The Genealogy of Morals The Complete Works, Volume Thirteen, edited by Dr. Oscar Levy.

By Friedrich Nietzsche

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as
Tartuffism, as disease, as a misunderstanding; but also morality as a
cause, as a remedy, as a stimulant, as a fetter, as a drug), especially
as such a knowledge has neither existed up to the present time nor is
even now generally desired. The value of these "values" was taken for
granted as an indisputable fact, which was beyond all question. No one
has, up to the present, exhibited the faintest doubt or hesitation in
judging the "good man" to be of a higher value than the "evil man," of
a higher value with regard specifically to human progress, utility,
and prosperity generally, not forgetting the future. What? Suppose the
converse were the truth! What? Suppose there lurked in the "good man"
a symptom of retrogression, such as a danger, a temptation, a poison,
a _narcotic_, by means of which the present _battened on the future_!
More comfortable and less risky perhaps than its opposite, but also
pettier, meaner! So that morality would really be saddled with the
guilt, if the _maximum potentiality of the power and splendour_ of the
human species were never to be attained? So that really morality would
be the danger of dangers?


7.

Enough, that after this vista had disclosed itself to me, I myself had
reason to search for learned, bold, and industrious colleagues (I am
doing it even to this very day). It means traversing with new clamorous
questions, and at the same time with new eyes, the immense, distant,
and completely unexplored land of morality--of a morality which has
actually existed and been actually lived! and is this not practically
equivalent to first _discovering_ that land? If, in this context, I
thought, amongst others, of the aforesaid Dr. Rée, I did so because I
had no doubt that from the very nature of his questions he would be
compelled to have recourse to a truer method, in order to obtain his
answers. Have I deceived myself on that score? I wished at all events
to give a better direction of vision to an eye of such keenness, and
such impartiality. I wished to direct him to the real _history of
morality_, and to warn him, while there was yet time, against a world
of English theories that culminated in _the blue vacuum of heaven_.
Other colours, of course, rise immediately to one's mind as being a
hundred times more potent than blue for a genealogy of morals:--for
instance, grey, by which I mean authentic facts capable of definite
proof and having actually existed, or, to put it shortly, the whole
of that long hieroglyphic script (which is so hard

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Text Comparison with Jenseits von Gut und Böse

