Human, All-Too-Human: A Book for Free Spirits, Part 1 Complete Works, Volume Six

By Friedrich Nietzsche

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original founders of States, who
subdue the weaker to themselves. They have the right to do so, such
as the State still takes for itself; or rather, there is no right
that can hinder this. The ground for all-morality can only be made
ready when a stronger individual or a collective individual, for
instance society or the State, subdues the single individuals,.draws
them out of their singleness, and forms them into an association..
_Compulsion_ precedes morality, indeed morality itself is compulsion
for a time, to which one submits for the avoidance of pain. Later on
it becomes custom,--later still, free obedience, and finally almost
instinct,--then, like everything long accustomed and natural, it is
connected with pleasure--and is henceforth called _virtue_.


100.

SHAME.--Shame exists everywhere where there is a "mystery"; this,
however, is a religious idea, which was widely extended in the older
times of human civilisation. Everywhere were found bounded domains
to which access was forbidden by divine right, except under certain
conditions ; at first locally, as, for example, certain spots that
ought not to be trodden by the feet of the uninitiated, in the
neighbourhood of which these latter experienced horror and fear.
This feeling was a good deal carried over into other relations, for
instance, the sex relations, which, as a privilege and _ἃδoÏ
τον_ of
riper years, had to be withheld from the knowledge of the young for
their advantage, relations for the protection and sanctification of
which many gods were invented and were set up as guardians in the
nuptial chamber. (In Turkish this room is on this account called harem,
"sanctuary," and is distinguished with the same name, therefore, that
is used for the entrance courts of the mosques.) Thus the kingdom is as
a centre from which radiate power and glory, to the subjects a mystery
full of secrecy and shame, of which many after-effects may still be
felt among nations which otherwise do not by any means belong to the
bashful type. Similarly, the whole world of inner conditions, the
so-called "soul," is still a mystery for all who are not philosophers,
after it has been looked upon for endless ages as of divine origin and
as worthy of divine intercourse; according to this it is an _ἃδoÏ
τον_
and arouses shame.


101.

JUDGE NOT.--In considering earlier periods, care must be taken not
to fall into unjust abuse. The injustice in slavery, the cruelty in
the suppression of persons and nations, is not to be measured by our
standard. For the instinct of justice was not then so far developed.
Who dares to reproach the Genevese Calvin with the burning of the
physician Servet? It was

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Text Comparison with Also sprach Zarathustra: Ein Buch für Alle und Keinen

