anchorite. _The perfect blockhead._


343.

An ideal which is striving to prevail or to assert itself endeavours
to further its purpose _(a)_ by laying claim to a _spurious_ origin;
_(b)_ by assuming a relationship between itself and the powerful ideals
already existing; _(c)_ by means of the thrill produced by mystery,
as though

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Text Comparison with Jenseits von Gut und Böse

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Die ebenso steife als sittsame Tartüfferie des alten Kant, mit der er uns auf die dialektischen Schleichwege lockt, welche zu seinem "kategorischen Imperativ" führen, richtiger verführen - dies Schauspiel macht uns Verwöhnte lächeln, die wir keine kleine Belustigung darin finden, den feinen Tücken alter Moralisten und Moralprediger auf die Finger zu sehn.
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Es giebt immer noch harmlose Selbst-Beobachter, welche glauben, dass es "unmittelbare Gewissheiten" gebe, zum Beispiel "ich denke", oder, wie es der Aberglaube Schopenhauer's war, "ich will": gleichsam als ob hier das Erkennen rein und nackt seinen Gegenstand zu fassen bekäme, als "Ding an sich", und weder von Seiten des Subjekts, noch von Seiten des Objekts eine Fälschung stattfände.
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Und doch ist auch diese Hypothese bei weitem nicht die peinlichste und fremdeste in diesem ungeheuren fast noch neuen Reiche gefährlicher Erkenntnisse: - und es giebt in der That hundert gute Gründe dafür, dass Jeder von ihm fernbleibt, der es - kann! Andrerseits: ist man einmal mit seinem Schiffe hierhin verschlagen, nun! wohlan! jetzt tüchtig die Zähne zusammengebissen! die Augen aufgemacht! die Hand fest am Steuer! - wir fahren geradewegs über die Moral weg, wir erdrücken, wir zermalmen vielleicht dabei unsren eignen Rest Moralität, indem wir dorthin unsre Fahrt machen und wagen, - aber was liegt an uns! Niemals noch hat sich verwegenen Reisenden und Abenteurern eine tiefere Welt der Einsicht eröffnet: und der Psychologe, welcher dergestalt "Opfer bringt" -.
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Wo das Volk isst und trinkt, selbst wo es verehrt, da pflegt es zu stinken.
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"Pour être bon philosophe", sagt dieser letzte grosse Psycholog, "il faut être sec, clair, sans illusion.
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Wir Umgekehrten, die wir uns ein Auge und ein Gewissen für die Frage aufgemacht haben, wo und wie bisher die Pflanze "Mensch" am kräftigsten in die Höhe gewachsen ist, vermeinen, dass dies jedes Mal unter den umgekehrten Bedingungen geschehn ist, dass dazu die Gefährlichkeit seiner Lage erst in's Ungeheure wachsen, seine Erfindungs- und Verstellungskraft (sein "Geist" -) unter langem Druck und Zwang sich in's Feine und Verwegene entwickeln, sein Lebens-Wille bis zum unbedingten Macht-Willen gesteigert werden musste: - wir vermeinen, dass Härte, Gewaltsamkeit, Sklaverei, Gefahr auf der Gasse und im Herzen, Verborgenheit, Stoicismus, Versucherkunst und Teufelei jeder Art, dass alles Böse, Furchtbare, Tyrannische, Raubthier- und Schlangenhafte am Menschen so gut zur Erhöhung der Species "Mensch" dient, als sein Gegensatz: - wir sagen sogar nicht einmal genug, wenn wir nur so viel sagen, und befinden uns jedenfalls, mit unserm Reden und Schweigen an dieser Stelle, am andern Ende aller modernen Ideologie und Heerden-Wünschbarkeit: als deren Antipoden vielleicht? Was Wunder, dass wir "freien Geister" nicht gerade die mittheilsamsten Geister sind? dass wir nicht in jedem Betrachte zu verrathen wünschen, wovon ein Geist sich frei machen kann und wohin er dann vielleicht getrieben wird? Und was es mit der gefährlichen Formel "jenseits von Gut und Böse" auf sich hat, mit der wir uns zum Mindesten vor Verwechslung behüten: wir sind etwas Anderes als "libres-penseurs", "liberi pensatori", "Freidenker" und wie alle diese braven Fürsprecher der "modernen Ideen" sich zu benennen lieben.
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Das, was an der Religiosität der alten Griechen staunen macht, ist die unbändige Fülle von Dankbarkeit, welche sie ausströmt: - es ist eine sehr vornehme Art Mensch, welche so vor der Natur und vor dem Leben steht! - Später, als der Pöbel in Griechenland zum Übergewicht kommt, überwuchert die Furcht auch in der Religion; und das Christenthum bereitete sich vor.
