Human, All-Too-Human: A Book for Free Spirits, Part 1 Complete Works, Volume Six

By Friedrich Nietzsche

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it by a new power, a newly-formed majority. Finally--it may
be confidently asserted--the distrust of all government, the insight
into the useless and harassing nature of these short-winded struggles,
must drive men to an entirely new resolution: to the abrogation of
the conception of the State and the abolition of the contrast of
"private and public." Private concerns gradually absorb the business
of the State; even the toughest residue which is left over from the
old work of governing (the business, for instance, which is meant to
protect private persons from private persons) will at last some day
be managed by private enterprise. The neglect, decline, and _death
of the State,_ the liberation of the private person (I am careful
not to say the individual), are the consequences of the democratic
conception of the State; that is its mission. When it has accomplished
its task,--which, like everything human, involves much rationality
and irrationality,--and when all relapses into the old malady have
been overcome, then a new leaf in the story-book of humanity will be
unrolled, on which readers will find all kinds of strange tales and
perhaps also some amount of good. To repeat shortly what has been
said: the interests of the tutelary Government and the interests of
religion go hand-in-hand, so that when the latter begins to decay
the foundations of the State are also shaken. The belief in a divine
regulation of political affairs, in a mystery in the existence of
the State, is of religious origin: if religion disappears, the State
will inevitably lose its old veil of Isis, and will no longer arouse
veneration. The sovereignty of the people, looked at closely, serves
also to dispel the final fascination and superstition in the realm
of these sentiments; modern democracy is the historical form of the
_decay of the State._ The outlook which results from this certain
decay is not, however, unfortunate in every respect; the wisdom and
the selfishness of men are the best developed of all their qualities;
when the State no longer meets the demands of these impulses, chaos
will least of all result, but a still more appropriate expedient than
the State will get the mastery over the State. How man organising forces
have already been seen to die out! For example, that of the _gens_
or clan which for millennia was far mightier than the power of the
family, and indeed already ruled and regulated long before the latter
existed. We ourselves see the important notions of the right and might
of the family, which once possessed the supremacy as far as the Roman
system extended, always becoming paler

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Text Comparison with Menschliches, Allzumenschliches: Ein Buch Fuer Freie Geister

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Denn die Früchte, welche ich auf diesem Wege schon gekostet hatte, waren der Art, dass nach meinem Urtheile in diesem Leben nichts Angenehmeres, nichts Unschuldigeres gefunden werden kann; zudem liess mich jeder Tag, seit ich jene Art der Betrachtung zu Hülfe nahm, etwas Neues entdecken, das immer von einigem Gewichte und durchaus nicht allgemein bekannt war.
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Mit voller Ruhe wird man die Frage, wie unser Weltbild so stark sich von dem erschlossenen Wesen der Welt unterscheiden könne, der Physiologie und der Entwickelungsgeschichte der Organismen und Begriffe.
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Grundfragen der Metaphysik.
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- Die Erfindung der Gesetze der Zahlen ist auf Grund des ursprünglich schon herrschenden Irrthums gemacht, dass es mehrere gleiche Dinge gebe (aber thatsächlich giebt es nichts Gleiches), mindestens dass es Dinge gebe (aber es giebt kein "Ding").
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Nun ertragen aber gerade die allermeisten Menschen das Leben, ohne erheblich zu murren, und glauben somit an den Werth des Daseins, aber gerade dadurch, dass sich jeder allein will und behauptet, und nicht aus sich heraustritt wie jene Ausnahmen: alles Ausserpersönliche ist ihnen gar nicht oder höchstens als ein schwacher Schatten bemerkbar.
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Aber es genügt, auf die Folgen zu verweisen: denn schon jetzt beginnt sich zu zeigen, welche Ergebnisse ernsthaftester Art auf dem Boden der psychologischen Beobachtung aufwachsen.
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Die Sitte ist demnach die Vereinigung des Angenehmen und des Nützlichen, überdiess macht sie kein Nachdenken nöthig.
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Es ist in jedem Falle schwerer, seine Persönlichkeit ohne Schwanken und Unklarheit durchzusetzen, als sich von ihr in der erwähnten Weise zu lösen; überdiess verlangt es viel mehr Geist und Nachdenken.
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Für grosse Geister selbst ist es also wahrscheinlich nützlicher, wenn sie über ihre Kraft und deren Herkunft zur Einsicht kommen, wenn sie also begreifen, welche rein menschlichen Eigenschaften in ihnen zusammengeflossen sind, welche Glücksumstände hinzutraten - also einmal anhaltende Energie, entschlossene Hinwendung zu einzelnen Zielen, grosser persönlicher Muth, sodann das Glück einer Erziehung, welche die besten Lehrer, Vorbilder, Methoden frühzeitig darbot.
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- Es ist ein vollkommenes Zeichen für die Güte einer Theorie, wenn ihr Urheber vierzig Jahre lang kein Misstrauen gegen sie bekommt; aber ich behaupte, dass es noch keinen Philosophen gegeben hat, welcher auf die Philosophie, die seine Jugend erfand, nicht endlich mit Geringschätzung - mindestens mit Argwohn - herabgesehen hätte.
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- Man sucht den Werth des Gymnasiums selten in den Dingen, welche wirklich dort gelernt und von ihm unverlierbar heimgebracht werden, sondern in denen, welche man lehrt, welche der Schüler sich aber nur mit Widerwillen aneignet, um sie, so schnell er darf, von sich abzuschütteln.
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seiner Zeit steht, aber doch nur um so viel, dass er die Vulgäransichten des nächsten Jahrzehnts vorwegnimmt.
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- Es giebt Umstände, wo man eine Sache von einem Menschen nur so erlangt, dass man ihn beleidigt und sich verfeindet: dieses Gefühl, einen Feind zu haben, quält ihn so, dass er gern das erste Anzeichen einer milderen Stimmung zur Versöhnung benützt und jene Sache auf dem Altar dieser Versöhnung opfert, an der ihm früher so viel gelegen war, dass er sie um keinen Preis geben wollte.
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Nicht gewaltsame neue Vertheilungen, sondern allmähliche Umschaffungen des Sinnes thun noth, die Gerechtigkeit muss in Allen grösser werden, der gewaltthätige Instinct schwächer.
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- Das Mittelalter zeigt in der Kirche ein Institut mit einem ganz universalen, die gesammte Menschheit in sich begreifenden Ziele, noch dazu einem solchen, welches den - vermeintlich - höchsten Interessen derselben galt: dagegen gesehen, machen die Ziele der Staaten und Nationen, welche die neuere Geschichte zeigt, einen beklemmenden Eindruck; sie erscheinen kleinlich, niedrig, materiell, räumlich beschränkt.
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- Man muss zum Zwecke der Erkenntniss jene innere Strömung zu benutzen wissen, welche uns zu einer Sache hinzieht und wiederum jene, welche uns nach einer Zeit von der Sache fortzieht.
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Insofern ist Unbescheidenheit vom Gesichtspuncte der Klugheit aus sehr zu widerrathen.
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Ihre Art ist es, mit herzlichem Unwillen Allem aus dem Wege zu gehen, was das Urtheil über die Dinge blendet und verwirrt; sie ist folglich eine Gegnerin der Ueberzeugungen, denn sie will Jedem, sei es ein Belebtes oder Todtes, Wirkliches oder Gedachtes, das Seine geben - und dazu muss sie es rein erkennen; sie stellt daher jedes Ding in das beste Licht und geht um dasselbe mit sorgsamem Auge herum.