Human, All-Too-Human: A Book for Free Spirits, Part 1 Complete Works, Volume Six

By Friedrich Nietzsche

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in
all institutions and the changes thereof. The development of higher
morality depends on a person's having sons; it disposes him to be
un-egoistic, or, more correctly, it extends his egoism in its duration
and permits him earnestly to strive after goals which lie beyond his
individual lifetime.


456.

PRIDE OF DESCENT.--A man may be justly proud of an unbroken line of
_good_ ancestors down to his father,--not however of the line itself,
for every one has that. Descent from good ancestors constitutes the
real nobility of birth; a single break in the chain, one bad ancestor,
therefore, destroys the nobility of birth. Every one who talks about
his nobility should be asked: "Have you no violent, avaricious,
dissolute, wicked, cruel man amongst your ancestors?" If with good
cognisance and conscience he can answer No, then let his friendship be
sought.


457.

SLAVES AND LABOURERS.--The fact that we regard the gratification of
vanity as of more account than all other forms of well-being (security,
position, and pleasures of all sorts), is shown to a ludicrous
extent by every one wishing for the abolition of slavery and utterly
abhorring to put any one into this position (apart altogether from
political reasons), while every one must acknowledge to himself that
in all respects slaves live more securely and more happily than modern
labourers, and that slave labour is very easy labour compared with that
of the "labourer." We protest in the name of the "dignity of man"; but,
expressed more simply, that is just our darling vanity which feels
non-equality, and inferiority in public estimation, to be the hardest
lot of all. The cynic thinks differently concerning the matter,
because he despises honour:--and so Diogenes was for some time a slave
and tutor.


458.

LEADING MINDS AND THEIR INSTRUMENTS.--We see that great statesmen, and
in general all who have to employ many people to carry out their plans,
sometimes proceed one way and sometimes another; they either choose
with great skill and care the people suitable for their plans, and then
leave them a comparatively large amount of liberty, because they know
that the nature of the persons selected impels them precisely to the
point where they themselves would have them go; or else they choose
badly, in fact take whatever comes to hand, but out of every piece of
clay they form something useful for their purpose. These latter minds
are the more high-handed; they also desire more submissive instruments;
their knowledge of mankind is usually much smaller, their contempt of
mankind greater than in the case of the first mentioned class, but the
machines they construct generally work better than the machines from
the workshops

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Text Comparison with Jenseits von Gut und Böse

