The Genealogy of Morals The Complete Works, Volume Thirteen, edited by Dr. Oscar Levy.

By Friedrich Nietzsche

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has drawn one conclusion after the other, it
finally draws its _strongest conclusion_, its conclusion against
itself; this, however, happens, when it puts the question, "_what is
the meaning of every will for truth?_" And here again do I touch on my
problem, on our problem, my unknown friends (for as yet _I know_ of no
friends): what sense has our whole being, if it does not mean that in
our own selves that will for truth has come to its own consciousness
_as a problem_?---By reason of this attainment of self-consciousness
on the part of the will for truth, morality from henceforward--there
is no doubt about it--goes _to pieces_: this is that great hundred-act
play that is reserved for the next two centuries of Europe, the most
terrible, the most mysterious, and perhaps also the most hopeful of all
plays.


28.

If you except the ascetic ideal, man, the animal man had no meaning.
His existence on earth contained no end; "What is the purpose of man
at all?" was a question without an answer; the _will_ for man and the
world was lacking; behind every great human destiny rang as a refrain
a still greater "Vanity!" The ascetic ideal simply means this: that
something _was lacking_, that a tremendous _void_ encircled man--he did
not know how to justify himself, to explain himself, to affirm himself,
he _suffered_ from the problem of his own meaning. He suffered also in
other ways, he was in the main a _diseased_ animal; but his problem
was not suffering itself, but the lack of an answer to that crying
question, "_To what purpose_ do we suffer?" Man, the bravest animal
and the one most inured to suffering, does _not_ repudiate suffering in
itself: he _wills_ it, he even seeks it out, provided that he is shown
a meaning for it, a _purpose_ of suffering. _Not_ suffering, but the
senselessness of suffering was the curse which till then lay spread
over humanity--_and the ascetic ideal gave it a meaning!_ It was up
till then the only meaning; but any meaning is better than no meaning;
the ascetic ideal was in that connection the _"faute de mieux" par
excellence_ that existed at that time. In that ideal suffering _found
an explanation_; the tremendous gap seemed filled; the door to all
suicidal Nihilism was closed. The explanation--there is no doubt about
it--brought in its train new suffering, deeper, more penetrating, more
venomous, gnawing more brutally into life: it brought all suffering
under the perspective of _guilt_; but in spite of all that--man was
_saved_ thereby, he had a _meaning_, and from henceforth was no

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Text Comparison with Die Geburt der Tragödie: Versuch einer Selbstkritik

