Jenseits von Gut und Böse

By Friedrich Nietzsche

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begeistert, sinnlich, kindsköpfisch, im
Misstrauen und Vertrauen leichtfertig und plötzlich; mit Seelen,
an denen gewöhnlich irgend ein Bruch verhehlt werden soll; oft mit
ihren Werken Rache nehmend für eine innere Besudelung, oft mit ihren
Aufflügen Vergessenheit suchend vor einem allzutreuen Gedächtniss, oft
in den Schlamm verirrt und beinahe verliebt, bis sie den Irrlichtern
um die Sümpfe herum gleich werden und sich zu Sternen verstellen -
das Volk nennt sie dann wohl Idealisten -, oft mit einem langen Ekel
kämpfend, mit einem wiederkehrenden Gespenst von Unglauben, der kalt
macht und sie zwingt, nach gloria zu schmachten und den "Glauben an
sich" aus den Händen berauschter Schmeichler zu fressen: - welche
Marter sind diese grossen Künstler und überhaupt die höheren Menschen
für Den, der sie einmal errathen hat! Es ist so begreiflich, dass
sie gerade vom Weibe - welches hellseherisch ist in der Welt des
Leidens und leider auch weit über seine Kräfte hinaus hülf- und
rettungssüchtig - so leicht jene Ausbrüche unbegrenzten hingebendsten
Mitleids erfahren, welche die Menge, vor Allem die verehrende Menge,
nicht versteht und mit neugierigen und selbstgefälligen Deutungen
überhäuft. Dieses Mitleiden täuscht sich regelmässig über seine Kraft;
das Weib möchte glauben, dass Liebe Alles vermag, - es ist sein
eigentlicher Glaube. Ach, der Wissende des Herzens erräth, wie arm,
dumm, hülflos, anmaaslich, fehlgreifend, leichter zerstörend als
rettend auch die beste tiefste Liebe ist! - Es ist möglich, dass
unter der heiligen Fabel und Verkleidung von Jesu Leben einer der
schmerzlichsten Fälle vom Martyrium des Wissens um die Liebe verborgen
liegt: das Martyrium des unschuldigsten und begehrendsten Herzens, das
an keiner Menschen-Liebe je genug hatte, das Liebe, Geliebt-werden und
Nichts ausserdem verlangte, mit Härte, mit Wahnsinn, mit furchtbaren
Ausbrüchen gegen Die, welche ihm Liebe verweigerten; die Geschichte
eines armen Ungesättigten und Unersättlichen in der Liebe, der die
Hölle erfinden musste, um Die dorthin zu schicken, welche ihn nicht
lieben wollten, - und der endlich, wissend geworden über menschliche
Liebe, einen Gott erfinden musste, der ganz Liebe, ganz Lieben- können
ist, - der sich der Menschen-Liebe erbarmt, weil sie gar so armselig,
so unwissend ist! Wer so fühlt, wer dergestalt um die Liebe weiss -,
sucht den Tod. - Aber warum solchen schmerzlichen Dingen nachhängen?
Gesetzt, dass man es nicht muss. -


270.

Der geistige Hochmuth und Ekel jedes Menschen, der tief gelitten hat -
es bestimmt beinahe die Rangordnung, wie tief Menschen leiden können
-, seine schaudernde Gewissheit, von der er ganz durchtränkt und
gefärbt ist, vermöge seines Leidens mehr zu wissen, als die Klügsten
und Weisesten wissen können, in vielen fernen entsetzlichen Welten
bekannt und einmal "zu Hause" gewesen zu sein, von denen "ihr nichts
wisst!"....... dieser geistige schweigende Hochmuth des Leidenden,
dieser

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Text Comparison with Dityrambeja

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Me sytytämme soihtumme suurehen liekkiin, mi valaisevi etäisintä, oudointa mailmaa, jonne ei silmänne, aatteenne kanna.
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Se öinen on taivas, min korkea kansi kultana säihkyvi outoja tulia, se rusko on uusien päiväin, mi uinuu helmassa taivasta kantavain vuorten, se synkin on pilvi, min kahleissa säihkyy tuhansia vasamia ylpeän vaivan, se suurin on salama, se mustin on yö, mi raivosta nauraen tultansa lyö.
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On sankari poissa, mut henkensä ylpee ajasta aikahan ylpeenä katsoo huipuilta kulkua räyhäävän rahvaan, on sankari poissa, mut ylenkatse ylhäinen yllä kaupungin lepää, mi halvaksi luki esikoiskruununsa kansojen kesken, mi valtansa ikuisen aatelin antoi koruksi pöyhkeän barbarilauman.
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Yö hälvenee ja taiston aallot raukee, on sammunut jo mielen hurja uhka, on voitto tasavallan, hauta aukee nyt sankarin, mut kerran syttyy tuhka, mi maassa lepää, mutta tulta yhä salassa vaalii, helmahansa sulkee sen kipinän, mi lieskan uuden siittää, lyö kerran hetki, voimakas ja pyhä, jolloinka kohti määrää uutta kulkee taas Rooma, kansat kansoin jälleen liittää, lait ihmisille laatii, ohjat ottaa käskystä valtiaan, mi nousee kerran ja astinlaudaksensa lyöpi maan.
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(Maaliskuun iduspäivänä.
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Mitä etsitte vielä? Rajojen ulkona kalvas on maa, hiljainen, kelmeä, kiihkoton, hyinen, totuuden kehto, äänetön, rauhaisa, lepäävä lehto, missä ei halujen kiehuvaa maljaa, missä ei säveliä, tanssia, naljaa, miksi vielä viivytte, totuus on siellä, johon te tahdotte, jota te etsitte, lemmitte yli elämän kauniiden valheitten? LAKI.
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