Jenseits von Gut und Böse

By Friedrich Nietzsche

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und verzärtelte Geschmack eines demokratischen
Jahrhunderts gut heissen kann? - Es ist kein Zweifel: diese
Kommenden werden am wenigsten jener ernsten und nicht unbedenklichen
Eigenschaften entrathen dürfen, welche den Kritiker vom Skeptiker
abheben, ich meine die Sicherheit der Werthmaasse, die bewusste
Handhabung einer Einheit von Methode, den gewitzten Muth, das
Alleinstehn und Sich-verantworten-können; ja, sie gestehen bei sich
eine Lust am Neinsagen und Zergliedern und eine gewisse besonnene
Grausamkeit zu, welche das Messer sicher und fein zu führen weiss,
auch noch, wenn das Herz blutet. Sie werden härter sein (und
vielleicht nicht immer nur gegen sich), als humane Menschen wünschen
mögen, sie werden sich nicht mit der "Wahrheit" einlassen, damit sie
ihnen "gefalle" oder sie "erhebe" und "begeistere": - ihr Glaube wird
vielmehr gering sein, dass gerade die Wahrheit solche Lustbarkeiten
für das Gefühl mit sich bringe. Sie werden lächeln, diese strengen
Geister, wenn Einer vor ihnen sagte "jener Gedanke erhebt mich: wie
sollte er nicht wahr sein?" Oder: "jenes Werk entzückt mich: wie
sollte es nicht schön sein?" Oder: "jener Künstler vergrössert mich:
wie sollte er nicht gross sein?" - sie haben vielleicht nicht nur ein
Lächeln, sondern einen ächten Ekel vor allem derartig Schwärmerischen,
Idealistischen, Femininischen, Hermaphroditischen bereit, und wer
ihnen bis in ihre geheimen Herzenskammern zu folgen wüsste, würde
schwerlich dort die Absicht vorfinden, "christliche Gefühle" mit
dem "antiken Geschmacke" und etwa gar noch mit dem "modernen
Parlamentarismus" zu versöhnen (wie dergleichen Versöhnlichkeit in
unserm sehr unsicheren, folglich sehr versöhnlichen Jahrhundert sogar
bei Philosophen vorkommen soll). Kritische Zucht und jede Gewöhnung,
welche zur Reinlichkeit und Strenge in Dingen des Geistes führt,
werden diese Philosophen der Zukunft nicht nur von sich verlangen: sie
dürften sie wie ihre Art Schmuck selbst zur Schau tragen, - trotzdem
wollen sie deshalb noch nicht Kritiker heissen. Es scheint ihnen keine
kleine Schmach, die der Philosophie angethan wird, wenn man dekretirt,
wie es heute so gern geschieht: "Philosophie selbst ist Kritik
und kritische Wissenschaft - und gar nichts ausserdem!" Mag diese
Werthschätzung der Philosophie sich des Beifalls aller Positivisten
Frankreichs und Deutschlands erfreuen (- und es wäre möglich, dass
sie sogar dem Herzen und Geschmacke Kant's geschmeichelt hätte: man
erinnere sich der Titel seiner Hauptwerke -): unsre neuen Philosophen
werden trotzdem sagen: Kritiker sind Werkzeuge des Philosophen und
eben darum, als Werkzeuge, noch lange nicht selbst Philosophen! Auch
der grosse Chinese von Königsberg war nur ein grosser Kritiker. -


211.

Ich bestehe darauf, dass man endlich aufhöre, die philosophischen
Arbeiter und überhaupt die wissenschaftlichen Menschen mit den
Philosophen zu verwechseln, - dass man gerade hier mit Strenge "Jedem
das Seine" und Jenen nicht zu Viel, Diesen nicht viel zu Wenig gebe.
Es mag zur Erziehung des wirklichen Philosophen nöthig

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Text Comparison with Antikristus Arvostelukoe kristinopista

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_nervus sympathicuksen_ tilan, uskonnollismoraalisen luontoperäisen taipumuksen merkkikielen avulla -- "katumus", "omantunnonvaiva", "perkeleen kiusaaminen", "jumalan läheisyys"); kuvitteellinen teleologia ("jumalan valtakunta", "viimeinen tuomio", "iankaikkinen elämä").
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Kuitenkin läksi hän, aivan kuin hänen kansansakin, vieraisiin maihin, vaellukselle, siitä päivin hän ei pysynyt missään alallaan: kunnes hän viimein koteutui kaikkialla, tuo suuri kosmopoliitti, -- kunnes hän sai "suuren joukon" ja puolet maailmaa puolellensa.
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Täällä puuttuu myöskin julkisuutta: lymypaikka, pimeä ala on kristillistä.
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dekadensiliikkeiden etunenään (-- kuten Paavalin kristinoppi --), luodakseen niistä jotakin, joka on voimakkaampi kuin jokainen elämän _myöntävä_ puolue.
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_Kaiken vastenmielisyyden, kaiken vihollisuuden, kaikkien rajojen ja välimatkojen vaistomainen eroittaminen tunteesta_: Seuraus äärimmäisestä kyvystä tuntea tuskaa ja ärtyisyyttä, joka tuntee jokaisen vastarinnan, pakon vastarintaan sietämättömänä vastenmielisyytenä, (s.
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"Synti", jokainen välimatkasuhde jumalan ja ihmisen välillä on poistettu, -- _tämä juuri on "iloinen sanoma"_.
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Ei "katumus", ei "rukous anteeksiantamuksesta" ole teitä jumalan tykö: _evankeelinen käytäntö yksin_ johtaa jumalan luo, se on juuri "jumala".
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Mikä ennen oli vain sairasta, se on nyt käynyt säädyttömäksi,.
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Väkevyyden, hengen voimasta ja ylivoimasta johtuvan _vapauden_ näyttää skeptillisyys toteen.
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Korkea kultuuri on pyramiidi: se pysyy pystyssä vain leveällä jalustalla, sen kaikkein ensimäisenä edellytyksenä on voimakkaasti ja terveesti tiivistetty keskinkertaisuus.
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Nihilisti ja risti: ne muodostavat loppusoinnun, eivätkä ainoastaan loppusointua.
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