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Man hat ihnen Unschätzbares zu danken; und wer ist reich genug an Dankbarkeit, um nicht vor alle dem arm zu werden, was zum Beispiel die "geistlichen Menschen" des Christenthums bisher für Europa gethan haben! Und doch, wenn sie den Leidenden Trost, den Unterdrückten und Verzweifelnden Muth, den Unselbständigen einen Stab und Halt gaben und die Innerlich-Zerstörten und Wild-Gewordenen von der Gesellschaft weg in Klöster und seelische Zuchthäuser lockten: was mussten sie ausserdem thun, um mit gutem Gewissen dergestalt grundsätzlich an der Erhaltung alles Kranken und Leidenden, das heisst in That und Wahrheit an der Verschlechterung der europäischen Rasse zu arbeiten? Alle Werthschätzungen auf den Kopf stellen - das mussten sie! Und die Starken zerbrechen, die grossen Hoffnungen ankränkeln, das Glück in der Schönheit verdächtigen, alles Selbstherrliche, Männliche, Erobernde, Herrschsüchtige, alle Instinkte, welche dem höchsten und wohlgerathensten Typus "Mensch" zu eigen sind, in Unsicherheit, Gewissens-Noth, Selbstzerstörung umknicken, ja die ganze Liebe zum Irdischen und zur Herrschaft über die Erde in Hass gegen die Erde und das Irdische verkehren - das stellte sich die Kirche zur Aufgabe und musste es sich stellen, bis für ihre Schätzung endlich "Entweltlichung", "Entsinnlichung" und "höherer Mensch" in Ein Gefühl zusammenschmolzen.
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Unserm Auge fällt es bequemer, auf einen gegebenen Anlass hin ein schon öfter erzeugtes Bild wieder zu erzeugen, als das Abweichende und Neue eines Eindrucks bei sich festzuhalten: letzteres braucht mehr Kraft, mehr "Moralität".
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Es giebt unzählige dunkle Körper neben der Sonne zu erschliessen, - solche die wir nie sehen werden.
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Dass aber deren Tempo für die Ungeduldigeren, für die Kranken und Süchtigen des genannten Instinktes noch viel zu langsam und schläfrig ist, dafür spricht das immer rasender werdende Geheul, das immer unverhülltere Zähnefletschen der Anarchisten-Hunde, welche jetzt durch die Gassen der europäischen Cultur schweifen: anscheinend im Gegensatz zu den friedlich-arbeitsamen Demokraten und Revolutions-Ideologen, noch mehr zu den tölpelhaften Philosophastern.
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Was hilft es, wenn gelenkige Allerwelts-Köpfe oder ungelenke brave Mechaniker und Empiriker sich, wie es heute so vielfach geschieht, mit ihrem Plebejer-Ehrgeize in ihre Nähe und gleichsam an diesen "Hof der Höfe" drängen! Aber auf solche Teppiche dürfen grobe Füsse nimmermehr treten: dafür ist im Urgesetz der Dinge schon gesorgt; die Thüren bleiben diesen Zudringlichen geschlossen, mögen sie sich auch die Köpfe daran stossen und zerstossen! Für jede hohe Welt muss man geboren sein; deutlicher gesagt, man muss für sie gezüchtet sein: ein Recht auf Philosophie - das Wort im grossen Sinne genommen - hat man nur Dank seiner Abkunft, die Vorfahren, das "Geblüt" entscheidet auch hier.
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Durch unsre Halbbarbarei in Leib und Begierde haben wir geheime Zugänge überallhin, wie sie ein vornehmes Zeitalter nie besessen hat, vor Allem die Zugänge zum Labyrinthe der unvollendeten Culturen und zu jeder Halbbarbarei, die nur jemals auf Erden dagewesen ist; und insofern der beträchtlichste Theil der menschlichen Cultur bisher eben Halbbarbarei war, bedeutet "historischer Sinn" beinahe den Sinn und Instinkt für Alles, den Geschmack und die Zunge für Alles: womit er sich sofort als ein unvornehmer Sinn ausweist.
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Kein neuer Gedanke, Nichts von feinerer Wendung und Faltung eines alten Gedankens, nicht einmal eine wirkliche Historie des früher Gedachten: eine unmögliche Litteratur im Ganzen, gesetzt, dass man sie nicht mit einiger Bosheit sich einzusäuern versteht.
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Man findet bei Zeiten gewisse Lösungen von Problemen, die gerade uns starken Glauben machen; vielleicht nennt man sie fürderhin seine "Überzeugungen".
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238.
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welche die Kraft in's Ungeheure aufgehäuft, die den Bogen auf so bedrohliche Weise gespannt hat - - jetzt ist, jetzt wird sie "überlebt".
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aber was thue ich, meine Freunde? Von wem rede ich zu euch? Vergass ich mich soweit, dass ich euch nicht einmal seinen Namen nannte? es sei denn, dass ihr nicht schon von selbst erriethet, wer dieser fragwürdige Geist und Gott ist, der in solcher Weise gelobt sein will.
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lächelte der Versucher-Gott mit seinem halkyonischen Lächeln, wie als ob er eben eine bezaubernde Artigkeit gesagt habe.