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"Wie könnte Etwas aus seinem Gegensatz entstehn? Zum Beispiel die Wahrheit aus dem Irrthume? Oder der Wille zur Wahrheit aus dem Willen zur Täuschung? Oder die selbstlose Handlung aus dem Eigennutze? Oder das reine sonnenhafte Schauen des Weisen aus der Begehrlichkeit? Solcherlei Entstehung ist unmöglich; wer davon träumt, ein Narr, ja Schlimmeres; die Dinge höchsten Werthes müssen einen anderen, eigenen Ursprung haben, - aus dieser vergänglichen verführerischen täuschenden geringen Welt, aus diesem Wirrsal von Wahn und Begierde sind sie unableitbar! Vielmehr im Schoosse des Sein's, im Unvergänglichen, im verborgenen Gotte, im `Ding an sich` - da muss ihr Grund liegen, und sonst nirgendswo!" - Diese Art zu urtheilen macht das typische Vorurtheil aus, an dem sich die Metaphysiker aller Zeiten wieder erkennen lassen; diese Art von Werthschätzungen steht im Hintergrunde aller ihrer logischen Prozeduren; aus diesem ihrem "Glauben" heraus bemühn sie sich um ihr "Wissen", um Etwas, das feierlich am Ende als "die Wahrheit" getauft wird.
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dürfte gar eine deutsche Übersetzung des Petronius wagen, der, mehr als irgend ein grosser Musiker bisher, der Meister des presto gewesen ist, in Erfindungen, Einfällen, Worten: - was liegt zuletzt an allen Sümpfen der kranken, schlimmen Welt, auch der "alten Welt", wenn man, wie er, die Füsse eines Windes hat, den Zug und Athem, den befreienden Hohn eines Windes, der Alles gesund macht, indem er Alles laufen macht! Und was Aristophanes angeht, jenen verklärenden, complementären Geist, um dessentwillen man dem ganzen Griechenthum verzeiht, dass es da war, gesetzt, dass man in aller Tiefe begriffen hat, was da Alles der Verzeihung, der Verklärung bedarf: - so wüsste ich nichts, was mich über Plato's Verborgenheit und Sphinx-Natur mehr hat träumen lassen als jenes glücklich erhaltene petit falt: dass man unter dem Kopfkissen seines Sterbelagers keine "Bibel" vorfand, nichts Ägyptisches, Pythagoreisches, Platonisches, - sondern den Aristophanes.
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aus ihren Folgen abgeleitet: die Handlung an sich kam dabei ebensowenig als ihre Herkunft in Betracht, sondern ungefähr so, wie heute noch in China eine Auszeichnung oder Schande vom Kinde auf die Eltern zurückgreift, so war es die rückwirkende Kraft des Erfolgs oder Misserfolgs, welche den Menschen anleitete, gut oder schlecht von einer Handlung zu denken.
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Man wird am besten für seine Tugenden bestraft.
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- Plato hat Alles gethan, um etwas Feines und Vornehmes in den Satz seines Lehrers hinein zu interpretiren, vor Allem sich selbst -, er, der verwegenste aller Interpreten, der den ganzen Sokrates nur wie ein populäres Thema und Volkslied von der Gasse nahm, um es in's Unendliche und Unmögliche zu variiren: nämlich in alle seine eignen Masken und Vielfältigkeiten.
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unbedingt Befehlenden für diese Heerdenthier-Europäer ist, dafür gab die Wirkung, welche das Erscheinen Napoleon's machte, das letzte grosse Zeugniss: - die Geschichte der Wirkung Napoleon's ist beinahe die Geschichte des höheren Glücks, zu dem es dieses ganze Jahrhundert in seinen werthvollsten Menschen und Augenblicken gebracht hat.
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Bald sprang die Furcht vor verkappter Mystik und Grenzberichtigung des Erkennens hervor; bald die Missachtung einzelner Philosophen, welche sich unwillkürlich zur Missachtung der Philosophie verallgemeinert hatte.
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Er ist eben nur ächt, so weit er objektiv sein darf: allein in seinem heitern Totalismus ist er noch "Natur" und "natürlich".
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- Die deutsche Seele ist vor Allem vielfach, verschiedenen Ursprungs, mehr zusammen- und übereinandergesetzt, als wirklich gebaut: das liegt an ihrer Herkunft.
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Seele; er schleppt an Allem, was er erlebt.
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Was aber Robert Schumann angeht, der es schwer nahm und von Anfang an auch schwer genommen worden ist - es ist der Letzte, der eine Schule gegründet hat -: gilt es heute unter uns nicht als ein Glück, als ein Aufathmen, als eine Befreiung, dass gerade diese Schumann'sche Romantik überwunden ist? Schumann, in die "sächsische Schweiz" seiner Seele flüchtend, halb Wertherisch, halb Jean-Paulisch geartet, gewiss nicht Beethovenisch! gewiss nicht Byronisch! - seine Manfred-Musik ist ein Missgriff und Missverständniss bis zum Unrechte -, Schumann mit seinem Geschmack, der im Grunde ein kleiner Geschmack war, (nämlich ein gefährlicher, unter Deutschen doppelt gefährlicher Hang zur stillen Lyrik und Trunkenboldigkeit des Gefühls), beständig bei Seite gehend, sich scheu verziehend und zurückziehend, ein edler Zärtling, der in lauter anonymem Glück und Weh schwelgte, eine Art Mädchen und noli me tangere von Anbeginn: dieser Schumann war bereits nur noch ein deutsches Ereigniss in der Musik, kein europäisches mehr, wie Beethoven es war, wie, in noch umfänglicherem Maasse, Mozart es gewesen ist, - mit ihm drohte der deutschen Musik ihre grösste Gefahr, die Stimme für die Seele Europa's zu verlieren und zu einer blossen Vaterländerei herabzusinken.
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ist, oder von Hegel, der heute in Gestalt Taine's - das heisst des ersten lebenden Historikers - einen beinahe tyrannischen Einfluss ausübt.
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Bei einer Wanderung durch die vielen feineren und gröberen Moralen, welche bisher auf Erden geherrscht haben oder noch herrschen, fand ich gewisse Züge regelmässig mit einander wiederkehrend und aneinander geknüpft: bis sich mir endlich zwei Grundtypen verriethen, und ein Grundunterschied heraussprang.
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Oh Lebens Mittag! Zweite Jugendzeit! Oh Sommergarten! Unruhig Glück im Stehn und Spähn und Warten! Der Freunde harr' ich, Tag und Nacht bereit, Der _neuen_ Freunde! Kommt! 's ist Zeit! 's ist Zeit! _Dies_ Lied ist aus, - der Sehnsucht süsser Schrei Erstarb im Munde: Ein Zaubrer that's, der Freund zur rechten Stunde, Der Mittags-Freund - nein! fragt nicht, wer es sei - Um Mittag war's, da wurde Eins zu Zwei.