The Twilight of the Idols - The Antichrist Complete Works, Volume Sixteen

By Friedrich Nietzsche

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_being able_ to be an enemy. What is the meaning
of "glad tidings"?--True life, eternal life has been found--it is not
promised, it is actually here, it is in _you;_ it is life in love, in
love free from all selection or exclusion, free from all distance.
Everybody is the child of God--Jesus does not by any means claim
anything for himself alone,--as the child of God everybody is equal to
everybody else.... Fancy making Jesus a _hero!_--And what a tremendous
misunderstanding the word "genius" is! Our whole idea of "spirit,"
which is a civilised idea, could have had no meaning whatever in the
world in which Jesus lived. In the strict terms of the physiologist, a
very different word ought to be used here.... We know of a condition of
morbid irritability of the sense of _touch,_ which recoils shuddering
from every kind of contact, and from every attempt at grasping a solid
object. Any such physiological _habitus_ reduced to its ultimate
logical conclusion, becomes an instinctive hatred of all reality, a
flight into the "intangible," into the "incomprehensible"; a repugnance
to all formulæ, to every notion of time and space, to everything that
is established such as customs, institutions, the church; a feeling
at one's ease in a world in which no sign of reality is any longer
visible, a merely "inner" world, a "true" world, an "eternal" world....
"The Kingdom of God is within you"...


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_The instinctive hatred of reality_ is the outcome of an extreme
susceptibility to pain and to irritation, which can no longer endure to
be "touched" at all, because every sensation strikes too deep.

_The instinctive exclusion of all aversion, of all hostility, of all
boundaries and distances in feeling,_ is the outcome of an extreme
susceptibility to pain and to irritation, which regards all resistance,
all compulsory resistance as insufferable _anguish_(--that is to say,
as harmful, as _deprecated_ by the self-preservative instinct), and
which knows blessedness (happiness) only when it is no longer obliged
to offer resistance to anybody, either evil or detrimental,--love as
the Only ultimate possibility of life....

These are the two _physiological realities_ upon which and out of which
the doctrine of salvation has grown. I call them a sublime further
development of hedonism, upon a thoroughly morbid soil. Epicureanism,
the pagan theory of salvation, even though it possessed a large
proportion of Greek vitality and nervous energy, remains the most
closely related to the above. Epicurus was a _typical_ decadent: and I
was the first to recognise him as such.--The terror of pain, even of
infinitely slight pain--such a state cannot possibly help culminating
in a _religion_ of

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Text Comparison with Die Geburt der Tragödie: Versuch einer Selbstkritik

