Human, All-Too-Human: A Book for Free Spirits, Part 1 Complete Works, Volume Six

By Friedrich Nietzsche

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all who _talk_ of feeling sensations of this kind?


158.

THE DESTINY OF GREATNESS.--Every great phenomenon is followed by
degeneration, especially in the world of art. The example of the great
tempts vainer natures to superficial imitation or exaggeration; all
great gifts have the fatality of crushing many weaker forces and germs,
and of laying waste all nature around them. The happiest arrangement in
the development of an art is for several geniuses mutually to hold one
another within bounds; in this strife it generally happens that light
and air are also granted to the weaker and more delicate natures.


159.

ART DANGEROUS FOR THE ARTIST.--When art takes strong hold of an
individual it draws him back to the contemplation of those times when
art flourished best, and it has then a retrograde effect. The artist
grows more and more to reverence sudden inspirations; he believes
in gods and dæmons, he spiritualises all nature, hates science, is
changeable in his moods like the ancients, and longs for an overthrow
of all existing conditions which are not favourable to art, and does
this with the impetuosity and unreasonableness of a child. Now, in
himself, the artist is already a backward nature, because he halts at a
game that belongs properly to youth and childhood; to this is added the
fact that he is educated back into former times. Thus there gradually
arises a fierce antagonism between him and his contemporaries, and
a sad ending; according to the accounts of the ancients, Homer and
Æschylus spent their last years, and died, in melancholy.


160.

CREATED INDIVIDUALS.--When it is said that the dramatist (and the
artist above all) _creates_ real characters, it is a fine deception and
exaggeration, in the existence and propagation of which art celebrates
one of its unconscious but at the same time abundant triumphs. As a
matter of fact, we do not understand much about a real, living man,
and we generalise very superficially when we ascribe to him this and
that character; this _very imperfect_ attitude of ours towards man
is represented by the poet, inasmuch as he makes into men (in this
sense "creates") outlines as _superficial_ as our knowledge of man is
superficial. There is a great deal of delusion about these created
characters of artists; they are by no means living productions of
nature, but are like painted men, somewhat too thin, they will not
bear a close inspection. And when it is said that the character of
the ordinary living being contradicts itself frequently, and that
the one created by the dramatist is the original model conceived by
nature, this is quite wrong. A genuine

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Text Comparison with Also sprach Zarathustra: Ein Buch für Alle und Keinen

