The Twilight of the Idols - The Antichrist Complete Works, Volume Sixteen

By Friedrich Nietzsche

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depend upon punishment, upon compensation
for something which we ought not to have done, which we ought not
to have been (this idea was generalised in a more impudent form by
Schopenhauer, into that principle in which morality appears in its real
colours,--that is to say, as a veritable poisoner and slanderer of
life: "all great suffering, whether mental or physical, reveals what
we deserve: for it could not visit us if we did not deserve it," "The
World as Will and Idea," vol. 2, p. 666). These sensations are the
outcome of ill-considered actions, having evil consequences, (--the
passions, the senses, postulated as causes, as guilty. By means of
other calamities distressing physiological conditions are interpreted
as "merited").--The "explanation" of pleasant sensations. These
sensations are dependent upon a trust in God. They may depend upon
our consciousness of having done one or two good actions (a so-called
"good conscience" is a physiological condition, which may be the
outcome of good digestion). They may depend upon the happy issue of
certain undertakings (--an ingenuous mistake: the happy issue of an
undertaking certainly does not give a hypochondriac or a Pascal any
general sensation of pleasure). They may depend upon faith, love and
hope,--the Christian virtues. As a matter of fact all these pretended
explanations are but the results of certain states, and as it were
translations of feelings of pleasure and pain into a false dialect: a
man is in a condition of hopefulness because the dominant physiological
sensation of his being is again one of strength and wealth; he trusts
in God because the feeling of abundance and power gives him a peaceful
state of mind. Morality and religion are completely and utterly parts
of the psychology of error: in every particular case cause and effect
are confounded; as truth is confounded with the effect of that which is
believed to be true; or a certain state of consciousness is confounded
with the chain of causes which brought it about.


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_The Error of Free-Will._ At present we no longer have any mercy upon
the concept "free-will": we know only too well what it is--the most
egregious theological trick that has ever existed for the purpose of
making mankind "responsible" in a theological manner,--that is to
say, to make mankind dependent upon theologians. I will now explain
to you only the psychology of the whole process of inculcating the
sense of responsibility. Wherever men try to trace responsibility
home to anyone, it is the instinct of punishment and of the desire
to judge which is active. Becoming is robbed of its innocence when
any particular condition of things is

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Text Comparison with Jenseits von Gut und Böse

