The Twilight of the Idols - The Antichrist Complete Works, Volume Sixteen

By Friedrich Nietzsche

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with the hard
word "superior bunkum," or, if you would like it better, "idealism."
Humanity has had to pay dearly for this Athenian having gone to school
among the Egyptians (--or among the Jews in Egypt?...) In the great
fatality of Christianity, Plato is that double-faced fascination
called the "ideal," which made it possible for the more noble natures
of antiquity to misunderstand themselves and to tread the _bridge_
which led to the "cross." And what an amount of Plato is still to be
found in the concept "church," and in the construction, the system
and the practice of the church!--My recreation, my predilection, my
cure, after all Platonism, has always been Thucydides. Thucydides and
perhaps Machiavelli's _principe_ are most closely related to me owing
to the absolute determination which they show of refusing to deceive
themselves and of seeing reason in _reality,_--not in "rationality,"
and still less in "morality." There is no more radical cure than
Thucydides for the lamentably rose-coloured idealisation of the
Greeks which the "classically-cultured" stripling bears with him into
life, as a reward for his public school training. His writings must be
carefully studied line by line, and his unuttered thoughts must be read
as distinctly as what he actually says. There are few thinkers so rich
in unuttered thoughts. In him the culture "of the Sophists"--that is to
say, the culture of realism, receives its most perfect expression: this
inestimable movement in the midst of the moral and idealistic knavery
of the Socratic Schools which was then breaking out in all directions.
Greek philosophy is the decadence of the Greek instinct: Thucydides is
the great summing up, the final manifestation of that strong, severe
positivism which lay in the instincts of the ancient Hellene. After
all, it is courage in the face of reality that distinguishes such
natures as Thucydides from Plato: Plato is a coward I in the face of
reality--consequently he takes refuge in the ideal: Thucydides is
master of himself,--consequently he is able to master life.


3

To rout up cases of "beautiful souls," "golden means" and other
perfections among the Greeks, to admire, say, their calm grandeur,
their ideal attitude of mind, their exalted simplicity--from this
"exalted simplicity," which after all is a piece of _niaiserie
allemande,_ I was preserved by the psychologist within me. I saw their
strongest instinct, the Will to Power, I saw them quivering with the
fierce violence of this instinct,--I saw all their institutions grow
out of measures of security calculated to preserve each member of
their society from the inner _explosive material_ that lay in his
neighbour's breast This enormous internal tension thus discharged
itself in

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Text Comparison with Die Geburt der Tragödie: Versuch einer Selbstkritik

