Human, All-Too-Human: A Book for Free Spirits, Part 1 Complete Works, Volume Six

By Friedrich Nietzsche

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that the Church _possessed_ truth
and had to preserve it at all costs, and at any sacrifice, for the
salvation of mankind. Now, however, one does not so readily concede to
any one that he possesses the truth; strict methods of investigation
have diffused enough of distrust and precaution, so that every one who
violently advocates opinions in word and deed is looked upon as an
enemy of our modern culture, or, at least, as an atavist. As a matter
of fact the pathos that man possesses truth is now of very little
consequence in comparison with the certainly milder and less noisy
pathos of the search for truth, which is never weary of learning afresh
and examining anew.


634.

Moreover, the methodical search for truth is itself the outcome of
those ages in which convictions were at war with each other. If the
individual had not cared about _his_ "truth," that is to say, about
carrying his point, there would have been no method of investigation;
thus, however, by the eternal struggle of the claims of different
individuals to absolute truth, people went on step by step to find
irrefragable principles according to which the rights of the claims
could be tested and the dispute settled. At first people decided
according to authorities; later on they criticised one another's ways
and means of finding the presumed truth; in the interval there was a
period when people deduced the consequences of the adverse theory, and
perhaps found them to be productive of injury and unhappiness; from
which it was then to be inferred by every one that the conviction of
the adversary involved an error. The _personal struggle of the thinker_
at last so sharpened his methods that real truths could be discovered,
and the mistakes of former methods exposed before the eyes of all.


635.

On the whole, scientific methods are at least as important results
of investigation as any other results, for the scientific spirit is
based upon a knowledge of method, and if the methods were lost, all
the results of science could not prevent the renewed prevalence of
superstition and absurdity. Clever people may _learn_ as much as
they like of the results of science, but one still notices in their
conversation, and especially in the hypotheses they make, that they
lack the scientific spirit; they have not the instinctive distrust of
the devious courses of thinking which, in consequence of long training,
has taken root in the soul of every scientific man. It is enough for
them to find any kind of hypothesis on a subject, they are then all
on fire for it, and

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Text Comparison with Jenseits von Gut und Böse

