The Will to Power, Book I and II An Attempted Transvaluation of all Values

By Friedrich Nietzsche

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and supposing
thou art evil, thy power of dissimulation is absolutely the worst
thing for the herd. We despise the secretive and those whom we
cannot identify.--_Consequently_ thou must regard thyself as
recognisable, thou mayest not remain _concealed_ from thyself, thou
mayest not even believe in the possibility of thy ever _changing_."
Thus, the insistence upon truthfulness has as its main object the
_recognisability_ and the _stability_ of the individual. As a matter
of fact, it is the object of education to make each gregarious
unit believe in a certain _definite dogma_ concerning the nature
of man: education _first creates this dogma_ and thereupon exacts
"truthfulness."


278.

Within the confines of a herd or of a community--that is to say, _inter
pares,_ the _over-estimation_ of truthfulness is very reasonable. A
man must not allow himself to be deceived--and _consequently_ he
adopts as his own personal morality that he should deceive no one!--a
sort of mutual obligation among equals! In his dealings with the
outside world caution and danger demand that he should _be on his guard
against deception_: the first psychological condition of this attitude
would mean that he is also on his guard against _his own people._
Mistrust thus appears as the source of truthfulness.


279.

_A criticism of the virtues of the herd._--Inertia is active: (1)
In confidence, because mistrust makes suspense, reflection, and
observation necessary. (2) In veneration, where the gulf that
separates power is great and submission necessary: then, so that
fear may cease to exist, everybody tries to love and esteem, while
the difference in power is interpreted as a difference of value:
and thus the relationship to the powerful _no longer has anything
revolting in it._ (3) In the sense of truth. What is truth? Truth
is that explanation of things which causes us the smallest amount
of mental exertion (apart from this, lying is extremely fatiguing).
(4) In sympathy. It is a relief to know one's self on the same level
with all, to feel as all feel, and to _accept_ a belief which is
already current; it is something passive beside the activity which
appropriates and continually carries into practice the most individual
rights of valuation (the latter process allows of no repose). (5) In
impartiality and coolness of judgment: people scout the strain of being
moved, and prefer to be detached and "objective." (6) In uprightness:
people prefer to obey a law which is to hand rather than to _create_
a new one, rather than to command themselves and others: the fear of
commanding--it is better to submit than to rebel. (7) In toleration:
the fear of exercising a right or of enforcing a

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Du solltest Gewalt über dein Für und Wider bekommen und es verstehn lernen, sie aus- und wieder einzuhängen, je nach deinem höheren Zwecke.
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- Das Mitleid hat ebensowenig die Lust des Andern zum Ziele, als, wie gesagt, die Bosheit den Schmerz des Andern an sich.
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Also hat der Lohn nur den Sinn einer Aufmunterung für ihn und Andere, um also zu späteren Handlungen ein Motiv abzugeben; das Lob wird dem Laufenden in der Rennbahn zugerufen, nicht Dem, welcher am Ziele ist.
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- Uebrigens: wenn alle Völker über gewisse religiöse Dinge, zum Beispiel die Existenz eines Gottes, übereinstimmten (was, beiläufig gesagt, in Betreff dieses Punctes nicht der Fall ist), so würde diess doch eben nur ein Gegenargument gegen jene behaupteten Dinge, zum Beispiel die Existenz eines Gottes sein: der consensus gentium und überhaupt hominum kann billigerweise nur einer Narrheit gelten.
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Kurz, der religiöse Cultus ruht auf den Vorstellungen der Zauberei zwischen Mensch und Mensch; und der Zauberer ist älter, als der Priester.
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- Aber welchen Maassstab, welche Goldwage giebt es für deren Aechtheit? Ist es nicht fast geboten, misstrauisch gegen Alle zu sein, welche von Empfindungen dieser Art bei sich reden? 158.
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- Der Leser und der Autor verstehen sich häufig desshalb nicht, weil der Autor sein Thema zu gut kennt und es beinahe langweilig findet, so dass er sich die Beispiele erlässt, die er zu Hunderten weiss; der Leser aber ist der Sache fremd und findet sie leicht schlecht begründet, wenn ihm die Beispiele vorenthalten werden.
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Man denke an jene griechische Stadt in Unteritalien, welche an Einem Tage des Jahres noch ihre griechischen Feste feierte, unter Wehmuth und Thränen darüber, dass immer mehr die ausländische Barbarei über ihre mitgebrachten Sitten triumphire; niemals hat man wohl das Hellenische so genossen, nirgendswo diesen goldenen Nektar mit solcher Wollust geschlürft, als unter diesen absterbenden Hellenen.
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- Die italiänische Renaissance bar - in sich alle die positiven Gewalten, welchen man die moderne Cultur verdankt - also Befreiung des Gedankens, Missachtung der Autoritäten, Sieg der Bildung über den Dünkel der Abkunft, - Begeisterung für die Wissenschaft.
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- Daraus ergiebt sich, bei unbedeutenden Gelehrten, eine Missachtung und Verdächtigung des Geistreichen überhaupt, und wiederum haben geistreiche Leute häufig eine Abneigung gegen die Wissenschaft: wie zum Beispiel fast alle Künstler.
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Ein solches Gebäude der Cultur im einzelnen Individuum wird aber die grösste Aehnlichkeit mit dem Culturbau in ganzen Zeitperioden haben und eine fortgesetzte analogische Belehrung über denselben abgeben.
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Letzteres kommt übrigens auch bei Personen von niederer Herkunft oder gedrückter Stellung vor: eine Gunst, ihnen erwiesen, deucht ihnen ein Wunder von Gnade.
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376.
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Zu ihnen passen also - um jenen Satz fortzusetzen - aus zwei Gründen die Gretchen nicht.
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- Wenn man der Bestie blutige Fleischstücke aus der Nähe zeigt und wieder wegzieht, bis sie endlich brüllt: meint ihr, dass diess Gebrüll Gerechtigkeit bedeute? 452.
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Sobald diess eintritt, wandelt sich die Stimmung der noch religiös bewegten Menschen, welche früher den Staat als etwas Halb- oder Ganzheiliges adorirten, in eine entschieden staatsfeindliche um; sie lauern den Maassregeln der Regierung auf, suchen zu hemmen, zu kreuzen,.
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Scheinbare Ueberlegenheit des Mittelalters.
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Gelingt es freilich, jenen Geist der Massenwirkung zum Geiste der höheren Classen der Gesellschaft zu machen, so sind die socialistischen Schaaren ganz im Rechte, wenn sie auch äusserlich zwischen sich und jenen zu nivelliren suchen, da sie ja innerlich, in Kopf und Herz, schon mit einander nivellirt sind.
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Denn viele Menschen haben jene Momente gar nicht und sind selber Intervalle und Pausen in der Symphonie des wirklichen Lebens.
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Lange vorhergesehene, erwartete Dinge oder Personen regen aber solche Naturen am meisten auf und machen sie fast unfähig, bei der endlichen Ankunft derselben noch Gegenwärtigkeit des Geistes zu haben.