The Twilight of the Idols - The Antichrist Complete Works, Volume Sixteen

By Friedrich Nietzsche

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the principal questions, all
the principal problems of value, stand beyond human reason.... To
comprehend the limits of reason--this alone is genuine philosophy. For
what purpose did God give man revelation? Would God have done anything
superfluous? Man cannot of his own accord know what is good and what is
evil, that is why God taught man his will.... Moral: the priest does
_not_ lie, such questions as "truth" or "falseness" have nothing to do
with the things concerning which the priest speaks; such things do not
allow of lying. For, in order to lie, it would be necessary to know
_what_ is true in this respect. But that is precisely what man cannot
know: hence the priest is only the mouthpiece of God.--This sort of
sacerdotal syllogism is by no means exclusively Judaic or Christian;
the right to lie and the _prudent measure_ of "revelation" belongs
to the priestly type, whether of decadent periods or of Pagan times
(--Pagans are all those who say yea to life, and to whom "God" is the
word for the great yea to all things). The "law," the "will of God,"
the "holy book," and inspiration.--All these things are merely words
for the conditions under which the priest attains to power, and with
which he maintains his power,--these concepts are to be found at the
base of all sacerdotal organisations, of all priestly or philosophical
and ecclesiastical governments. The "holy lie," which is common to
Confucius, to the law-book of Manu, to Muhamed, and to the Christian
church, is not even absent in Plato. "Truth is here"; this phrase
means, wherever it is uttered: _the priest lies...._


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After all, the question is, to what _end_ are falsehoods perpetrated?
The fact that, in Christianity, "holy" ends are entirely absent,
constitutes _my_ objection to the means it employs. Its ends are only
_bad_ ends: the poisoning, the calumniation and the denial of life,
the contempt of the body, the degradation and self-pollution of man by
virtue of the concept sin,--consequently its means are bad as well.--My
feelings are quite the reverse when I read the law-book of _Manu, an_
incomparably superior and more intellectual work, which it would be
a sin against the _spirit_ even to _mention_ in the same breath with
the Bible. You will guess immediately why: it has a genuine philosophy
behind it, _in_ it, not merely an evil-smelling Jewish distillation
of Rabbinism and superstition,--it gives something to chew even
to the most fastidious psychologist. And, _not_ to forget the most
important point of all, it is fundamentally different from every kind
of Bible: by means of it the _noble

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Text Comparison with Ecce homo, Wie man wird, was man ist

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wie frei man athmet! wie Viel man unter sich fühlt! - Philosophie, wie ich sie bisher verstanden und gelebt habe, ist das freiwillige Leben in Eis und Hochgebirge - das Aufsuchen alles Fremden und Fragwürdigen im Dasein, alles dessen, was durch die Moral bisher in Bann gethan war.
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Und warum wollt ihr nicht an meinem Kranze rupfen? Ihr verehrt mich: aber wie, wenn eure Verehrung eines Tages umfällt? Hütet euch, dass euch nicht eine Bildsäule erschlage! Ihr sagt, ihr glaubt an Zarathustra? Aber was liegt an Zarathustra! Ihr seid meine Gläubigen, aber was liegt an allen Gläubigen! Ihr hattet euch noch nicht gesucht: da fandet ihr mich.
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Selbst jene Filigran-Kunst des Greifens und Begreifens überhaupt, jene Finger für nuances, jene Psychologie des "Um-die-Ecke-sehns" und was sonst mir eignet, ward damals erst erlernt, ist das eigentliche Geschenk jener Zeit, in der Alles sich bei mir verfeinerte, die Beobachtung selbst wie alle Organe der Beobachtung.
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- Das begriff jener tiefe Physiolog Buddha.
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Auf dem Baume Zukunft bauen wir unser Nest; Adler sollen uns Einsamen Speise bringen in ihren Schnäbeln! Wahrlich, keine Speise, an der Unsaubere mitessen dürften! Feuer würden sie zu fressen wähnen und sich die Mäuler verbrennen.
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Ich habe einen Fall vor Augen, wo ein bedeutend und frei angelegter Geist bloss durch Mangel an Instinkt-Feinheit im Klimatischen eng, verkrochen, Specialist und Sauertopf wurde.
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Wenn ich überhaupt von meiner ganzen Kindheit und Jugend keine willkommne Erinnerung habe, so wäre es eine Thorheit, hier sogenannte "moralische" Ursachen geltend zu machen, - etwa den unbestreitbaren Mangel an zureichender Gesellschaft: denn dieser Mangel besteht heute wie er immer bestand, ohne dass er mich hinderte, heiter und tapfer zu sein.
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Fragen der Form, diesen Ernst in der mise en scène - es ist der Pariser Ernst par excellence.
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In einer absurd frühen Zeit, mit sieben Jahren, wusste ich bereits, dass mich nie ein menschliches Wort erreichen würde: hat man mich je darüber betrübt gesehn? - Ich habe heute noch die gleiche Leutseligkeit gegen Jedermann, ich bin selbst voller Auszeichnung für die Niedrigsten: in dem Allen ist nicht ein Gran von Hochmuth, von geheimer Verachtung.
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Man kommt zu Menschen, man begrüsst Freunde: neue Öde, kein Blick grüsst mehr.
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Dass ein Goethe, ein Shakespeare nicht einen Augenblick in dieser ungeheuren Leidenschaft und Höhe zu athmen wissen würde, dass Dante, gegen Zarathustra gehalten, bloss ein Gläubiger ist und nicht Einer, der die Wahrheit erst schafft, ein weltregierender Geist, ein Schicksal dass die Dichter des Veda Priester sind und nicht einmal würdig, die Schuhsohlen eines Zarathustra zu lösen, das ist Alles das Wenigste und giebt keinen Begriff von der Distanz, von der azurnen Einsamkeit, in der dies Werk lebt.
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Licht bin ich: ach dass ich Nacht wäre! Aber dies ist meine Einsamkeit, dass ich von Licht umgürtet bin.
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In solchen Fällen heiter sein und sich gutmüthig mit verspotten - ridendo dicere severum, wo das verum dicere jede Härte rechtfertigen würde - ist die Humanität selbst.
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