The Genealogy of Morals The Complete Works, Volume Thirteen, edited by Dr. Oscar Levy.

By Friedrich Nietzsche

Page 8

heart that just the converse metaphor should apply, and that
these analysts with their psychological microscopes should be, at
bottom, brave, proud, and magnanimous animals who know how to bridle
both their hearts and their smarts, and have specifically trained
themselves to sacrifice what is desirable to what is true, any truth
in fact, even the simple, bitter, ugly, repulsive, unchristian, and
immoral truths--for there are truths of that description.


2.

All honour, then, to the noble spirits who would fain dominate these
historians of morality. But it is certainly a pity that they lack the
_historical sense_ itself, that they themselves are quite deserted
by all the beneficent spirits of history. The whole train of their
thought runs, as was always the way of old-fashioned philosophers, on
thoroughly unhistorical lines: there is no doubt on this point. The
crass ineptitude of their genealogy of morals is immediately apparent
when the question arises of ascertaining the origin of the idea and
judgment of "good." "Man had originally," so speaks their decree,
"praised and called 'good' altruistic acts from the standpoint of
those on whom they were conferred, that is, those to whom they were
_useful_; subsequently the origin of this praise was _forgotten_, and
altruistic acts, simply because, as a sheer matter of habit, they were
praised as good, came also to be felt as good--as though they contained
in themselves some intrinsic goodness." The thing is obvious:--this
initial derivation contains already all the typical and idiosyncratic
traits of the English psychologists--we have "utility," "forgetting,"
"habit," and finally "error," the whole assemblage forming the basis
of a system of values, on which the higher man has up to the present
prided himself as though it were a kind of privilege of man in general.
This pride _must_ be brought low, this system of values _must_ lose its
values: is that attained?

Now the first argument that comes ready to my hand is that the real
homestead of the concept "good" is sought and located in the wrong
place: the judgment "good" did not originate among those to whom
goodness was shown. Much rather has it been the good themselves,
that is, the aristocratic, the powerful, the high-stationed, the
high-minded, who have felt that they themselves were good, and that
their actions were good, that is to say of the first order, in
contradistinction to all the low, the low-minded, the vulgar, and
the plebeian. It was out of this pathos of distance that they first
arrogated the right to create values for their own profit, and to
coin the names of such values: what had they to do with utility?

