The Twilight of the Idols - The Antichrist Complete Works, Volume Sixteen

By Friedrich Nietzsche

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the outcome of the most
different cultures, and in these a _higher type_ certainly manifests
itself: something which by the side of mankind in general, represents a
kind of superman. Such lucky strokes of great success have always been
possible and will perhaps always be possible. And even whole races,
tribes and nations may in certain circumstances represent such _lucky
strokes._


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We must not deck out and adorn Christianity: it has waged a deadly
war upon this _higher_ type of man, it has set a ban upon all the
fundamental instincts of this type, and has distilled evil and the
devil himself out of these instincts:--the strong man as the typical
pariah, the villain. Christianity has sided with everything weak, low,
and botched; it has made an ideal out of _antagonism_ towards all the
self-preservative instincts of strong life: it has corrupted even the
reason of the strongest intellects, by teaching that the highest values
of intellectuality are sinful, misleading and full of temptations.
The most lamentable example of this was the corruption of Pascal, who
believed in the perversion of his reason through original sin, whereas
it had only been perverted by his Christianity.


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A painful and ghastly spectacle has just risen before my eyes. I tore
down the curtain which concealed mankind's _corruption._ This word in
my mouth is at least secure from the suspicion that it contains a moral
charge against mankind. It is--I would fain emphasise this again--free
from moralic acid: to such an extent is this so, that I am most
thoroughly conscious of the corruption in question precisely in those
quarters in which hitherto people have aspired with most determination
to "virtue" and to "godliness." As you have already surmised, I
understand corruption in the sense of _decadence._ What I maintain is
this, that all the values upon which mankind builds its highest hopes
and desires are _decadent_ values.

I call an animal, a species, an individual corrupt, when it loses its
instincts, when it selects and _prefers_ that which is detrimental to
it. A history of the "higher feelings," of "human ideals"--and it is
not impossible that I shall have to write it--would almost explain why
man is so corrupt. Life itself, to my mind, is nothing more nor less
than the instinct of growth, of permanence, of accumulating forces,
of power: where the will to power is lacking, degeneration sets in.
My contention is that all the highest values of mankind _lack_ this
will,--that the values of decline and of _nihilism_ are exercising the
sovereign power under the cover of the holiest names.


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Christianity is called the religion of _pity._--Pity is opposed

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Text Comparison with Jenseits von Gut und Böse