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Wir haben bis jetzt das Apollinische und seinen Gegensatz, das Dionysische, als künstlerische Mächte betrachtet, die aus der Natur selbst, ohne Vermittelung des menschlichen Künstlers, hervorbrechen, und in denen sich ihre Kunsttriebe zunächst und auf directem Wege befriedigen: einmal als die Bilderwelt des Traumes, deren Vollkommenheit ohne jeden Zusammenhang mit der intellectuellen Höhe oder künstlerischen Bildung des Einzelnen ist, andererseits als rauschvolle Wirklichkeit, die wiederum des Einzelnen nicht achtet, sondern sogar das Individuum zu vernichten und durch eine mystische Einheitsempfindung zu erlösen sucht.
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Uns ist mit dieser Deutung wenig gedient, weil wir den subjectiven Künstler nur als schlechten Künstler kennen und in jeder Art und Höhe der Kunst vor allem und zuerst Besiegung des Subjectiven, Erlösung vom "Ich" und Stillschweigen jedes individuellen Willens und Gelüstens fordern, ja ohne Objectivität, ohne reines interesseloses Anschauen nie an die geringste wahrhaft künstlerische Erzeugung glauben können.
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Darum geht im Liede und der lyrischen Stimmung das Wollen (das persönliche Interesse des Zwecks) und das reine Anschauen der sich darbietenden Umgebung wundersam gemischt durch einander: es werden Beziehungen zwischen beiden gesucht und imaginirt; die subjective Stimmung, die Affection des Willens, theilt der angeschauten Umgebung und diese wiederum jener ihre Farbe im Reflex mit: von diesem ganzen so gemischten und getheilten Gemüthszustande ist das ächte Lied der Abdruck".
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In Betreff des Archilochus hat die gelehrte Forschung entdeckt, dass er das Volkslied in die Litteratur eingeführt habe, und dass ihm, dieser That halber, jene einzige Stellung neben Homer, in der allgemeinen Schätzung der Griechen zukomme.
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Freilich ist es ein "idealer" Boden, auf dem, nach der richtigen Einsicht Schillers, der griechische Satyrchor, der Chor der ursprünglichen Tragödie, zu wandeln pflegt, ein Boden hoch emporgehoben über die wirkliche Wandelbahn der Sterblichen.
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Hier, in dieser höchsten Gefahr des Willens, naht sich, als rettende, heilkundige Zauberin, die Kunst; sie allein vermag jene Ekelgedanken über das Entsetzliche oder Absurde des Daseins in Vorstellungen umzubiegen, mit denen sich leben lässt: diese sind das Erhabene als die künstlerische Bändigung des Entsetzlichen und das Komische als die künstlerische Entladung vom Ekel des Absurden.
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Jener idyllische Schäfer des modernen Menschen ist nur ein Konterfei der ihm als Natur geltenden Summe von Bildungsillusionen; der dionysische Grieche will die Wahrheit und die Natur in ihrer höchsten Kraft - er sieht sich zum Satyr verzaubert.
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Die Philosophie der wilden und nackten Natur schaut die vorübertanzenden Mythen der homerischen Welt mit der unverhüllten Miene der Wahrheit an: sie erbleichen, sie zittern vor dem blitzartigen Auge dieser Göttin - bis sie die mächtige Faust des dionysischen Künstlers in den Dienst der neuen Gottheit zwingt.
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An eine derartig zubereitete und aufgeklärte Masse durfte sich jetzt die neuere Komödie wenden, für die Euripides gewissermaassen der Chorlehrer geworden ist; nur dass diesmal der Chor der Zuschauer eingeübt werden musste.
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Von diesem einen Punkte aus glaubte Sokrates das Dasein corrigieren zu müssen: er, der Einzelne, tritt mit der Miene der Nichtachtung und der Ueberlegenheit, als der Vorläufer einer ganz anders gearteten Cultur, Kunst und Moral, in eine Welt hinein, deren Zipfel mit Ehrfurcht zu erhaschen wir uns zum grössten Glücke rechnen würden.
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die schöne Welt, mit mächtiger Faust; sie stürzt, sie zerfällt!" Einen Schlüssel zu dem Wesen des Sokrates bietet uns jene wunderbare Erscheinung, die als "Dämonion des Sokrates" bezeichnet wird.
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noch nie sonst geschaute Ideal der edlen griechischen Jugend: vor allen hat sich der typische hellenische Jüngling, Plato, mit aller inbrünstigen Hingebung seiner Schwärmerseele vor diesem Bilde niedergeworfen.
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in einem ähnlichen Sinne oberflächlicher redet als er handelt, so dass nicht aus den Worten heraus, sondern aus.
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dem vertieften Anschauen und Ueberschauen des Ganzen jene früher erwähnte Hamletlehre zu entnehmen ist.
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eine derartig musikalisch imitirte Schlacht sich in Marschlärm, Signalklängen u.
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Soweit hat ihn das optimistische Betrachten verzärtelt.
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Denn die Worte seien um so viel edler als das begleitende harmonische System, um wie viel die Seele edler als der Körper sei.
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Bald soll Mitleid und Furchtsamkeit durch die ernsten Vorgänge zu einer erleichternden Entladung gedrängt werden, bald sollen wir uns bei dem Sieg guter und edler Principien, bei der Aufopferung des Helden im Sinne einer sittlichen Weltbetrachtung erhoben und begeistert fühlen; und so gewiss ich glaube, dass für zahlreiche Menschen gerade das und nur das die Wirkung der Tragödie ist, so deutlich ergiebt sich daraus, dass diese alle, sammt ihren interpretirenden Aesthetikern, von der Tragödie als einer höchsten Kunst nichts erfahren haben.
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Wie kann das Hässliche und das Disharmonische, der Inhalt des tragischen Mythus, eine aesthetische Lust erregen? Hier nun wird es nöthig, uns mit einem kühnen Anlauf in eine Metaphysik der Kunst hinein zu schwingen, indem ich den früheren Satz wiederhole, dass nur als ein aesthetisches Phänomen das Dasein und die Welt gerechtfertigt erscheint: in welchem Sinne uns gerade der tragische Mythus zu überzeugen hat, dass selbst das Hässliche und Disharmonische ein künstlerisches Spiel ist, welches der Wille, in der ewigen Fülle seiner Lust, mit sich selbst spielt.