Last Page Next Page

Text Comparison with Jenseits von Gut und Böse

Page 3
verehrten Dinge ausmacht, gerade darin bestünde, mit jenen schlimmen, scheinbar entgegengesetzten Dingen auf verfängliche Weise verwandt, verknüpft, verhäkelt, vielleicht gar wesensgleich zu sein.
Page 4
Sie stellen sich sämmtlich, als ob sie ihre eigentlichen Meinungen durch die Selbstentwicklung einer kalten, reinen, göttlich unbekümmerten Dialektik entdeckt und erreicht hätten (zum Unterschiede von den Mystikern jeden Rangs, die ehrlicher als sie und tölpelhafter sind - diese reden von "Inspiration" -): während im Grunde ein vorweggenommener Satz, ein Einfall, eine "Eingebung", zumeist ein abstrakt gemachter und durchgesiebter Herzenswunsch von ihnen mit hinterher gesuchten Gründen vertheidigt wird: - sie sind allesammt Advokaten, welche es nicht heissen wollen, und zwar zumeist sogar verschmitzte Fürsprecher ihrer Vorurtheile, die sie "Wahrheiten" taufen - und sehr ferne von der Tapferkeit des Gewissens, das sich dies, eben dies eingesteht, sehr ferne von dem guten Geschmack der Tapferkeit, welche dies auch zu verstehen giebt, sei es um einen Feind oder Freund zu warnen, sei es aus Übermuth und um ihrer selbst zu spotten.
Page 5
Wie boshaft Philosophen sein können! Ich kenne nichts Giftigeres als den Scherz, den sich Epicur gegen Plato und die Platoniker erlaubte: er nannte sie Dionysiokolakes.
Page 7
Gesetzt, dass er sich hierin selbst betrog: aber die Entwicklung und rasche Blüthe der deutschen Philosophie hängt an diesem Stolze und an dem Wetteifer aller Jüngeren, womöglich noch Stolzeres zu entdecken - und jedenfalls "neue Vermögen"! - Aber besinnen wir uns: es ist an der Zeit.
Page 14
Philosophen des ural-altaischen Sprachbereichs (in dem der Subjekt-Begriff am schlechtesten entwickelt ist) werden mit grosser Wahrscheinlichkeit anders "in die Welt" blicken und auf andern Pfaden zu finden sein, als Indogermanen oder Muselmänner: der Bann bestimmter grammatischer Funktionen ist im letzten Grunde der Bann physiologischer Werthurtheile und Rasse-Bedingungen.
Page 23
- Sollten wir aber heute nicht bei der Nothwendigkeit angelangt sein, uns nochmals über eine Umkehrung und Grundverschiebung der Werthe schlüssig zu machen, Dank einer nochmaligen Selbstbesinnung und Vertiefung des Menschen, - sollten wir nicht an der Schwelle einer Periode stehen, welche, negativ, zunächst als die aussermoralische zu, bezeichnen wäre: heute, wo wenigstens unter uns Immoralisten der Verdacht sich regt, dass gerade in dem, was nicht-absichtlich an einer Handlung ist, ihr entscheidender Werth belegen sei, und dass alle ihre Absichtlichkeit, Alles, was von ihr gesehn, gewusst, "bewusst" werden kann, noch zu ihrer Oberfläche und Haut gehöre, - welche, wie jede Haut, Etwas verräth, aber noch mehr verbirgt? Kurz, wir glauben, dass die Absicht nur ein Zeichen und Symptom ist, das erst der Auslegung bedarf, dazu ein Zeichen, das zu Vielerlei und folglich für sich allein fast nichts bedeutet, - dass Moral, im bisherigen Sinne, also Absichten-Moral ein Vorurtheil gewesen ist, eine Voreiligkeit, eine Vorläufigkeit vielleicht, ein Ding etwa vom Range der Astrologie und Alchymie, aber jedenfalls Etwas, das überwunden werden muss.
Page 27
Man vergisst aber gerne, auch auf Seiten besonnener Geister, dass Unglücklich-machen und Böse-machen ebensowenig Gegenargumente sind.
Page 47
159.
Page 54
Wahrscheinlich machte die Person ein ganz anderes Gesicht oder gar keins.
Page 63
"Los von allen Herren!" - so will es auch hier der pöbelmännische Instinkt; und nachdem sich die Wissenschaft mit glücklichstem Erfolge der Theologie erwehrt hat, deren "Magd" sie zu lange war, ist sie nun in vollem Übermuthe und Unverstande darauf hin aus, der Philosophie Gesetze zu machen und ihrerseits einmal den "Herrn" - was sage ich! den Philosophen zu spielen.
Page 67
Er hat den Ernst für sich verloren, auch die Zeit: er ist heiter, nicht aus Mangel an Noth, sondern aus Mangel an Fingern und Handhaben für seine Noth.
Page 74
auf, wie viel Heuchelei, Bequemlichkeit, Sich-gehen-lassen und Sich-fallen lassen, wie viel Lüge unter dem bestgeehrten Typus ihrer zeitgenössischen Moralität versteckt, wie viel Tugend überlebt sei; jedes Mal sagten sie: "wir müssen dorthin, dorthinaus, wo ihr heute am wenigsten zu Hause seid.
Page 78
220.
Page 79
Wo heute Mitleiden gepredigt wird - und, recht gehört, wird jetzt keine andre Religion mehr gepredigt - möge der Psycholog seine Ohren aufmachen: durch alle Eitelkeit, durch allen Lärm hindurch, der diesen Predigern (wie allen Predigern) zu eigen ist, wird er einen heiseren, stöhnenden, ächten Laut von Selbst-Verachtung hören.
Page 84
Es ist eine bescheidene und gründlich mittelmässige Art Mensch, diese utilitarischen Engländer, und, wie gesagt: insofern sie langweilig sind, kann man nicht hoch genug von ihrer Utilität denken.
Page 90
- und meiner Schneiderin.
Page 101
Die Juden sind aber ohne allen Zweifel die stärkste, zäheste und reinste Rasse, die jetzt in Europa lebt; sie verstehen es, selbst noch unter den schlimmsten Bedingungen sich durchzusetzen (besser sogar, als unter günstigen), vermöge irgend welcher Tugenden, die man heute gern zu Lastern stempeln möchte, - Dank, vor Allem, einem resoluten Glauben, der sich vor den "modernen Ideen" nicht zu schämen braucht; sie verändern sich, wenn sie sich verändern, immer nur so, wie das russische Reich seine Eroberungen macht, - als ein Reich, das Zeit hat und nicht von Gestern ist -: nämlich nach dem Grundsatze "so langsam als möglich!" Ein Denker, der die Zukunft Europa's auf seinem Gewissen hat, wird, bei allen Entwürfen, welche er bei sich über.
Page 120
Diese grossen Dichter zum Beispiel, diese Byron, Musset, Poe, Leopardi, Kleist, Gogol, - so wie sie nun einmal sind, vielleicht sein müssen: Menschen der Augenblicke,.
Page 127
.
Page 128
Wie es nämlich einem jeden ergeht, der von Kindesbeinen an immer unterwegs und in der Fremde war, so.