Human, All-Too-Human: A Book for Free Spirits, Part 1 Complete Works, Volume Six

By Friedrich Nietzsche

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reason in history (from whence, to be sure, it also derives
its admixture of folly, without which nothing human can exist). On
the other hand, we must now learn--in accordance with a principle
which has originated only in the _brain_ and has still to _make_
history--that Government is nothing but an organ of the people,--not
an attentive, honourable "higher" in relation to a "lower" accustomed
to modesty. Before we accept this hitherto unhistorical and arbitrary,
although logical, formulation of the conception of Government, let us
but consider its consequences, for the relation between people and
Government is the strongest typical relation, after the pattern of
which the relationship between teacher and pupil, master and servants,
father and family, leader and soldier, master and apprentice, is
unconsciously formed. At present, under the influence of the prevailing
constitutional system of government, all these relationships are
changing a little,--they are becoming compromises. But how they will
have to be reversed and shifted, and change name and nature, when that
newest of all conceptions has got the upper hand everywhere in people's
minds!--to achieve which, however, a century may yet be required. In
this matter there is nothing _further_ to be wished for except caution
and slow development.


451.

JUSTICE AS THE DECOY-CRY OF PARTIES.--Well may noble (if not exactly
very intelligent) representatives of the governing classes asseverate:
"We will treat men equally and grant them equal rights"; so far a
socialistic mode of thought which is based on _justice_ is possible;
but, as has been said, only within the ranks of the governing class,
which in this case _practises_ justice with sacrifices and abnegations.
On the other hand, to _demand_ equality of rights, as do the Socialists
of the subject caste, is by no means the outcome of justice, but of
covetousness. If you expose bloody pieces of flesh to a beast, and
withdraw them again, until it finally begins to roar, do you think that
roaring implies justice?


452.

POSSESSION AND JUSTICE.--When the Socialists point out that the
division of property at the present day is the consequence of countless
deeds of injustice and violence, and, _in summa,_ repudiate obligation
to anything with so unrighteous a basis, they only perceive something
isolated. The entire past of ancient civilisation is built up on
violence, slavery, deception, and error; we, however, cannot annul
ourselves, the heirs of all these conditions, nay, the concrescences
of all this past, and are not entitled to demand the withdrawal of a
single fragment thereof. The unjust disposition lurks also in the souls
of non-possessors; they are not better than the possessors and have no
moral prerogative; for at one time or

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Text Comparison with Die Geburt der Tragödie: Versuch einer Selbstkritik