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Und Niemand lügt soviel als der Entrüstete.
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Warum nicht? Es ist nicht mehr als ein moralisches Vorurtheil, dass Wahrheit mehr werth ist als Schein; es ist sogar die schlechtest bewiesene Annahme, die es in der Welt giebt.
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Vielleicht, dass Härte und List günstigere Bedingungen zur Entstehung des starken, unabhängigen Geistes und Philosophen abgeben, als jene sanfte feine nachgebende Gutartigkeit und Kunst des Leicht-nehmens, welche man an einem Gelehrten schätzt und mit Recht schätzt.
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gehören, kurz und schlimm, unter die Nivellirer, diese fälschlich genannten "freien Geister" - als beredte und schreibfingrige Sklaven des demokratischen Geschmacks und seiner "modernen Ideen": allesammt Menschen ohne Einsamkeit, ohne eigne Einsamkeit, plumpe brave Burschen, welchen weder Muth noch achtbare Sitte abgesprochen werden soll, nur dass sie eben unfrei und zum Lachen oberflächlich sind, vor Allem mit ihrem Grundhange, in den Formen der bisherigen alten Gesellschaft ungefähr die Ursache für alles menschliche Elend und Missrathen zu sehn: wobei die Wahrheit glücklich auf den Kopf zu stehn kommt! Was sie mit allen Kräften erstreben möchten, ist das allgemeine grüne Weide-Glück der Heerde, mit Sicherheit, Ungefährlichkeit, Behagen, Erleichterung des Lebens für Jedermann; ihre beiden am reichlichsten abgesungnen Lieder und Lehren heissen "Gleichheit der Rechte" und "Mitgefühl für alles Leidende", - und das Leiden selbst wird von ihnen als Etwas genommen, das man abschaffen muss.
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Zum letzten Zweifel berechtigt, dass gerade zu ihren regelmässigsten Symptomen, bei wilden wie bei zahmen Völkern, auch die plötzlichste ausschweifendste Wollüstigkeit gehört, welche dann, ebenso plötzlich, in Busskrampf und Welt- und Willens-Verneinung umschlägt: beides vielleicht als maskirte Epilepsie deutbar? Aber nirgendswo sollte man sich der Deutungen mehr entschlagen: um keinen Typus herum ist bisher eine solche Fülle von Unsinn und Aberglauben aufgewachsen, keiner scheint bisher die Menschen, selbst die Philosophen, mehr interessirt zu haben, - es wäre an der Zeit, hier gerade ein Wenig kalt zu werden, Vorsicht zu lernen, besser noch: wegzusehn, wegzugehn.
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Die Weiber selber haben im Hintergrunde aller persönlichen Eitelkeit immer noch ihre unpersönliche Verachtung - für das "Weib".
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Die Eltern machen unwillkürlich aus dem Kinde etwas ihnen Ähnliches - sie nennen das "Erziehung" -, keine Mutter zweifelt im Grunde ihres Herzens daran, am Kinde sich ein Eigenthum geboren zu haben, kein Vater bestreitet sich das Recht, es seinen Begriffen und Werthschätzungen unterwerfen zu dürfen.
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"Genügt es nicht, ihn ungefährlich machen? Wozu noch strafen? Strafen selbst ist fürchterlich!" - mit dieser Frage zieht die Heerden-Moral, die Moral der Furchtsamkeit ihre letzte Consequenz.
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Weisheit: das scheint dem Pöbel eine Art Flucht zu sein, ein Mittel und Kunststück, sich gut aus einem schlimmen Spiele herauszuziehn; aber der rechte Philosoph - so scheint es uns, meine Freunde? - lebt "unphilosophisch" und "unweise", vor Allem unklug, und fühlt die Last und Pflicht zu hundert Versuchen und Versuchungen des Lebens: - er risquirt sich beständig, er spielt das schlimme Spiel.
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Was ein Philosoph ist, das ist deshalb schlecht zu lernen, weil es nicht zu lehren.
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Ist es nicht vom schlechtesten Geschmacke, wenn das Weib sich dergestalt anschickt, wissenschaftlich zu werden? Bisher war glücklicher Weise das Aufklären Männer-Sache, Männer-Gabe - man blieb damit "unter sich"; und man darf sich zuletzt, bei Allem, was Weiber über "das Weib" schreiben, ein gutes Misstrauen vorbehalten, ob das Weib über sich selbst eigentlich Aufklärung will - und wollen kann Wenn ein Weib damit nicht einen neuen Putz für sich sucht - ich denke doch, das Sich-Putzen gehört zum Ewig-Weiblichen? - nun, so will es vor sich Furcht erregen: - es will damit vielleicht Herrschaft.
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Der vornehme Mensch trennt die Wesen von sich ab, an denen das Gegentheil solcher gehobener stolzer Zustände zum Ausdruck kommt: er verachtet sie.
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Ein Typus mit wenigen, aber sehr starken Zügen, eine Art strenger kriegerischer klug-schweigsamer, geschlossener und verschlossener Menschen (und als solche vom feinsten Gefühle für die Zauber und nuances der Societät) wird auf diese Weise über den Wechsel der Geschlechter hinaus festgestellt; der beständige Kampf mit immer gleichen ungünstigen Bedingungen ist, wie gesagt, die Ursache davon, dass ein Typus fest und hart wird.
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Es ist aus der Seele eines Menschen nicht wegzuwischen, was seine Vorfahren am liebsten und beständigsten gethan haben: ob sie etwa emsige Sparer waren und Zubehör eines Schreibtisches und Geldkastens, bescheiden und bürgerlich in ihren Begierden, bescheiden auch in ihren Tugenden; oder ob sie an's Befehlen von früh bis spät gewöhnt lebten, rauhen Vergnügungen hold und daneben vielleicht noch rauheren Pflichten und Verantwortungen; oder ob sie endlich alte Vorrechte der Geburt und des Besitzes irgendwann einmal geopfert haben, um ganz ihrem Glauben - ihrem "Gotte" - zu leben, als die Menschen eines unerbittlichen und zarten Gewissens, welches vor jeder Vermittlung erröthet.
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