The Will to Power, Book I and II An Attempted Transvaluation of all Values

By Friedrich Nietzsche

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for truth,
which again is due to Christian influence), this interpretation has
grown ever less and less tenable for us.

The craftiest of subterfuges: Kantian criticism. The intellect not
only denies itself every right to interpret things in that way, but
also to reject the interpretation once it has been made. People are
satisfied with a _greater_ demand upon their credulity and faith, with
a renunciation of all right to reason concerning the proof of their
creed, with an intangible and superior "Ideal" (God) as a stop-gap.

The Hegelian subterfuge, a continuation of the Platonic, a piece
of romanticism and reaction, and at the same time a symptom of
the historical sense of a new _power_: "Spirit" itself is the
"self-revealing and self-realising ideal": we believe that in the
"process of, development" an ever greater proportion of this ideal is
being manifested--thus the ideal is being realised, faith is vested in
the _future_ into which all its noble needs are projected and in which
they are being worshipped.

In short:--

(1) God is unknowable to us and not to be demonstrated by us (the
concealed meaning behind the whole of the epistemological movement);

(2) God may be demonstrated, but as something evolving, and we are
part of it, as our pressing desire for an ideal proves (the concealed
meaning behind the historical movement).

It should be observed that criticism is _never_ levelled at the ideal
itself, but only at the problem which gives rise to a controversy
concerning the ideal--that is to say, why it has not yet been realised,
or why it is not demonstrable in small things as in great.

***

It makes all the difference: whether a man recognises this state of
distress as such owing to a passion or to a yearning in himself, or
whether it comes home to him as a problem which he arrives at only by
straining his thinking powers and his historical imagination to the
utmost.

Away from the religious and philosophical points of view we find the
same phenomena. Utilitarianism (socialism and democracy) criticises
the origin of moral valuations, though it believes in them just as
much as the Christian does. (What guilelessness! As if morality could
remain when the sanctioning _deity_ is no longer present! The belief in
a "Beyond" is absolutely necessary, if the faith in morality is to be
maintained.)

_Fundamental problem_: whence comes this almighty power of _Faith?
Whence this faith in morality?_ (It is betrayed by the fact that even
the fundamental conditions of life are falsely interpreted in favour of
it: despite our knowledge of plants and animals. "Self-preservation":
the Darwinian prospect of a reconciliation of the altruistic

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Text Comparison with Jenseits von Gut und Böse

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Es denkt: aber dass dies "es" gerade jenes alte berühmte "Ich" sei, ist, milde geredet, nur eine Annahme, eine Behauptung, vor Allem keine "unmittelbare Gewissheit".
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Jeder auserlesene Mensch trachtet instinktiv nach seiner Burg und Heimlichkeit, wo er von der Menge, den Vielen, den Allermeisten erlöst ist, wo er die Regel "Mensch" vergessen darf, als deren Ausnahme: - den Einen Fall ausgenommen, dass er von einem noch stärkeren Instinkte geradewegs auf diese Regel gestossen wird, als Erkennender im grossen und ausnahmsweisen Sinne.
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Bisher haben sich die mächtigsten Menschen immer noch verehrend vor dem Heiligen gebeugt, als dem Räthsel der Selbstbezwingung und absichtlichen letzten Entbehrung: warum beugten sie sich? Sie ahnten in ihm - und gleichsam hinter dem Fragezeichen seines gebrechlichen und kläglichen Anscheins - die überlegene Kraft, welche sich an einer solchen Bezwingung erproben wollte, die Stärke des Willens, in der sie die eigne Stärke und herrschaftliche Lust wieder erkannten und zu ehren wussten: sie ehrten Etwas an sich, wenn sie den Heiligen ehrten.
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Den gewöhnlichen Menschen endlich, den Allermeisten, welche zum Dienen und zum allgemeinen Nutzen da sind und nur insofern dasein dürfen, giebt die Religion eine unschätzbare Genügsamkeit mit ihrer Lage und Art, vielfachen Frieden des Herzens, eine Veredelung des Gehorsams, ein Glück und Leid mehr mit Ihres-Gleichen und Etwas von Verklärung und Verschönerung, Etwas von Rechtfertigung des ganzen Alltags, der ganzen Niedrigkeit, der ganzen Halbthier-Armuth ihrer Seele.
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Unter friedlichen Umständen fällt der kriegerische Mensch über sich selber her.
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Von einem höheren Orte aus gesehn, erscheinen ganze Geschlechter und Zeitalter, wenn sie mit irgend einem moralischen Fanatismus behaftet auftreten, als solche eingelegte Zwangs- und Fastenzeiten, während welchen ein Trieb sich ducken und niederwerfen, aber auch sich reinigen und schärfen lernt; auch einzelne philosophische Sekten (zum Beispiel die Stoa inmitten der hellenistischen Cultur und ihrer mit aphrodisischen Düften überladenen und geil gewordenen Luft) erlauben eine derartige Auslegung.
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Theil des Erlebnisses und sind kaum dazu zu zwingen, nicht als "Erfinder" irgend einem Vorgange zuzuschauen.
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Dieser Zustand besteht heute thatsächlich in Europa: ich nenne ihn die moralische Heuchelei der Befehlenden.
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Inwiefern das neue kriegerische Zeitalter, in welches wir Europäer ersichtlich eingetreten sind, vielleicht auch der Entwicklung einer anderen und stärkeren Art von Skepsis günstig sein mag, darüber möchte ich mich vorläufig nur durch ein Gleichniss ausdrücken, welches die Freunde der deutschen Geschichte schon verstehen werden.
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Ich bestehe darauf, dass man endlich aufhöre, die philosophischen Arbeiter und überhaupt die wissenschaftlichen Menschen mit den Philosophen zu verwechseln, - dass man gerade hier mit Strenge "Jedem das Seine" und Jenen nicht zu Viel, Diesen nicht viel zu Wenig gebe.
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Aber wir mögen thun, was wir wollen: die Tölpel und der Augenschein sagen gegen uns "das sind Menschen ohne Pflicht" - wir haben immer die Tölpel und den Augenschein gegen uns! 227.
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Aber im Grunde von uns, ganz "da unten", giebt es freilich etwas Unbelehrbares, einen Granit von geistigem Fatum, von vorherbestimmter Entscheidung und Antwort auf vorherbestimmte ausgelesene Fragen.
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Hier ist der Herd für die Entstehung jenes berühmten Gegensatzes "gut" und "böse": - in's Böse wird die Macht und Gefährlichkeit hinein empfunden, eine gewisse Furchtbarkeit, Feinheit und Stärke, welche die Verachtung nicht aufkommen lässt.
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- Bei einer Eidechse wächst ein Finger nach, der ihr verloren gieng: nicht so beim Menschen.
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