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Die Physiologen sollten sich besinnen, den Selbsterhaltungstrieb als kardinalen Trieb eines organischen Wesens anzusetzen.
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Ein Mensch, der will -, befiehlt einem Etwas in sich, das gehorcht oder von dem er glaubt, dass es gehorcht.
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Es giebt ehrlich gemeinte Übersetzungen, die beinahe Fälschungen sind, als unfreiwillige Vergemeinerungen des Originals, bloss weil sein tapferes und lustiges tempo nicht mit übersetzt werden konnte, welches über alles Gefährliche in Dingen und Worten wegspringt, weghilft.
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Der Glaube an "unmittelbare Gewissheiten" ist eine moralische Naivetät, welche uns Philosophen Ehre macht: aber - wir sollen nun einmal nicht "nur moralische" Menschen sein! Von der Moral abgesehn, ist jener Glaube eine Dummheit, die uns wenig Ehre macht! Mag im bürgerlichen Leben das allzeit bereite Misstrauen als Zeichen des "schlechten Charakters" gelten und folglich unter die Unklugheiten gehören: hier unter uns, jenseits der bürgerlichen Welt und ihres Ja's und Nein's, - was sollte uns hindern, unklug zu sein und zu sagen: der Philosoph hat nachgerade ein Recht auf "schlechten Charakter", als das Wesen, welches bisher auf Erden immer am besten genarrt worden.
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ist, - er hat heute die Pflicht zum Misstrauen, zum boshaftesten Schielen aus jedem Abgrunde des Verdachts heraus.
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Man muss den schlechten Geschmack von sich abthun, mit Vielen übereinstimmen zu wollen.
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Es giebt frauenhafte Zärtlichkeit und Begehrlichkeit darin, welche schamhaft und unwissend nach einer unio mystica et physica drängt: wie bei Madame de Guyon.
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Man hat ihnen Unschätzbares zu danken; und wer ist reich genug an Dankbarkeit, um nicht vor alle dem arm zu werden, was zum Beispiel die "geistlichen Menschen" des Christenthums bisher für Europa gethan haben! Und doch, wenn sie den Leidenden Trost, den Unterdrückten und Verzweifelnden Muth, den Unselbständigen einen Stab und Halt gaben und die Innerlich-Zerstörten und Wild-Gewordenen von der Gesellschaft weg in Klöster und seelische Zuchthäuser lockten: was mussten sie ausserdem thun, um mit gutem Gewissen dergestalt grundsätzlich an der Erhaltung alles Kranken und Leidenden, das heisst in That und Wahrheit an der Verschlechterung der europäischen Rasse zu arbeiten? Alle Werthschätzungen auf den Kopf stellen - das mussten sie! Und die Starken zerbrechen, die grossen Hoffnungen ankränkeln, das Glück in der Schönheit verdächtigen, alles Selbstherrliche, Männliche, Erobernde, Herrschsüchtige, alle Instinkte, welche dem höchsten und wohlgerathensten Typus "Mensch" zu eigen sind, in Unsicherheit, Gewissens-Noth, Selbstzerstörung umknicken, ja die ganze Liebe zum Irdischen und zur Herrschaft über die Erde in Hass gegen die Erde und das Irdische verkehren - das stellte sich die Kirche zur Aufgabe und musste es sich stellen, bis für ihre Schätzung endlich "Entweltlichung", "Entsinnlichung" und "höherer Mensch" in Ein Gefühl zusammenschmolzen.
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seine Begierde, und nicht das Begehrte.
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"Genügt es nicht, ihn ungefährlich machen? Wozu noch strafen? Strafen selbst ist fürchterlich!" - mit dieser Frage zieht die Heerden-Moral, die Moral der Furchtsamkeit ihre letzte Consequenz.
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Da ist die Kraft zu wollen seit langem zurückgelegt und aufgespeichert, da wartet der.
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Es dürften nicht nur indische Kriege und Verwicklungen in Asien dazu nöthig sein, damit Europa von seiner grössten Gefahr entlastet werde, sondern innere Umstürze, die Zersprengung des Reichs in kleine Körper und vor Allem die Einführung des parlamentarischen Blödsinns, hinzugerechnet die Verpflichtung für Jedermann, zum Frühstück seine Zeitung zu lesen.
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Wer ihnen sagte "eine hohe Geistigkeit ist ausser Vergleich mit irgend welcher Bravheit und Achtbarkeit eines eben nur moralischen Menschen", würde sie rasend machen: - ich werde mich hüten, es zu thun.
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Was die schmerzliche Wollust der Tragödie ausmacht, ist Grausamkeit; was im sogenannten tragischen Mitleiden, im Grunde sogar in allem Erhabenen bis hinauf zu den höchsten und zartesten Schaudern der Metaphysik, angenehm wirkt, bekommt seine Süssigkeit allein von der eingemischten Ingredienz der Grausamkeit.
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Aber im Grunde von uns, ganz "da unten", giebt es freilich etwas Unbelehrbares, einen Granit von geistigem Fatum, von vorherbestimmter Entscheidung und Antwort auf vorherbestimmte ausgelesene Fragen.
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Dahin gehört jenes gelegentliche Wort der Madame de Lambert an ihren Sohn: "mon ami, ne vous permettez jamais que de folies, qui vous feront grand plaisir": - beiläufig das mütterlichste und klügste Wort, das je an einen Sohn gerichtet worden ist.
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Damals waren die Gesetze des Schrift-Stils die selben, wie die des Rede-Stils; und dessen Gesetze hiengen zum Theil von der erstaunlichen Ausbildung, den raffinirten Bedürfnissen des Ohrs und Kehlkopfs ab, zum andern Theil von der Stärke, Dauer und Macht der antiken Lunge.
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"Ja, sagte er noch Ein Mal, stärker, böser und tiefer; auch schöner" - und dazu.