Human, All-Too-Human: A Book for Free Spirits, Part 1 Complete Works, Volume Six

By Friedrich Nietzsche

Page 168

hope when we
believe that we and our equals have more strength in heart and head
than the representatives of the existing state of things. As a rule,
therefore, this hope will be a presumption, an _over-estimation._


444.

WAR.--Against war it may be said that it makes the victor stupid and
the vanquished revengeful. In favour of war it may be said that it
barbarises in both its above-named results, and thereby makes more
natural; it is the sleep or the winter period of culture; man emerges
from it with greater strength for good and for evil.


445.

IN THE PRINCE'S SERVICE.--To be able to act quite regardlessly it is
best for a statesman to carry out his work not for himself but for a
prince. The eye of the spectator is dazzled by the splendour of this
general disinterestedness, so that it does not see the malignancy and
severity which the work of a statesman brings with it.[1]


446.

A QUESTION OF POWER, NOT OF RIGHT.--As regards Socialism, in the eyes
of those who always consider higher utility, if it is _really_ a
rising against their oppressors of those who for centuries have been
oppressed and downtrodden, there is no problem of _right_ involved
(notwithstanding the ridiculous, effeminate question," How far
_ought_ we to grant its demands?") but only a problem of _power_;
the same, therefore, as in the case of a natural force,--steam, for
instance,--which is either forced by man into his service, as a
machine-god, or which, in case of defects of the machine, that is to
say, defects of human calculation in its construction, destroys it and
man together. In order to solve this question of power we must know how
strong Socialism is, in what modification it may yet be employed as
a powerful lever in the present mechanism of political forces; under
certain circumstances we should do all we can to strengthen it. With
every great force--be it the most dangerous--men have to think how they
can make of it an instrument for their purposes. Socialism acquires a
_right_ only if war seems to have taken place between the two powers,
the representatives of the old and the new, when, however, a wise
calculation of the greatest possible preservation and advantageousness
to both sides gives rise to a desire for a treaty. Without treaty no
right. So far, however, there is neither war nor treaty on the ground
in question, therefore no rights, no "ought."


447.

UTILISING THE MOST TRIVIAL DISHONESTY.--The power of the press consists
in the fact that every individual who ministers to it only feels
himself bound and constrained to a very small

