The Twilight of the Idols - The Antichrist Complete Works, Volume Sixteen

By Friedrich Nietzsche

Page 117

woman." ... Only through woman did man learn to taste
of the tree of knowledge.--What had happened? Panic had seized the
old God Man himself had been his _greatest_ mistake, he had created
a rival for himself, science makes you _equal to God,_--it is all up
with priests and gods when man becomes scientific!--Moral: science is
the most prohibited thing of all,--it alone, is forbidden. Science is
the _first,_ the germ of all sins, the original sin. _This alone is
morality._--"Thou shalt _not_ know":--the rest follows as a matter of
course, God's panic did not deprive him of his intelligence. How can
one _guard_ against science? For ages this was his principal problem.
Reply: man must be kicked out of paradise! Happiness, leisure leads to
thinking,--all thoughts are bad thoughts.... Man _must_ not think.--And
the "priest-per-se" proceeds to invent distress, death, the vital
danger of pregnancy, every kind of misery, decrepitude, and affliction,
and above all _disease,_--all these are but weapons employed in the
struggle with science! Trouble prevents man from thinking.... And
notwithstanding all these precautions! Oh, horror! the work of science
towers aloft, it storms heaven itself, it rings the death-knell of the
gods,--what's to be done?--The old God invents _war;_ he separates the
nations, and contrives to make men destroy each other mutually (--the
priests have always been in need of war....) War, among other things,
is a great disturber of science!--Incredible! Knowledge, _the rejection
of the sacerdotal yoke,_ nevertheless increases.--So the old God
arrives at this final decision: "Man has become scientific,--_there is
no help for it, he must be drowned!_" ...


49

You have understood me The beginning of the Bible contains the whole
psychology of the priest--The priest knows only one great danger, and
that is science,--the healthy concept of cause and effect But, on the
whole, science flourishes onlyunder happy conditions,--a man must
have time, he must also have superfluous mental energy in order to
"pursue knowledge" ... "_Consequently_ man must be made unhappy,"--this
has been the argument of the priest of all ages.--You have already
divined what, in accordance with such a manner of arguing, must
first have come into the world:--"sin." ... The notion of guilt and
punishment, the whole "moral order of the universe," was invented
against science,--against the deliverance of man from the priest....
Man must _not_ cast his glance upon the outer world, he must turn it
inwards into himself; he must not as a learner look cleverly and
cautiously _into_ things; he must not see at all: he must _suffer._
... And he must suffer, so that he may be in need of the priest every
minute.--Away with