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So wenig der Akt der Geburt in dem ganzen Vor- und Fortgange der Vererbung in Betracht kommt: ebenso wenig ist "Bewusstsein" in irgend einem entscheidenden Sinne dem Instinktiven entgegengesetzt, - das meiste bewusste Denken eines Philosophen ist durch seine Instinkte heimlich geführt und in bestimmte Bahnen gezwungen.
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Das, was "Freiheit des Willens" genannt wird, ist wesentlich der Überlegenheits-Affekt in Hinsicht auf Den, der gehorchen muss: "ich bin frei, "er" muss gehorchen" - dies Bewusstsein steckt in jedem Willen, und ebenso jene Spannung der Aufmerksamkeit, jener gerade Blick, der ausschliesslich Eins fixirt, jene unbedingte Werthschätzung "jetzt thut dies und nichts Anderes Noth", jene innere Gewissheit darüber, dass gehorcht werden wird, und was Alles noch zum Zustande des Befehlenden gehört.
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Man soll nicht "Ursache" und "Wirkung" fehlerhaft verdinglichen, wie es die Naturforscher thun (und wer gleich ihnen heute im Denken naturalisirt -) gemäss der herrschenden mechanistischen Tölpelei, welche die Ursache drücken und stossen lässt, bis sie "Wirkt"; man soll sich der "Ursache", der "Wirkung" eben nur als reiner Begriffe.
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Wir sind es, die allein die Ursachen, das Nacheinander, das Für-einander, die Relativität, den Zwang, die Zahl, das Gesetz, die Freiheit, den Grund, den Zweck erdichtet haben; und wenn wir diese Zeichen-Welt als "an sich" in die Dinge hineindichten, hineinmischen, so treiben wir es noch einmal, wie wir es immer getrieben haben, nämlich mythologisch.
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Es ist die Sache der Wenigsten, unabhängig zu sein: - es ist ein Vorrecht der Starken.
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Die Absicht als die ganze Herkunft und Vorgeschichte einer Handlung: unter diesem Vorurtheile ist fast bis auf die neueste Zeit auf Erden moralisch gelobt, getadelt, gerichtet, auch philosophirt worden.
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C'est quand il est bon qu'il veut que la vertu corresponde à un ordre éternel, c'est quand il contemple les choses d'une manière désintéressée qu'il trouve la mort révoltante et absurde.
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Zu diesen Gleichgültigen gehört heute die Überzahl der deutschen Protestanten in den mittleren Ständen, sonderlich in den arbeitsamen grossen Handels- und Verkehrscentren; ebenfalls die Überzahl der arbeitsamen Gelehrten und der ganze Universitäts-Zubehör (die Theologen ausgenommen, deren Dasein und Möglichkeit daselbst dem Psychologen immer mehr und immer feinere Räthsel zu rathen giebt).
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- So wenig ein Leser heute die einzelnen Worte (oder gar Silben) einer Seite sämmtlich abliest - er nimmt vielmehr aus zwanzig Worten ungefähr fünf nach Zufall heraus und "erräth" den zu diesen fünf Worten muthmaasslich zugehörigen Sinn -, eben so wenig sehen wir einen Baum genau und vollständig, in Hinsicht auf Blätter, Zweige, Farbe, Gestalt; es fällt uns so sehr viel leichter, ein Ungefähr von Baum hin zu phantasiren.
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und verzärtelte Geschmack eines demokratischen Jahrhunderts gut heissen kann? - Es ist kein Zweifel: diese Kommenden werden am wenigsten jener ernsten und nicht unbedenklichen Eigenschaften entrathen dürfen, welche den Kritiker vom Skeptiker abheben, ich meine die Sicherheit der Werthmaasse, die bewusste Handhabung einer Einheit von Methode, den gewitzten Muth, das Alleinstehn und Sich-verantworten-können; ja, sie gestehen bei sich eine Lust am Neinsagen und Zergliedern und eine gewisse besonnene Grausamkeit zu, welche das Messer sicher und fein zu führen weiss, auch noch, wenn das Herz blutet.
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So ist zum Beispiel jenes ächt philosophische Beieinander einer kühnen ausgelassenen Geistigkeit, welche presto läuft, und einer dialektischen Strenge und Nothwendigkeit, die keinen Fehltritt thut, den meisten Denkern und Gelehrten von ihrer Erfahrung her unbekannt und darum, falls jemand davon vor ihnen reden wollte, un glaubwürdig.
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Es liegt auf der Hand, dass am unbedenklichsten noch sich die stärkeren und bereits fester geprägten Typen des neuen Deutschthums mit ihnen einlassen könnten, zum Beispiel der adelige Offizier aus der Mark: es wäre von vielfachem Interesse, zu sehen, ob sich nicht zu der erblichen Kunst des Befehlens und Gehorchens - in Beidem ist das bezeichnete Land heute klassisch - das Genie des Geldes und der Geduld (und vor allem etwas Geist und Geistigkeit, woran es reichlich an der bezeichneten Stelle fehlt -) hinzuthun, hinzuzüchten liesse.
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Etwas ist Allen gemein: sie halten sich die Ohren zu vor der rasenden Dummheit und dem lärmenden Maulwerk des demokratischen bourgeois.
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Das Zweite, worauf die Franzosen eine Überlegenheit über Europa begründen können, ist ihre alte vielfache moralistische Cultur, welche macht, dass man im Durchschnitt selbst bei kleinen romanciers der Zeitungen und zufälligen boulevardiers de Paris eine psychologische Reizbarkeit und Neugierde findet, von der man zum Beispiel in Deutschland keinen Begriff (geschweige denn die Sache!) hat.
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Sich gegenseitig der Verletzung, der Gewalt, der Ausbeutung enthalten, seinen Willen dem des Andern gleich setzen: dies kann in einem gewissen groben Sinne zwischen Individuen zur guten Sitte werden, wenn die Bedingungen dazu gegeben sind (nämlich deren thatsächliche Ähnlichkeit in Kraftmengen und Werthmaassen und ihre Zusammengehörigkeit innerhalb Eines Körpers).
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