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Die stillste Stunde Dritter Theil Der Wanderer Vom Gesicht und Räthsel Von der Seligkeit wider Willen Vor Sonnen-Aufgang Von der verkleinernden Tugend Auf dem Ölberge Vom Vorübergehen Von den Abtrünnigen Die Heimkehr Von den drei Bösen Vom Geist der Schwere Von alten und neuen Tafeln Der Genesende Von der grossen Sehnsucht Das andere Tanzlied Die sieben Siegel (Oder: das Ja- und Amen-Lied) Vierter und letzter Theil Das Honig-Opfer Der Nothschrei Gespräch mit den Königen Der Blutegel Der Zauberer Ausser Dienst Der hässlichste Mensch Der freiwillige Bettler Der Schatten Mittags Die Begrüssung Das Abendmahl Vom höheren Menschen Das Lied der Schwermuth Von der Wissenschaft Unter Töchtern der Wüste Die Erweckung Das Eselsfest Das Nachtwandler-Lied Das Zeichen Erster Theil Zarathustra's Vorrede.
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ich bedarf der Hände, die sich ausstrecken.
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noch am redlichsten von seinem Sein, dieses schaffende, wollende, werthende Ich, welches das Maass und der Werth der Dinge ist.
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Eure Liebe zum Leben sei Liebe zu eurer höchsten Hoffnung: und eure höchste Hoffnung sei der höchste Gedanke des Lebens! Euren höchsten Gedanken aber sollt ihr euch von mir befehlen lassen - und er lautet: der Mensch ist Etwas, das überwunden werden soll.
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Und so redet ihr von euch im Verkehre und belügt mit euch den Nachbar.
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Seht, welche Fülle ist um uns! Und aus dem Überflusse heraus ist es schön hinaus zu blicken auf ferne Meere.
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Es ist schwer, mit Menschen zu leben, weil Schweigen so schwer ist.
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Rache sitzt in deiner Seele: wohin du beissest, da wächst schwarzer Schorf; mit Rache macht dein Gift die Seele drehend! Also rede ich zu euch im Gleichniss, die ihr die Seelen drehend macht, ihr Prediger der _Gleichheit_! Taranteln seid ihr mir und versteckte Rachsüchtige! Aber ich will eure Verstecke schon an's Licht bringen: darum lache ich euch in's Antlitz mein Gelächter der Höhe.
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Ehrbar steht ihr mir da und steif und mit geradem Rücken, ihr berühmten Weisen! - euch treibt kein starker Wind und Wille.
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Meer.
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Das ist euer.
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Schlüssel führte ich, die rostigsten aller Schlüssel; und ich verstand es, damit das knarrendste aller Thore zu öffnen.
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Der Narr aber redete also zu Zarathustra: "Oh Zarathustra, hier ist die grosse Stadt: hier hast du Nichts zu suchen und Alles zu verlieren.
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Verzagte ihnen wohl das Herz darob, dass mich die Einsamkeit verschlang gleich einem Wallfische? Lauschte ihr Ohr wohl sehnsüchtig-lange _umsonst_ nach mir und meinen Trompeten- und Herolds-Rufen? - Ach! Immer sind ihrer nur Wenige, deren Herz einen langen Muth und Übermuth hat; und solchen bleibt auch der Geist geduldsam.
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ich noch Dichter sein muss! - Wo alles Werden mich Götter-Tanz und Götter-Muthwillen dünkte, und die Welt los- und ausgelassen und zu sich selber zurückfliehend: - - als ein ewiges Sich-fliehn und -Wiedersuchen vieler Götter, als das selige Sich-Widersprechen, Sich-Wieder-hören, Sich-Wieder-Zugehören vieler Götter: - Wo alle Zeit mich ein seliger Hohn auf Augenblicke dünkte, wo die Nothwendigkeit die Freiheit selber war, die selig mit dem Stachel der Freiheit spielte: - Wo ich auch meinen alten Teufel und Erzfeind wiederfand, den Geist der Schwere und Alles, was er schuf: Zwang, Satzung, Noth und Folge und Zweck und Wille und Gut und Böse: - Denn muss nicht dasein, _über_ das getanzt, hinweggetanzt werde? Müssen nicht um der Leichten, Leichtesten willen - Maulwürfe und schwere Zwerge dasein? - - 3.
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Solche Sprüche hörte ich fromme Hinterweltler zu ihrem Gewissen reden; und wahrlich, ohne Arg und Falsch, - ob es Schon nichts Falscheres in der Welt giebt, noch Ärgeres.
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Zuletzt aber, nach vielem Zittern, Zucken und Sich-zusammen-Krümmen, begann er also zu jammern: Wer wärmt mich, wer liebt mich noch? Gebt heisse Hände! Gebt Herzens-Kohlenbecken! Hingestreckt, schaudernd, Halbtodtem gleich, dem man die Füsse wärmt - Geschüttelt, ach! von unbekannten Fiebern, Zitternd vor spitzen eisigen Frost-Pfeilen, Von dir gejagt, Gedanke! Unnennbarer! Verhüllter! Entsetzlicher! Du Jäger hinter Wolken! Darniedergeblitzt von dir, Du höhnisch Auge, das mich aus Dunklem anblickt: - so liege ich, Biege mich, winde mich, gequält Von allen ewigen Martern, Getroffen Von Dir, grausamster Jäger, Du unbekannter - Gott! Triff tiefer, Triff Ein Mal noch! Zerstich, zerbrich diess Herz! Was soll diess Martern Mit zähnestumpfen Pfeilen? Was blickst du wieder, Der Menschen-Qual nicht müde, Mit schadenfrohen Götter-Blitz-Augen? Nicht tödten willst du, Nur martern, martern? Wozu - _mich_ martern, Du schadenfroher unbekannter Gott? - Haha! Du schleichst heran? Bei solcher Mitternacht Was willst du? Sprich! Du drängst mich, drückst mich - Ha! schon viel zu nahe! Weg! Weg! Du hörst mich athmen, Du behorchst mein Herz, Du Eifersüchtiger - Worauf doch eifersüchtig? Weg! Weg! Wozu die Leiter? Willst _du_hinein_, In's Herz, Einsteigen,.
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Am weitesten freilich brachten es diese Kühe: die erfanden sich das Wiederkäuen und In-der-Sonne-Liegen.
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Du willst uns doch nicht mit Reden abspeisen? Auch gedachtet ihr Alle mir schon zu viel des Erfrierens, Ertrinkens, Erstickens und andrer Leibes-Nothstände: Keiner aber gedachte _meines_ Nothstandes, nämlich des Verhungerns -" (Also sprach der Wahrsager; wie die Thiere Zarathustra's aber diese Worte hörten, liefen sie vor Schrecken davon.
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