The Twilight of the Idols - The Antichrist Complete Works, Volume Sixteen

By Friedrich Nietzsche

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God falsified; the concept of morality falsified: but
the Jewish priesthood did not stop at this. No use could be made of
the whole _history_ of Israel, therefore it must go! These priests
accomplished that miracle of falsification, of which the greater part
of the Bible is the document: with unparalleled contempt and in the
teeth of all tradition and historical facts, they interpreted their own
people's past in a religious manner,--that is to say, they converted
it into a ridiculous mechanical process of salvation, on the principle
that all sin against Jehovah led to punishment, and that all pious
worship of Jehovah led to reward. We would feel this shameful act of
historical falsification far more poignantly if the ecclesiastical
interpretation of history through millenniums had not blunted almost
all our sense for the demands of uprightness _in historicis._ And
the church is seconded by the philosophers: _the_ of "a moral order
of the universe" permeates the whole development even of more modern
philosophy. What does a "moral order of the universe" mean? That once
and for all there is such a thing as a will of God which determines
what man has to do and what he has to leave undone; that the value
of a people or of an individual is measured according to how much or
how little the one or the other obeys the will of God; that in the
destinies of a people or of an individual, the will of God shows
itself dominant, that is to say it punishes or rewards according to
the degree of obedience. In the place of this miserable falsehood,
_reality_ says: a parasitical type of man, who can flourish only at the
cost of all the healthy elements of life, the priest abuses the name
of God: he calls that state of affairs in which the priest determines
the value of things "the Kingdom of God"; he calls the means whereby
such a state of affairs is attained or maintained, "the Will of God";
with cold-blooded cynicism he measures peoples, ages and individuals
according to whether they favour or oppose the ascendancy of the
priesthood. Watch him at work: in the hands of the Jewish priesthood
the Augustan Age in the history of Israel became an age of decline;
the exile, the protracted misfortune transformed itself into eternal
_punishment_ for the Augustan Age--that age in which the priest did not
yet exist Out of the mighty and thoroughly free-born figures of the
history of Israel, they made, according to their requirements, either
wretched bigots and hypocrites, or "godless ones": they simplified
the psychology of every

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Text Comparison with Jenseits von Gut und Böse

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Vorausgesetzt, dass die Wahrheit ein Weib ist -, wie? ist der Verdacht nicht gegründet, dass alle Philosophen, sofern sie Dogmatiker waren, sich schlecht auf Weiber verstanden? dass der schauerliche Ernst, die linkische Zudringlichkeit, mit der sie bisher auf die Wahrheit zuzugehen pflegten, ungeschickte und unschickliche Mittel waren, um gerade ein Frauenzimmer für sich einzunehmen? Gewiss ist, dass sie sich nicht hat einnehmen lassen: - und jede Art Dogmatik steht heute mit betrübter und muthloser Haltung da.
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sich gar zu gerne als letzten Zweck des Daseins und als berechtigten Herrn aller übrigen Triebe darstellen möchte.
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Der Wollende nimmt dergestalt die Lustgefühle der ausführenden, erfolgreichen Werkzeuge, der dienstbaren "Unterwillen" oder Unter-Seelen - unser Leib ist ja nur ein Gesellschaftsbau vieler Seelen - zu seinem Lustgefühle als Befehlender hinzu.
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Die causa sui ist der beste Selbst-Widerspruch, der bisher ausgedacht worden ist, eine Art logischer Nothzucht und Unnatur: aber der ausschweifende Stolz des Menschen hat es dahin gebracht, sich tief und schrecklich gerade mit diesem Unsinn zu verstricken.
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Aber wie oft muss er sich verzweifelt sagen: "ein Einzelner! ach, nur ein Einzelner! und dieser grosse Wald und Urwald!" Und so wünscht er sich einige hundert Jagdgehülfen und feine gelehrte Spürhunde, welche er in die Geschichte der menschlichen Seele treiben könnte, um dort sein Wild zusammenzutreiben.
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diesen Dienst! Aber wer hätte Zeit, auf solche Diener zu warten! - sie wachsen ersichtlich zu selten, sie sind zu allen Zeiten so unwahrscheinlich! Zuletzt muss man Alles selber thun, um selber Einiges zu wissen: das heisst, man hat viel zu thun! - Aber eine Neugierde meiner Art bleibt nun einmal das angenehmste aller Laster, - Verzeihung! ich wollte sagen: die Liebe zur Wahrheit hat ihren Lohn im Himmel und schon auf Erden.
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schändet, - nämlich Seele und Leib gemein macht? Und dass folglich die moderne, lärmende, Zeit-auskaufende, auf sich stolze, dumm-stolze Arbeitsamkeit, mehr als alles Übrige, gerade zum "Unglauben" erzieht und vorbereitet? Unter Denen, welche zum Beispiel jetzt in Deutschland abseits von der Religion leben, finde ich Menschen von vielerlei Art und Abkunft der "Freidenkerei", vor Allem aber eine Mehrzahl solcher, denen Arbeitsamkeit, von Geschlecht zu Geschlecht, die religiösen Instinkte aufgelöst hat: so dass sie gar nicht mehr wissen, wozu Religionen nütze sind, und nur mit einer Art stumpfen Erstaunens ihr Vorhandensein in der Welt gleichsam registriren.
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- kurz, die Moralen sind auch nur eine Zeichensprache der Affekte.
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Es muss Fasten von vielerlei Art geben; und überall, wo mächtige Triebe und Gewohnheiten herrschen, haben die Gesetzgeber dafür zu sorgen, Schalttage einzuschieben, an denen solch ein Trieb in Ketten gelegt wird und wieder einmal hungern lernt.
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Am häufigsten endlich fand ich bei jungen Gelehrten hinter der hochmüthigen Geringschätzung der Philosophie die schlimme Nachwirkung eines Philosophen selbst, dem man zwar im Ganzen den Gehorsam gekündigt hatte, ohne doch aus dem Banne seiner wegwerfenden Werthschätzungen anderer Philosophen herausgetreten zu sein: - mit dem Ergebniss einer Gesammt-Verstimmung gegen alle Philosophie.
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Gerade die Feinheit seines intellektuellen Gewissens lässt ihn vielleicht unterwegs zögern und sich verzögern; er fürchtet die Verführung zum Dilettanten, zum Tausendfuss und Tausend-Fühlhorn, er weiss es zu gut, dass.
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ein zarter ausgeblasener feiner beweglicher Formen-Topf, der auf irgend einen Inhalt und Gehalt erst warten muss, um sich nach ihm "zu gestalten", - für gewöhnlich ein Mensch ohne Gehalt und Inhalt, ein "selbstloser" Mensch.
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Mögen die deutschen Freunde Richard Wagner's darüber mit sich zu Rathe gehn, ob es in der Wagnerischen Kunst etwas schlechthin Deutsches giebt, oder ob nicht gerade deren Auszeichnung ist, aus überdeutschen Quellen und Antrieben zu kommen: wobei nicht unterschätzt werden mag, wie zur Ausbildung seines Typus gerade Paris unentbehrlich war, nach dem ihn in der entscheidendsten Zeit die Tiefe seiner Instinkte verlangen hiess, und wie die ganze Art seines Auftretens, seines Selbst-Apostolats erst Angesichts des französischen Socialisten-Vorbilds sich vollenden konnte.
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