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- Abseits freilich von allen übereilten Hoffnungen und fehlerhaften Nutzanwendungen auf Gegenwärtigstes, mit denen ich mir damals mein erstes Buch verdarb, bleibt das grosse dionysische Fragezeichen, wie es darin gesetzt ist, auch in Betreff der Musik, fort und fort bestehen: wie müsste eine Musik beschaffen sein, welche nicht mehr romantischen Ursprungs wäre, gleich der deutschen, - sondern dionysischen? .
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Und so läuft neben der ästhetischen Nothwendigkeit der Schönheit die Forderung des "Erkenne dich selbst" und des "Nicht zu viel!" her, während Selbstüberhebung und Uebermaass als die eigentlich feindseligen Dämonen der nicht-apollinischen Sphäre, daher als Eigenschaften der vor-apollinischen Zeit, des Titanenzeitalters, und der ausser-apollinischen Welt d.
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Es ist aber gar nicht nöthig, dass der Lyriker gerade nur das Phänomen des Menschen Archilochus vor sich sieht als Wiederschein des ewigen Seins; und die Tragödie beweist, wie weit sich die Visionswelt des Lyrikers von jenem allerdings zunächst stehenden Phänomen entfernen kann.
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Wir erleben es immer wieder, wie eine Beethoven'sche Symphonie die einzelnen Zuhörer zu einer Bilderrede nöthigt, sei es auch dass eine Zusammenstellung der verschiedenen, durch ein Tonstück erzeugten Bilderwelten sich recht phantastisch bunt, ja widersprechend ausnimmt: an solchen Zusammenstellungen ihren armen Witz zu üben und das doch wahrlich erklärenswerthe Phänomen zu übersehen, ist recht in der Art jener Aesthetik.
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7.
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Die Sphäre der Poesie liegt nicht ausserhalb der Welt, als eine phantastische Unmöglichkeit eines Dichterhirns: sie will das gerade Gegentheil sein, der ungeschminkte Ausdruck der Wahrheit und muss eben deshalb den lügenhaften Aufputz jener vermeinten Wirklichkeit des Culturmenschen von sich werfen.
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Die Form des griechischen Theaters erinnert an ein einsames Gebirgsthal: die Architektur der Scene erscheint wie ein leuchtendes Wolkenbild, welches die im Gebirge herumschwärmenden Bacchen von der Höhe aus erblicken, als die herrliche Umrahmung, in deren Mitte ihnen das Bild des Dionysus offenbar wird.
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Was uns hier der Denker Aeschylus zu sagen hatte, was er aber als Dichter durch sein gleichnissartiges Bild uns nur ahnen lässt, das hat.
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Bei der erstaunlichen Kühnheit, mit der Aeschylus die olympische Welt auf seine Gerechtigkeitswagschalen stellt, müssen wir uns vergegenwärtigen, dass der tiefsinnige Grieche einen unverrückbar festen Untergrund des metaphysischen Denkens in seinen Mysterien hatte, und dass sich an den Olympiern alle seine skeptischen Anwandelungen entladen konnten.
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Bei diesem Zusammenhange ist die leidenschaftliche Zuneigung begreiflich, welche die Dichter der neueren Komödie zu Euripides empfanden; so dass der Wunsch des Philemon nicht weiter befremdet, der sich sogleich aufhängen lassen mochte, nur um den Euripides in der Unterwelt aufsuchen zu können: wenn er nur überhaupt überzeugt sein dürfte, dass der Verstorbene auch jetzt noch bei Verstande sei.
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Und hier nun war ihm begegnet, was dem in die tieferen Geheimnisse der aeschyleischen Tragödie Eingeweihten nicht unerwartet sein darf: er gewahrte etwas Incommensurables in jedem Zug und in jeder Linie, eine gewisse täuschende Bestimmtheit und zugleich eine räthselhafte Tiefe, ja Unendlichkeit des Hintergrundes.
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Jene Tragödie ist ein Protest gegen die Ausführbarkeit seiner Tendenz; ach, und sie war bereits ausgeführt! Das Wunderbare war geschehn: als der Dichter widerrief, hatte bereits seine Tendenz gesiegt.
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war der Denker Plato auf einem Umwege ebendahin gelangt, wo er als Dichter stets heimisch gewesen war und von wo aus Sophokles und die ganze ältere Kunst feierlich gegen jenen Vorwurf protestirten.
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die transscendentale Gerechtigkeitslösung des Aeschylus zu dem flachen und frechen Princip der "poetischen Gerechtigkeit" mit seinem üblichen deus ex machina erniedrigt.
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h.
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Dem Zuhörer, der das Wort unter dem Gesange deutlich vernehmen will, entspricht der Sänger dadurch, dass er mehr spricht als singt und dass er den pathetischen Wortausdruck in diesem Halbgesange verschärft: durch diese Verschärfung des Pathos erleichtert er das Verständniss des Wortes und überwindet jene übrig gebliebene Hälfte der Musik.
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.
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als Ganzes percipirt werden kann, ohne Verneinung der Individualexistenz, wenn eine solche Schöpfung geschaffen werden konnte, ohne ihren Schöpfer zu zerschmettern - woher nehmen wir die Lösung eines solchen Widerspruches? Hier drängt sich zwischen unsre höchste Musikerregung und jene Musik der tragische Mythus und der tragische Held, im Grunde nur als Gleichniss der alleruniversalsten Thatsachen, von denen allein die Musik auf directem Wege reden kann.
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Jene pathologische Entladung, die Katharsis des Aristoteles, von der die Philologen nicht recht wissen, ob sie unter die medicinischen oder die moralischen Phänomene zu rechnen sei, erinnert an eine merkwürdige Ahnung Goethe's.
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Der Inhalt des tragischen.