Götzen-Dämmerung

By Friedrich Nietzsche

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tiefe Verachtung nach sich ziehn. Die Ärzte
wiederum hätten die Vermittler dieser Verachtung zu sein, - nicht
Recepte, sondern jeden Tag eine neue Dosis Ekel vor ihrem Patienten...
Eine neue Verantwortlichkeit schaffen, die des Arztes, für alle Fälle,
wo das höchste Interesse des Lebens, des aufsteigenden Lebens, das
rücksichtsloseste Nieder- und Beiseite-Drängen des entartenden Lebens
verlangt - zum Beispiel für das Recht auf Zeugung, für das Recht,
geboren zu werden, für das Recht, zu leben... Auf eine stolze Art
sterben, wenn es nicht mehr möglich ist, auf eine stolze Art zu leben.
Der Tod, aus freien Stücken gewählt, der Tod zur rechten Zeit, mit
Helle und Freudigkeit, inmitten von Kindern und Zeugen vollzogen: so
dass ein wirkliches Abschiednehmen noch möglich ist, wo Der noch da
ist, der sich verabschiedet, insgleichen ein wirkliches Abschätzen
des Erreichten und Gewollten, eine Summirung des Lebens - Alles im
Gegensatz zu der erbärmlichen und schauderhaften Komödie, die das
Christenthum mit der Sterbestunde getrieben hat. Man soll es dem
Christenthume nie vergessen, dass es die Schwäche des Sterbenden
zu Gewissens-Nothzucht, dass es die Art des Todes selbst zu
Werth-Urtheilen über Mensch und Vergangenheit gemissbraucht hat! -
Hier gilt es, allen Feigheiten des Vorurtheils zum Trotz, vor Allem
die richtige, das heisst physiologische Würdigung des sogenannten
natürlichen Todes herzustellen: der zuletzt auch nur ein
"unnatürlicher", ein Selbstmord ist. Man geht nie durch jemand Anderes
zu Grunde, als durch sich selbst. Nur ist es der Tod unter den
verächtlichsten Bedingungen, ein unfreier Tod, ein Tod zur unrechten
Zeit, ein Feiglings Tod. Man sollte, aus Liebe zum Leben -, den Tod
anders wollen, frei, bewusst, ohne Zufall, ohne Überfall... Endlich
ein Rath für die Herrn Pessimisten und andere décadents. Wir haben es
nicht in der Hand, zu verhindern, geboren zu werden: aber wir können
diesen Fehler - denn bisweilen ist es ein Fehler - wieder gut machen.
Wenn man sich abschafft, thut man die achtungswürdigste Sache, die es
giebt: man verdient beinahe damit, zu leben... Die Gesellschaft, was
sage ich! Das Leben selber hat mehr Vortheil davon, als durch irgend
welches "Leben" in Entsagung, Bleichsucht und andrer Tugend -, man hat
die Andern von seinem Anblick befreit, man hat das Leben von einem
Einwand befreit... Der Pessimismus, pur, vert, beweist sich erst durch
die Selbst-Widerlegung der Herrn Pessimisten: man muss einen Schritt
weiter gehn in seiner Logik, nicht bloss mit "Wille und Vorstellung",
wie Schopenhauer es that, das Leben verneinen -, man muss
Schopenhauern zuerst verneinen... Der Pessimismus, anbei gesagt, so
ansteckend er ist, vermehrt trotzdem nicht die Krankhaftigkeit einer
Zeit, eines Geschlechts im Ganzen: er ist deren Ausdruck. Man verfällt
ihm, wie man der Cholera verfällt: man muss morbid genug

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Text Comparison with Beyond Good and Evil

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