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Was habt ihr gethan, ihn zu überwinden? "Alle Wesen bisher schufen etwas über sich hinaus: und ihr wollt die Ebbe dieser großen Flut sein und lieber noch zum Tiere zurückgehen, als den Menschen zu überwinden?" Was ist der Affe für den Menschen? Ein Gelächter oder eine schmerzliche Scham.
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Sondern beweist, dass er euch etwas Gutes angethan hat.
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Gleichnisse sind alle Namen von Gut und Böse: sie sprechen nicht aus, sie winken nur.
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" - diess sei einst am grossen Mittage unser letzter Wille! - Also sprach Zarathustra.
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Glatt soll es werden und dem Geiste unterthan, als sein Spiegel und Widerbild.
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Auch seinen Helden-Willen muss er noch.
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Lieben und Untergehn: das reimt sich seit Ewigkeiten.
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Wollen befreit: aber wie heisst Das, was auch den Befreier noch in Ketten schlägt? `Es war`: also heisst des Willens Zähneknirschen und einsamste Trübsal.
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Wille endlich sich selber erlöste und Wollen zu Nicht-Wollen würde -`: doch ihr kennt, meine Brüder, diess Fabellied des Wahnsinns! Weg führte ich euch von diesen Fabelliedern, als ich euch lehrte: `der Wille ist ein Schaffender.
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Und wenn dir nunmehr alle Leitern fehlen, so musst du verstehen, noch auf deinen eigenen Kopf zu steigen: wie wolltest du anders aufwärts steigen? Auf deinen eigenen Kopf und hinweg über dein eigenes Herz! Jetzt muss das Mildeste an dir noch zum Härtesten werden.
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Denn lieber noch will ich Lärm und Donner und Wetter-Flüche, als diese bedächtige zweifelnde Katzen-Ruhe; und auch unter Menschen hasse ich am besten alle Leisetreter und Halb- und Halben und zweifelnde, zögernde Zieh-Wolken.
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Dass mir Niemand in meinen Grund und letzten Willen hinab sehe, - dazu erfand ich mir das lange lichte Schweigen.
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Und siehe, dabei kam er unversehens auch an das Stadtthor der _grossen_Stadt_: hier aber sprang ein schäumender Narr mit ausgebreiteten Händen auf ihn zu und trat ihm in den Weg.
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Ich lehrte sie all _mein_ Dichten und Trachten: in Eins zu dichten und zusammen zu tragen, was Bruchstück ist am Menschen und Räthsel und grauser Zufall, - - als Dichter, Räthselrather und Erlöser des Zufalls lehrte ich sie an der Zukunft schaffen, und Alles, das _war_ -, schaffend zu erlösen.
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Solche Sprüche hörte ich fromme Hinterweltler zu ihrem Gewissen reden; und wahrlich, ohne Arg und Falsch, - ob es Schon nichts Falscheres in der Welt giebt, noch Ärgeres.
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Müdigkeit gähnt er Weg und Erde und Ziel und sich selber an: keinen Schritt will er noch weiter thun, - dieser Tapfere! Nun glüht die Sonne auf ihn, und die Hunde lecken nach seinem Schweisse: aber er liegt da in seinem Trotze und will lieber verschmachten: - - eine Spanne weit von seinem Ziele verschmachten! Wahrlich, ihr werdet ihn noch an den Haaren in seinen Himmel ziehen müssen, - diesen Helden! Besser noch, ihr lasst ihn liegen, wohin er sich gelegt hat, dass der Schlaf ihm komme, der Tröster, mit kühlendem Rausche-Regen: Lasst ihn liegen, bis er von selber wach wird, bis er von selber alle Müdigkeit widerruft und was Müdigkeit aus ihm lehrte! Nur, meine Brüder, dass ihr die Hunde von ihm scheucht, die faulen Schleicher, und all das schwärmende Geschmeiss: - - all das schwärmende Geschmeiss der "Gebildeten", das sich am Schweisse jedes Helden - gütlich thut! - 19.
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Euer Eheschliessen: seht zu, dass es nicht ein schlechtes _Schliessen_ sei! Ihr schlosset zu schnell: so _folgt_ daraus - Ehebrechen! Und besser noch Ehebrechen als Ehe-biegen, Ehelügen! - So sprach mir ein Weib: "wohl brach ich die Ehe, aber zuerst brach die Ehe - mich!" Schlimm-Gepaarte fand ich immer als die schlimmsten Rachsüchtigen: sie lassen es aller Welt entgelten, dass sie nicht mehr einzeln laufen.
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"Oh Zarathustra, hob er mit trauriger Stimme an, du stehst nicht da wie Einer, den sein Glück drehend macht: du wirst tanzen müssen, dass du mir nicht umfällst! Aber wenn du auch vor mir tanzen wolltest und alle deine Seitensprünge springen: Niemand soll mir doch sagen dürfen: `Siehe, hier tanzt der letzte frohe Mensch!` Umsonst käme Einer auf diese Höhe, der den hier suchte: Höhlen fände er wohl und Hinter-Höhlen, Verstecke für Versteckte, aber nicht Glücks-Schachte und Schatzkammern und neue Glücks-Goldadern.
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Aber dazu - bin ich nicht Bettler genug, das erriethest du - - dazu bin ich zu _reich_, reich an Grossem, an Furchtbarem, am Hässlichsten, am Unaussprechlichsten! Deine Scham, oh Zarathustra, _ehrte_ mich! Mit Noth kam ich heraus aus dem Gedräng der Mitleidigen, - dass ich den Einzigen fände, der heute lehrt `Mitleiden ist zudringlich` - dich, oh Zarathustra! - sei es eines Gottes, sei es der Menschen Mitleiden: Mitleiden geht gegen die Scham.
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Grimmig-gram Allem, was blickt Schafmässig, lammäugig, krauswollig, Grau, mit Lamms-Schafs-Wohlwollen! Also Adlerhaft, pantherhaft Sind des Dichters Sehnsüchte, Sind _deine_ Sehnsüchte unter tausend Larven, Du Narr! Du Dichter! Der du den Menschen schautest So Gott als Schaf -: Den Gott _zerreissen_ im Menschen Wie das Schaf im Menschen, Und zerreisend _lachen_ - _Das_, _Das_ ist deine Seligkeit! Eines Panthers und Adlers Seligkeit! Eines Dichters und Narren Seligkeit!" - - Bei abgehellter Luft, Wenn schon des Monds Sichel Grün zwischen Purpurröthen Und neidisch hinschleicht: - dem Tage feind, Mit jedem Schritte heimlich An Rosen-Hängematten Hinsichelnd, bis sie sinken, Nacht-abwärts blass hinabsinken: So sank ich selber einstmals Aus meinem Wahrheits-Wahnsinne, Aus meinen Tages-Sehnsüchten, Des Tages müde, krank vom Lichte, - sank abwärts, abendwärts, schattenwärts: Von Einer Wahrheit Verbrannt und durstig: - gedenkst du noch, gedenkst du, heisses Herz, Wie da du durstetest? - Dass ich verbannt sei Von _aller_ Wahrheit, Nur Narr! Nur Dichter! Von der Wissenschaft Also sang der Zauberer; und Alle, die beisammen waren, giengen gleich Vögeln unvermerkt in das Netz seiner listigen und schwermüthigen Wollust.