Last Page Next Page

Text Comparison with Jenseits von Gut und Böse

Page 3
.
Page 14
Man soll nicht "Ursache" und "Wirkung" fehlerhaft verdinglichen, wie es die Naturforscher thun (und wer gleich ihnen heute im Denken naturalisirt -) gemäss der herrschenden mechanistischen Tölpelei, welche die Ursache drücken und stossen lässt, bis sie "Wirkt"; man soll sich der "Ursache", der "Wirkung" eben nur als reiner Begriffe.
Page 20
Alles Gravitätische, Schwerflüssige, Feierlich-Plumpe, alle langwierigen und langweiligen Gattungen des Stils sind bei den Deutschen in überreicher Mannichfaltigkeit entwickelt, - man vergebe mir die Thatsache, dass selbst Goethe's Prosa, in ihrer Mischung von Steifheit und Zierlichkeit, keine Ausnahme macht, als ein Spiegelbild der "alten guten Zeit", zu der sie gehört, und als Ausdruck des deutschen Geschmacks, zur Zeit, wo es noch einen "deutschen Geschmack" gab: der ein Rokoko-Geschmack war, in moribus et artibus.
Page 29
Zuletzt muss es so stehn, wie es steht und immer stand: die grossen Dinge bleiben für die Grossen übrig, die Abgründe für die Tiefen, die Zartheiten und Schauder für die Feinen, und, im Ganzen und Kurzen, alles Seltene für die Seltenen.
Page 36
Das Schlimmste ist: er scheint unfähig, sich deutlich mitzutheilen: ist er unklar? - Dies ist es, was ich, als Ursachen für den Niedergang des europäischen Theismus, aus vielerlei Gesprächen, fragend, hinhorchend, ausfindig gemacht habe; es scheint mir, dass zwar der religiöse Instinkt mächtig im Wachsen ist, - dass er aber gerade die theistische Befriedigung mit tiefem Misstrauen ablehnt.
Page 56
In dieser Umkehrung der Werthe (zu der es gehört, das Wort für "Arm" als synonym mit "Heilig" und "Freund" zu brauchen) liegt die Bedeutung des jüdischen Volks: mit ihm beginnt der Sklaven-Aufstand in der Moral.
Page 57
Für die Fälle aber, wo man der Führer und Leithammel nicht entrathen zu können glaubt, macht man heute Versuche über Versuche, durch Zusammen-Addiren kluger Heerdenmenschen die Befehlshaber zu ersetzen: dieses Ursprungs sind zum Beispiel alle repräsentativen Verfassungen.
Page 59
Jetzt kommen die gegensätzlichen Triebe und Neigungen zu moralischen Ehren; der Heerden-Instinkt zieht, Schritt für Schritt, seine Folgerung.
Page 68
Ja! und Nein! - das geht ihm wider die Moral; umgekehrt liebt er es, seiner Tugend mit der edlen Enthaltung ein Fest zu machen, etwa indem er mit Montaigne spricht: "was weiss ich?" Oder mit Sokrates: "ich weiss, dass ich Nichts weiss".
Page 70
Ich sage dies nicht als Wünschender: mir würde das Entgegengesetzte eher nach dem Herzen sein, - ich meine eine solche Zunahme der Bedrohlichkeit Russlands, dass Europa sich entschliessen müsste, gleichermaassen bedrohlich zu werden, nämlich Einen Willen zu bekommen, durch das Mittel einer neuen über Europa herrschenden Kaste, einen langen furchtbaren eigenen Willen, der sich über Jahrtausende hin Ziele setzen könnte: - damit endlich die langgesponnene Komödie seiner Kleinstaaterei und ebenso seine dynastische wie demokratische Vielwollerei zu einem Abschluss käme.
Page 72
- 211.
Page 78
selber nur als letzte Ausgeburt moralischer Qualitäten besteht; dass sie eine Synthesis aller jener Zustände ist, welche den "nur moralischen" Menschen nachgesagt werden, nachdem sie, einzeln, durch lange Zucht und Übung, vielleicht in ganzen Ketten von Geschlechtern erworben sind; dass die hohe Geistigkeit eben die Vergeistigung der Gerechtigkeit und jener gütigen Strenge ist, welche sich beauftragt weiss, die Ordnung des Ranges in der Welt aufrecht zu erhalten, unter den Dingen selbst - und nicht nur unter Menschen.
Page 88
- 232.
Page 89
"das Weib" bisher vom Weibe selbst am meisten missachtet wurde - und ganz und gar nicht von uns? - Wir Männer wünschen, dass das Weib nicht fortfahre, sich durch Aufklärung zu compromittiren: wie es Manns-Fürsorge und Schonung des Weibes war, als die Kirche dekretirte: mulier taceat in ecclesia! Es geschah zum Nutzen des Weibes, als Napoleon der allzuberedten Madame de Staël zu verstehen gab: mulier taceat in politicis! - und ich denke, dass es ein rechter Weiberfreund ist, der den Frauen heute zuruft: mulier taceat de muliere! 233.
Page 101
Die Juden sind aber ohne allen Zweifel die stärkste, zäheste und reinste Rasse, die jetzt in Europa lebt; sie verstehen es, selbst noch unter den schlimmsten Bedingungen sich durchzusetzen (besser sogar, als unter günstigen), vermöge irgend welcher Tugenden, die man heute gern zu Lastern stempeln möchte, - Dank, vor Allem, einem resoluten Glauben, der sich vor den "modernen Ideen" nicht zu schämen braucht; sie verändern sich, wenn sie sich verändern, immer nur so, wie das russische Reich seine Eroberungen macht, - als ein Reich, das Zeit hat und nicht von Gestern ist -: nämlich nach dem Grundsatze "so langsam als möglich!" Ein Denker, der die Zukunft Europa's auf seinem Gewissen hat, wird, bei allen Entwürfen, welche er bei sich über.
Page 105
ist, oder von Hegel, der heute in Gestalt Taine's - das heisst des ersten lebenden Historikers - einen beinahe tyrannischen Einfluss ausübt.
Page 107
Europäer der Zukunft vorwegzunehmen: nur mit ihren Vordergründen, oder in schwächeren Stunden, etwa im Alter, gehörten sie zu den "Vaterländern", - sie ruhten sich nur von sich selber aus, wenn sie "Patrioten" wurden.
Page 124
- Steckt darin vielleicht ein Räthsel? Wahrscheinlich; aber glücklicherweise keins für meine eigenen Zähne.
Page 128
aber was thue ich, meine Freunde? Von wem rede ich zu euch? Vergass ich mich soweit, dass ich euch nicht einmal seinen Namen nannte? es sei denn, dass ihr nicht schon von selbst erriethet, wer dieser fragwürdige Geist und Gott ist, der in solcher Weise gelobt sein will.
Page 130
296.