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Einige Wochen darauf: und er befand sich selbst unter den Mauern von Metz, immer noch nicht losgekommen von den Fragezeichen, die er zur vorgeblichen "Heiterkeit" der Griechen und der griechischen Kunst gesetzt hatte; bis er endlich in jenem Monat tiefster Spannung, als man in Versailles über den Frieden berieth, auch mit sich zum Frieden kam und, langsam von einer aus dem Felde heimgebrachten Krankheit genesend, die "Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik" letztgültig bei sich feststellte.
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Diese freudige Nothwendigkeit der Traumerfahrung ist gleichfalls von den Griechen in ihrem Apollo ausgedrückt worden: Apollo, als der Gott aller bildnerischen Kräfte, ist zugleich der wahrsagende Gott.
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Aber auch jene zarte Linie, die das Traumbild nicht überschreiten darf, um nicht pathologisch zu wirken, widrigenfalls der Schein als plumpe Wirklichkeit uns betrügen würde - darf nicht im Bilde des Apollo fehlen: jene maassvolle Begrenzung, jene Freiheit von den wilderen Regungen, jene weisheitsvolle Ruhe des Bildnergottes.
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Sodann wachsen die anderen symbolischen Kräfte, die der Musik, in Rhythmik, Dynamik und Harmonie, plötzlich ungestüm.
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Wer vermöchte in dieser Schilderung zu verkennen, dass hier die Lyrik als eine unvollkommen erreichte, gleichsam im Sprunge und selten zum Ziele kommende Kunst charakterisirt wird, ja als eine Halbkunst, deren Wesen darin bestehen solle, dass das Wollen und das reine Anschauen d.
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Kunstkomödie, einen ewigen Genuss bereitet.
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Alle die bisher erörterten Kunstprincipien müssen wir jetzt zu Hülfe nehmen, um uns in dem Labyrinth zurecht zu finden, als welches wir den Ursprung der griechischen Tragödie bezeichnen müssen.
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Unwillkürlich übertrug er das ganze magisch vor seiner Seele zitternde Bild des Gottes auf jene maskirte Gestalt und löste ihre Realität gleichsam in eine geisterhafte Unwirklichkeit auf.
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Die Voraussetzung jenes Prometheusmythus ist der überschwängliche Werth, den eine naive Menschheit dem.
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Dies ist der neue Gegensatz: das Dionysische und das Sokratische, und das Kunstwerk der griechischen Tragödie ging an ihm zu Grunde.
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So lange der einzige Ordner und Walter des Alls, der Nous, noch vom künstlerischen Schaffen ausgeschlossen war, war noch alles in einem chaotischen Urbrei beisammen; so musste Euripides urtheilen, so musste er die "trunkenen" Dichter als der erste.
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Dies war die neue Stellung der Poesie, in die sie Plato unter dem Drucke des dämonischen Sokrates drängte.
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Darum hat Lessing, der ehrlichste theoretische Mensch, es auszusprechen gewagt, dass ihm mehr am Suchen der Wahrheit als an ihr selbst gelegen sei: womit das Grundgeheimniss der Wissenschaft, zum Erstaunen, ja Aerger der Wissenschaftlichen, aufgedeckt worden ist.
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Apollo steht vor mir, als der verklärende Genius des principii individuationis, durch den allein die Erlösung im Scheine wahrhaft zu erlangen ist: während unter dem mystischen Jubelruf des Dionysus der Bann der Individuation zersprengt wird und der Weg zu den Müttern des Sein's, zu dem innersten Kern der Dinge offen liegt.
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Wenn die alte Tragödie durch den dialektischen Trieb zum Wissen und zum Optimismus der Wissenschaft aus ihrem Gleise gedrängt wurde, so wäre aus dieser Thatsache auf einen ewigen Kampf zwischen der theoretischen und der tragischen Weltbetrachtung zu schliessen; und erst nachdem der Geist der Wissenschaft bis an seine Grenze geführt ist, und sein Anspruch auf universale Gültigkeit durch den Nachweis jener Grenzen vernichtet ist dürfte auf eine Wiedergeburt der Tragödie zu hoffen sein: für welche Culturform wir das Symbol des musiktreibenden Sokrates, in dem früher erörterten Sinne, hinzustellen hätten.
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Er träumt sich in eine Zeit hinein, in der die Leidenschaft ausreicht, um Gesänge und Dichtungen zu erzeugen: als ob jeder Affect im Stande gewesen sei, etwas Künstlerisches zu schaffen.
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Und wann brauchten wir diese allerhöchsten Lehrmeister mehr als jetzt, wo wir die Wiedergeburt der Tragödie erleben und in Gefahr sind, weder zu wissen, woher sie kommt, noch uns deuten zu können, wohin sie will? 20.
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Auch jetzt noch versucht jener metaphysische Trieb, sich eine, wenngleich abgeschwächte Form der Verklärung zu schaffen, in dem zum Leben drängenden Sokratismus der Wissenschaft: aber auf den niederen Stufen führte derselbe Trieb nur zu einem fieberhaften Suchen, das sich allmählich in ein Pandämonium überallher zusammengehäufter Mythen und Superstitionen verlor: in dessen Mitte der Hellene dennoch ungestillten Herzens sass, bis er es verstand, mit griechischer Heiterkeit und griechischem Leichtsinn, als Graeculus, jenes Fieber zu maskiren oder in irgend einem orientalisch dumpfen Aberglauben sich völlig zu betäuben.
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Wer die Wirkung des Tragischen aber allein aus diesen moralischen Quellen ableiten wollte, wie es freilich in der Aesthetik nur allzu lange üblich war, der mag nur nicht glauben, etwas für die Kunst damit gethan zu haben: die vor Allem Reinheit in ihrem Bereiche verlangen muss.
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tönenden Lauten und rhythmischer Gebärdensprache - würde er nicht, bei diesem fortwährenden Einströmen der Schönheit, zu Apollo die Hand erhebend ausrufen müssen: "Seliges Volk der Hellenen! Wie gross muss unter euch Dionysus sein, wenn der delische Gott solche Zauber für nöthig hält, um euren dithyrambischen Wahnsinn zu heilen!" - Einem so Gestimmten dürfte aber ein greiser Athener, mit dem erhabenen Auge des Aeschylus zu ihm aufblickend, entgegnen: "Sage aber auch dies, du wunderlicher Fremdling: wie viel musste dies Volk leiden, um so schön werden zu können! Jetzt aber folge mir zur Tragödie und opfere mit mir im Tempel beider Gottheiten!".