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Umgekehrt: genau im Widerstreben gegen die Sinnenfälligkeit bestand der Zauber der platonischen Denkweise, welche eine vornehme Denkweise war, - vielleicht unter Menschen, die sich sogar stärkerer und anspruchsvollerer Sinne erfreuten, als unsre Zeitgenossen sie haben, aber welche einen höheren Triumph darin zu finden wussten, über diese Sinne Herr zu bleiben: und dies mittels blasser kalter grauer Begriffs-Netze, die sie über den bunten Sinnen-Wirbel - den Sinnen-Pöbel, wie Plato sagte - warfen.
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"Freiheit des Willens" - das ist das Wort für jenen vielfachen Lust-Zustand des Wollenden, der befiehlt und sich zugleich mit dem Ausführenden als Eins setzt, - der als solcher den Triumph über Widerstände mit geniesst, aber bei sich urtheilt, sein Wille selbst sei es, der eigentlich die Widerstände überwinde.
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gehören, kurz und schlimm, unter die Nivellirer, diese fälschlich genannten "freien Geister" - als beredte und schreibfingrige Sklaven des demokratischen Geschmacks und seiner "modernen Ideen": allesammt Menschen ohne Einsamkeit, ohne eigne Einsamkeit, plumpe brave Burschen, welchen weder Muth noch achtbare Sitte abgesprochen werden soll, nur dass sie eben unfrei und zum Lachen oberflächlich sind, vor Allem mit ihrem Grundhange, in den Formen der bisherigen alten Gesellschaft ungefähr die Ursache für alles menschliche Elend und Missrathen zu sehn: wobei die Wahrheit glücklich auf den Kopf zu stehn kommt! Was sie mit allen Kräften erstreben möchten, ist das allgemeine grüne Weide-Glück der Heerde, mit Sicherheit, Ungefährlichkeit, Behagen, Erleichterung des Lebens für Jedermann; ihre beiden am reichlichsten abgesungnen Lieder und Lehren heissen "Gleichheit der Rechte" und "Mitgefühl für alles Leidende", - und das Leiden selbst wird von ihnen als Etwas genommen, das man abschaffen muss.
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Es giebt frauenhafte Zärtlichkeit und Begehrlichkeit darin, welche schamhaft und unwissend nach einer unio mystica et physica drängt: wie bei Madame de Guyon.
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Dies war die eigentliche Falschheit jenes grossen geheimnissreichen Ironikers; er brachte sein Gewissen dahin, sich mit einer Art Selbstüberlistung zufrieden zu geben: im Grunde hatte er das Irrationale im moralischen Urtheile durchschaut.
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194.
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Woraus folgt.
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"Genügt es nicht, ihn ungefährlich machen? Wozu noch strafen? Strafen selbst ist fürchterlich!" - mit dieser Frage zieht die Heerden-Moral, die Moral der Furchtsamkeit ihre letzte Consequenz.
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Dass aber deren Tempo für die Ungeduldigeren, für die Kranken und Süchtigen des genannten Instinktes noch viel zu langsam und schläfrig ist, dafür spricht das immer rasender werdende Geheul, das immer unverhülltere Zähnefletschen der Anarchisten-Hunde, welche jetzt durch die Gassen der europäischen Cultur schweifen: anscheinend im Gegensatz zu den friedlich-arbeitsamen Demokraten und Revolutions-Ideologen, noch mehr zu den tölpelhaften Philosophastern.
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Jener unbedenkliche Enthusiast für schöne grossgewachsene Grenadiere, welcher, als König von Preussen, einem militärischen und skeptischen Genie - und damit im Grunde jenem neuen, jetzt eben siegreich heraufgekommenen Typus des Deutschen - das Dasein gab, der fragwürdige tolle Vater Friedrichs des Grossen, hatte in Einem Punkte selbst den Griff und die Glücks-Kralle des Genies: er wusste, woran es damals in Deutschland fehlte, und welcher Mangel hundert Mal ängstlicher und dringender war, als etwa der Mangel an Bildung und gesellschaftlicher Form, - sein Widerwille gegen den jungen Friedrich kam aus der Angst eines tiefen Instinktes.
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Es liegt viel daran, dass so wenig Menschen als möglich über Moral nachdenken, - es liegt folglich sehr viel daran, dass die Moral nicht etwa eines Tages interessant werde! Aber man sei unbesorgt! Es steht auch heute noch so, wie es immer stand: ich sehe Niemanden in Europa, der einen Begriff davon hätte (oder gäbe), dass das Nachdenken über Moral gefährlich, verfänglich, verführerisch getrieben werden könnte, - dass Verhängniss darin liegen könnte! Man sehe sich zum Beispiel die unermüdlichen unvermeidlichen englischen Utilitarier an, wie sie plump und ehrenwerth in den Fusstapfen Bentham's, daher wandeln, dahin wandeln (ein homerisches Gleichniss sagt es.
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Und indem ich über diese Möglichkeit ausschweife, begegnet mir's, dass ich Ohrenzeuge eines Gesprächs von zwei alten "Patrioten" werde, - sie hörten beide offenbar schlecht und sprachen darum um so lauter.
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243.
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Wie wenig der deutsche Stil mit dem Klange und mit den Ohren zu thun hat, zeigt die Thatsache, dass gerade unsre guten Musiker schlecht schreiben.
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Es ist aus der Seele eines Menschen nicht wegzuwischen, was seine Vorfahren am liebsten und beständigsten gethan haben: ob sie etwa emsige Sparer waren und Zubehör eines Schreibtisches und Geldkastens, bescheiden und bürgerlich in ihren Begierden, bescheiden auch in ihren Tugenden; oder ob sie an's Befehlen von früh bis spät gewöhnt lebten, rauhen Vergnügungen hold und daneben vielleicht noch rauheren Pflichten und Verantwortungen; oder ob sie endlich alte Vorrechte der Geburt und des Besitzes irgendwann einmal geopfert haben, um ganz ihrem Glauben - ihrem "Gotte" - zu leben, als die Menschen eines unerbittlichen und zarten Gewissens, welches vor jeder Vermittlung erröthet.
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- Das Mitleiden des Heiligen ist das Mitleiden mit dem Schmutz des Menschlichen, Allzumenschlichen.
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immer vieldeutig, immer unergründlich -; es sind auch die "Werke" nicht.
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ja ich würde, falls es erlaubt wäre, ihm nach Menschenbrauch schöne feierliche Prunk- und Tugendnamen beizulegen, viel Rühmens von seinem Forscher- und Entdecker-Muthe, von seiner gewagten Redlichkeit, Wahrhaftigkeit und Liebe zur Weisheit zu machen haben.
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Ein _schlimmer_ Jäger ward ich! - Seht, wie steil Gespannt mein Bogen! Der Stärkste war's, der solchen Zug gezogen--: Doch wehe nun! Gefährlich ist _der_ Pfeil, Wie _kein_ Pfeil, - fort von hier! Zu eurem Heil!.
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