Last Page Next Page

Text Comparison with Jenseits von Gut und Böse

Page 8
Man kann dieser ganzen übermüthigen und schwärmerischen Bewegung, welche Jugend war, so kühn sie sich auch in graue und greisenhafte Begriffe verkleidete, gar nicht mehr Unrecht thun, als wenn man sie ernst nimmt und gar etwa mit moralischer Entrüstung behandelt; genug, man wurde älter, - der Traum verflog.
Page 12
Die Philosophen pflegen vom Willen zu reden, wie als ob er die bekannteste Sache von der Welt sei; ja Schopenhauer gab zu verstehen, der Wille allein sei uns eigentlich bekannt, ganz und gar bekannt, ohne Abzug und Zuthat bekannt.
Page 13
Nun aber beachte man, was das Wunderlichste am Willen ist, - an diesem so vielfachen Dinge, für welches das Volk nur Ein Wort hat: insofern wir im gegebenen Falle zugleich die Befehlenden und Gehorchenden sind, und als Gehorchende die Gefühle des Zwingens, Drängens, Drückens, Widerstehens, Bewegens kennen, welche sofort nach dem Akte des Willens zu beginnen pflegen; insofern wir andererseits die Gewohnheit haben, uns über diese Zweiheit vermöge des synthetischen Begriffs "ich" hinwegzusetzen, hinwegzutäuschen, hat sich an das Wollen noch eine ganze Kette von irrthümlichen Schlüssen und folglich von falschen Werthschätzungen des Willens selbst angehängt, - dergestalt, dass der Wollende mit gutem Glauben glaubt, Wollen genüge zur Aktion.
Page 16
- 23.
Page 19
Denn der entrüstete Mensch, und wer immer mit seinen eignen Zähnen sich selbst (oder, zum Ersatz dafür, die Welt, oder Gott, oder die Gesellschaft) zerreisst und zerfleischt, mag zwar moralisch gerechnet, höher stehn als der lachende und selbstzufriedene Satyr, in jedem anderen Sinne aber.
Page 32
- 46.
Page 44
86.
Page 57
Welche Wohlthat, welche Erlösung von einem unerträglich werdenden Druck trotz Alledem das Erscheinen eines.
Page 60
Moral ist heute in Europa Heerdenthier-Moral: - also nur, wie wir die Dinge verstehn, Eine Art von menschlicher Moral, neben der, vor der, nach der viele andere, vor Allem höhere Moralen möglich sind oder sein sollten.
Page 68
" - Also tröstet sich ein Skeptiker; und es ist wahr, dass er einigen Trost nöthig hat.
Page 70
Ich sage dies nicht als Wünschender: mir würde das Entgegengesetzte eher nach dem Herzen sein, - ich meine eine solche Zunahme der Bedrohlichkeit Russlands, dass Europa sich entschliessen müsste, gleichermaassen bedrohlich zu werden, nämlich Einen Willen zu bekommen, durch das Mittel einer neuen über Europa herrschenden Kaste, einen langen furchtbaren eigenen Willen, der sich über Jahrtausende hin Ziele setzen könnte: - damit endlich die langgesponnene Komödie seiner Kleinstaaterei und ebenso seine dynastische wie demokratische Vielwollerei zu einem Abschluss käme.
Page 76
Wir Europäer von übermorgen, wir Erstlinge des zwanzigsten Jahrhunderts, - mit aller unsrer gefährlichen Neugierde, unsrer Vielfältigkeit und Kunst der Verkleidung, unsrer mürben und gleichsam versüssten Grausamkeit in Geist und Sinnen, - wir werden vermuthlich, wenn wir Tugenden haben sollten, nur solche haben, die sich mit unsren heimlichsten und herzlichsten Hängen, mit unsern heissesten Bedürfnissen am besten vertragen lernten: wohlan, suchen wir einmal nach ihnen in unsren Labyrinthen! - woselbst sich, wie man weiss, so mancherlei verliert, so mancherlei ganz verloren geht.
Page 79
Vielleicht, dass wir hier gerade das Reich unsrer Erfindung noch entdecken, jenes Reich, wo auch wir noch original sein können, etwa als Pazodisten der Weltgeschichte und Hanswürste Gottes, - vielleicht dass, wenn auch Nichts von heute sonst Zukunft hat, doch gerade unser Lachen.
Page 88
Wehe, wenn erst das "Ewig-Langweilige am Weibe" - es ist reich daran! - sich hervorwagen darf! wenn es seine Klugheit und Kunst, die der Anmuth, des Spielens, Sorgen-Wegscheuchens, Erleichterns und Leicht-Nehmens, wenn es seine feine Anstelligkeit zu angenehmen Begierden gründlich und grundsätzlich zu verlernen beginnt! Es werden schon jetzt weibliche Stimmen laut, welche, beim heiligen Aristophanes! Schrecken machen, es wird mit medizinischer Deutlichkeit gedroht, was zuerst und zuletzt das Weib vom Manne will.
Page 107
Ich denke an Menschen wie Napoleon, Goethe, Beethoven, Stendhal, Heinrich Heine, Schopenhauer: man verarge mir es nicht, wenn ich auch Richard Wagner zu ihnen rechne, über den man sich nicht durch seine eignen Missverständnisse verführen lassen darf, - Genies seiner Art haben selten das Recht, sich selbst zu verstehen.
Page 111
Verachtet wird der Feige, der Ängstliche, der Kleinliche, der an die enge Nützlichkeit Denkende; ebenso der Misstrauische mit seinem unfreien Blicke, der Sich-Erniedrigende, die Hunde-Art von Mensch, welche sich misshandeln lässt, der bettelnde Schmeichler, vor Allem der Lügner: - es ist ein Grundglaube aller Aristokraten, dass das gemeine Volk lügnerisch ist.
Page 112
wird es niemals hart".
Page 121
.
Page 126
Der Einsiedler glaubt nicht daran, dass jemals ein Philosoph - gesetzt, dass ein Philosoph immer vorerst ein Einsiedler war - seine eigentlichen und letzten Meinungen in Büchern ausgedrückt habe: schreibt man nicht gerade Bücher, um zu verbergen, was man bei sich birgt? - ja er wird zweifeln, ob ein Philosoph "letzte und eigentliche" Meinungen überhaupt haben könne, ob bei ihm nicht hinter jeder Höhle noch eine tiefere Höhle liege, liegen müsse - eine umfänglichere fremdere reichere Welt über einer Oberfläche, ein Abgrund hinter jedem Grunde, unter jeder "Begründung".
Page 132
Oh Lebens Mittag! Zweite Jugendzeit! Oh Sommergarten! Unruhig Glück im Stehn und Spähn und Warten! Der Freunde harr' ich, Tag und Nacht bereit, Der _neuen_ Freunde! Kommt! 's ist Zeit! 's ist Zeit! _Dies_ Lied ist aus, - der Sehnsucht süsser Schrei Erstarb im Munde: Ein Zaubrer that's, der Freund zur rechten Stunde, Der Mittags-Freund - nein! fragt nicht, wer es sei - Um Mittag war's, da wurde Eins zu Zwei.