The Genealogy of Morals The Complete Works, Volume Thirteen, edited by Dr. Oscar Levy.

By Friedrich Nietzsche

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authority of Schopenhauer, which _dominated_ Europe in the
seventies? (This is without consideration of the question whether an
artist without the milk[1] of an orthodoxy would have been possible at
all.) This brings us to the more serious question: What is the meaning
of a real _philosopher_ paying homage to the ascetic ideal, a really
self-dependent intellect like Schopenhauer, a man and knight with a
glance of bronze, who has the courage to be himself, who knows how to
stand alone without first waiting for men who cover him in front, and
the nods of his superiors? Let us now consider at once the remarkable
attitude of Schopenhauer towards _art_, an attitude which has even a
fascination for certain types. For that is obviously the reason why
Richard Wagner _all at once_ went over to Schopenhauer (persuaded
thereto, as one knows, by a poet, Herwegh), went over so completely
that there ensued the cleavage of a complete theoretic contradiction
between his earlier and his later æsthetic faiths--the earlier, for
example, being expressed in _Opera and Drama_, the later in the
writings which he published from 1870 onwards. In particular, Wagner
from that time onwards (and this is the volte-face which alienates us
the most) had no scruples about changing his judgment concerning the
value and position of music itself. What did he care if up to that time
he had made of music a means, a medium, a "woman," that in order to
thrive needed an end, a man--that is, the drama? He suddenly realised
that _more_ could be effected by the novelty of the Schopenhauerian
theory in _majorem musicæ gloriam_--that is to say, by means of the
_sovereignty_ of music, as Schopenhauer understood it; music abstracted
from and opposed to all the other arts, music as the independent
art-in-itself, _not_ like the other arts, affording reflections of the
phenomenal world, but rather the language of the will itself, speaking
straight out of the "abyss" as its most personal, original, and direct
manifestation. This extraordinary rise in the value of music (a rise
which seemed to grow out of the Schopenhauerian philosophy) was at
once accompanied by an unprecedented rise in the estimation in which
the musician himself was held: he became now an oracle, a priest, nay,
more than a priest, a kind of mouthpiece for the "intrinsic essence
of things," a telephone from the other world--from henceforward
he talked not only music, did this ventriloquist of God, he talked
metaphysic; what wonder that one day he eventually talked _ascetic
ideals_.


6.

Schopenhauer has made use of the Kantian treatment of the æsthetic
problem--though he certainly did not regard

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aber nicht wahr? da beginne ich bereits wieder und thue, was ich immer gethan habe, ich alter Immoralist und Vogelsteller - und rede unmoralisch, aussermoralisch, "jenseits von Gut und Böse"? - 2.
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Man nimmt, ohne solche practische Belehrung, dieses Schaffen und Formen für leichter als es ist, man fühlt das Gelungene und Reizvolle nicht scharf genug heraus.
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-Schopenhauer schloss dagegen so: weil gewisse Handlungen Unmuth ("Schuldbewusstsein") nach sich ziehen, so muss es eine Verantwortlichkeit geben; denn zu diesem Unmuth wäre kein Grund vorhanden, wenn nicht nur alles Handeln des Menschen mit Nothwendigkeit verliefe - wie es thatsächlich, und auch nach der Einsicht dieses Philosophen, verläuft -, sondern der Mensch selber mit der selben Nothwendigkeit sein ganzes Wesen erlangte, - was Schopenhauer leugnet.
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45.
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als Irrthümer waren: vielleicht sagt man, es seien Stufen der Wahrheit gewesen.
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Gerechtigkeit ist also Vergeltung und Austausch unter der Voraussetzung einer ungefähr gleichen Machtstellung: so gehört ursprünglich die Rache in den Bereich der Gerechtigkeit, sie ist ein Austausch.
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"Gut" nennt man Den, welcher wie von Natur, nach langer Vererbung, also leicht und gern das Sittliche thut, je nachdem diess ist (zum Beispiel Rache übt, wenn Rache-üben, wie bei den älteren Griechen, zur guten Sitte gehört).
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Das Unschuldige an den sogenannten bösen Handlungen.
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Ihm muss die Natur - die unbegriffene, schreckliche, geheimnissvolle Natur - als das Reich der Freiheit, der Willkür, der höheren Macht erscheinen, ja gleichsam als eine übermenschliche Stufe des Daseins, als Gott.
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So bekennt sich mancher Denker zu Ansichten, welche ersichtlich nicht dazu dienen, seinen Ruf zu vermehren oder zu verbessern; mancher beschwört förmlich die Missachtung Anderer auf sich herab, während er es leicht hätte, durch Stillschweigen ein geachteter Mann zu bleiben; andere widerrufen frühere Meinungen und scheuen es nicht, fürderhin inconsequent genannt zu werden: im Gegentheil, sie bemühen sich darum und benehmen sich wie übermüthige Reiter, welche das Pferd, erst wenn es wild geworden, mit Schweiss bedeckt, scheu gemacht ist, am liebsten mögen.
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Es sind die ungebundneren, viel unsichereren und moralisch schwächeren Individuen, an denen das geistige Fortschreiten in solchen Gemeinwesen hängt: es sind die Menschen, welche Neues und überhaupt Vielerlei versuchen.
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Je gründlicher Jemand das Leben versteht, desto weniger wird er spottet, nur dass er zuletzt vielleicht noch über die "Gründlichkeit seines Verstehens" spottet.
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- Kurz, man soll der hochmüthigen Vereinsamung nicht so leicht das Wort reden.
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Endlich kommt - was ihnen gewiss am schwersten zugestanden wird, aber ebenfalls zugestanden werden muss - von Zeit zu Zeit ein Augenblick, wo sie aus ihren schweigsamen Vereinsamungen heraustreten und die Kraft ihrer Lungen wieder einmal versuchen: dann rufen sie nämlich einander zu wie Verirrte in einem Walde, um sich einander zu erkennen zu geben und zu ermuthigen; wobei freilich Mancherlei laut wird, was den Ohren, für welche es nicht bestimmt ist, übel klingt.
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Luft der öffentlichen Kritik hineinweht, wächst eine unschuldige Corruption auf, wie ein Pilz (also zum Beispiel in gelehrten Körperschaften und Senaten).
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- Die erste Meinung, welche uns einfällt, wenn wir plötzlich über eine Sache befragt werden, ist gewöhnlich nicht unsere eigene, sondern nur die landläufige, unserer Kaste, Stellung, Abkunft zugehörige; die eigenen Meinungen schwimmen selten oben auf.
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Den Erben gelten lassen.