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Sein Auge muss "sonnenhaft", gemäss seinem Ursprunge, sein; auch wenn es zürnt und unmuthig blickt, liegt die Weihe des schönen Scheines auf ihm.
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4.
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Jener bild- und begrifflose Wiederschein des Urschmerzes in der Musik, mit seiner Erlösung im Scheine, erzeugt jetzt eine zweite Spiegelung, als einzelnes Gleichniss oder Exempel.
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Insofern aber das Subject Künstler ist, ist es bereits von seinem individuellen Willen erlöst und gleichsam Medium geworden, durch das hindurch das eine wahrhaft seiende Subject seine Erlösung im Scheine feiert.
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Aber auch mit jener Deutung, die Aeschylus dem Mythus gegeben hat, ist dessen erstaunliche Schreckenstiefe nicht ausgemessen: vielmehr ist die Werdelust des Künstlers, die jedem Unheil trotzende Heiterkeit des künstlerischen Schaffens nur ein lichtes Wolken- und Himmelsbild, das sich auf einem schwarzen See der Traurigkeit spiegelt.
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Bei diesem Zusammenhange ist die leidenschaftliche Zuneigung begreiflich, welche die Dichter der neueren Komödie zu Euripides empfanden; so dass der Wunsch des Philemon nicht weiter befremdet, der sich sogleich aufhängen lassen mochte, nur um den Euripides in der Unterwelt aufsuchen zu können: wenn er nur überhaupt überzeugt sein dürfte, dass der Verstorbene auch jetzt noch bei Verstande sei.
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der Verstand als die eigentliche Wurzel alles Geniessens und Schaffens, so musste er fragen und um sich schauen, ob denn Niemand so denke wie er und sich gleichfalls jene Incommensurabilität eingestehe.
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Jene Tragödie ist ein Protest gegen die Ausführbarkeit seiner Tendenz; ach, und sie war bereits ausgeführt! Das Wunderbare war geschehn: als der Dichter widerrief, hatte bereits seine Tendenz gesiegt.
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Wer ist das, der es wagen darf, als ein Einzelner das griechische Wesen zu verneinen, das als Homer, Pindar und Aeschylus, als Phidias, als Perikles, als Pythia und Dionysus, als der tiefste Abgrund und die höchste Höhe unserer staunenden Anbetung gewiss ist? Welche dämonische Kraft ist es, die diesen Zaubertrank in den Staub zu schütten sich erkühnen darf? Welcher Halbgott ist es, dem der Geisterchor der Edelsten der Menschheit zurufen muss: "Weh! Weh! Du hast sie zerstört,.
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zu geringem Stoffe und der Glorie ihrer Führer unangemessen sind, die dann es für einen Scherz erachten, ein solches Gespann in den Abgrund zu jagen: über den sie selbst, mit dem Sprunge des Achilles, hinwegsetzen.
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ist.
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Hierauf beruht es, dass man ein Gedicht als Gesang, oder eine anschauliche Darstellung als Pantomime, oder beides als Oper der Musik unterlegen kann.
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In einem fast erschreckenden Sinne ist hier eine lange Zeit der Gebildete allein in der Form des Gelehrten gefunden worden; selbst unsere dichterischen Künste haben sich aus gelehrten Imitationen entwickeln müssen, und in dem Haupteffect des Reimes erkennen wir noch die Entstehung unserer poetischen Form aus künstlichen Experimenten mit einer nicht heimischen, recht eigentlich gelehrten Sprache.
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Wenn wir aber mit Recht in der hiermit.
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angedeuteten Exemplification das Entschwinden des dionysischen Geistes mit einer höchst auffälligen, aber bisher unerklärten Umwandlung und Degeneration des griechischen Menschen in Zusammenhang gebracht haben - welche Hoffnungen müssen in uns aufleben, wenn uns die allersichersten Auspicien den umgekehrten Prozess, das allmähliche Erwachen des dionysischen Geistes in unserer gegenwärtigen Welt, verbürgen! Es ist nicht möglich, dass die göttliche Kraft des Herakles ewig im üppigen Frohndienste der Omphale erschlafft.
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Jetzt endlich darf er, nach seiner Heimkehr zum Urquell seines Wesens, vor allen Völkern kühn und frei, ohne das Gängelband einer romanischen Civilisation, einherzuschreiten wagen: wenn er nur von einem Volke unentwegt zu lernen versteht, von dem überhaupt lernen zu können schon ein hoher Ruhm und eine auszeichnende Seltenheit ist, von den Griechen.
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Eben so nothwendig geräth ein Volk, von der unbedingten Geltung der politischen Triebe aus, in eine Bahn äusserster Verweltlichung, deren grossartigster, aber auch erschrecklichster Ausdruck das römische imperium ist.
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jenem den Schein, als ob die Musik nur ein höchstes Darstellungsmittel zur Belebung der plastischen Welt des Mythus sei.
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Was vermöchte der Wortdichter Analoges zu bieten, der mit einem viel unvollkommneren Mechanismus, auf indirectem Wege, vom Wort und vom Begriff aus, jene innerliche Erweiterung der schaubaren Bühnenwelt und ihre innere Erleuchtung zu erreichen sich abmüht? Nimmt nun zwar auch die musikalische Tragödie das Wort hinzu, so kann sie doch zugleich den Untergrund und die Geburtsstätte des Wortes danebenstellen und uns das Werden des Wortes, von innen heraus, verdeutlichen.
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sich nur aufrichtig nach der Empfindung fragen, mit der er das auf der Bühne dargestellte Wunder empfängt: ob er etwa dabei seinen historischen, auf strenge psychologische Causalität gerichteten Sinn beleidigt fühlt, ob er mit einer wohlwollenden Concession gleichsam das Wunder als ein der Kindheit verständliches, ihm entfremdetes Phänomen zulässt oder ob er irgend etwas Anderes dabei erleidet.