Götzen-Dämmerung

By Friedrich Nietzsche

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dem Geist verheirathen,
sich "vergeistigen". Ehemals machte man, wegen der Dummheit in der
Passion, der Passion selbst den Krieg: man verschwor sich zu deren
Vernichtung, - alle alten Moral-Unthiere sind einmüthig darüber "il
faut tuer les passions." Die berühmteste Formel dafür steht im neuen
Testament, in jener Bergpredigt, wo, anbei gesagt, die Dinge durchaus
nicht aus der Höhe betrachtet werden. Es wird daselbst zum Beispiel
mit Nutzanwendung auf die Geschlechtlichkeit gesagt "wenn dich dein
Auge ärgert, so reisse es aus": zum Glück handelt kein Christ nach
dieser Vorschrift. Die Leidenschaften und Begierden vernichten,
bloss um ihrer Dummheit und den unangenehmen Folgen ihrer Dummheit
vorzubeugen, erscheint uns heute selbst bloss als eine akute Form der
Dummheit. Wir bewundern die Zahnärzte nicht mehr, welche die Zähne
ausreissen, damit sie nicht mehr weh thun... Mit einiger Billigkeit
werde andrerseits zugestanden, dass auf dem Boden, aus dem das
Christenthum gewachsen ist, der Begriff "Vergeistigung der Passion"
gar nicht concipirt werden konnte. Die erste Kirche kämpfte ja, wie
bekannt, gegen die "Intelligenten" zu Gunsten der "Armen des Geistes":
wie dürfte man von ihr einen intelligenten Krieg gegen die Passion
erwarten? - Die Kirche bekämpft die Leidenschaft mit Ausschneidung in
jedem Sinne: ihre Praktik, ihre "Kur" ist der Castratismus. Sie fragt
nie: "wie vergeistigt, verschönt, vergöttlicht man eine Begierde?" -
sie hat zu allen Zeiten den Nachdruck der Disciplin auf die Ausrottung
(der Sinnlichkeit, des Stolzes, der Herrschsucht, der Habsucht, der
Rachsucht) gelegt. - Aber die Leidenschaften an der Wurzel angreifen
heisst das Leben an der Wurzel angreifen: die Praxis der Kirche ist
lebensfeindlich...


2.

Dasselbe Mittel, Verschneidung, Ausrottung, wird instinktiv im Kampfe
mit einer Begierde von Denen gewählt, welche zu willensschwach,
zu degenerirt sind, um sich ein Maass in ihr auflegen zu können:
von jenen Naturen, die la Trappe nöthig haben, im Gleidiniss
gesprochen (und ohne Gleichniss -), irgend eine endgültige
Feindschafts-Erklärung, eine Kluft zwischen sich und einer Passion.
Die radikalen Mittel sind nur den Degenerirten unentbehrlich; die
Schwäche des Willens, bestinunter geredet, die Unfähigkeit, auf
einen Reiz nicht zu reagiren, ist selbst bloss eine andre Form der
Degenerescenz. Die radikale Feindschaft, die Todfeindschaft gegen
die Sinnlichkeit bleibt ein nachdenkliches Symptom: man ist damit zu
Vermuthungen über den Gesammt-Zustand eines dergestalt Excessiven
berechtigt. - Jene Feindschaft, jener Hass kommt übrigens erst auf
seine Spitze, wenn solche Naturen selbst zur Radikal-Kur, zur Absage
von ihrem "Teufel" nicht mehr Festigkeit genug haben. Man überschaue
die ganze Geschichte der Priester und Philosophen, der Künstler
hinzugenommen: das Giftigste gegen die Sinne ist nicht von den
Impotenten gesagt, auch nicht von den Asketen, sondern von den
unmöglichen Asketen, von Solchen, die es nöthig gehabt hätten, Asketen
zu sein...


3.

Die Vergeistigung der Sinnlichkeit heisst Liebe: sie ist ein
grosser Triumph

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Text Comparison with Antikristus Arvostelukoe kristinopista

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Olen kaivanut teoloogivaiston esiin kaikkialta: se on enin levinnyt, alkuperäisimmän _maanalainen_ valheellisuuden muoto mitä maanpäällä on.
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Nämä kutoivat verkkojaan niin kauan hänen ympärilleen, että hänestä itsestään, heidän liikkeittensä hypnotiseeraamana, tuli hämähäkki, tuli metafyysikko.
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21.
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o.
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Nämä vaikeudet ovat toisia, kuin ne, joiden osoittamisessa saksalaisen hengen oppinut uteliaisuus on viettänyt yhden unhoittumattomimmista voitoistaan.
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_Kieltäminen_ juuri on hänelle täydellinen mahdottomuus.
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On luettu evankeliumia _viattomuuden kirjana_.
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Yhtä vähän kuin valitsemme puolalaisia juutalaisia seuraamme, yhtä vähän valitsisimme "ensimäisiä kristityltä": jokainen muistutus heitä vastaan on tarpeeton.
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Ja hänen tulee kärsiä niin, että hän alati tarvitsee pappia.
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Se ei ole jonkun rodun alenemisen ilmaisumuoto, se on yhteentunkevien ja toisiaan etsivien kaikkialle hajautuneiden dekadensimuotojen yhteismuodostelma.
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Olla tietoinen viidestä asiasta ja kevyellä kädellä ehkäistä, että tietää muuta.
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"Pyhää valhetta" -- Confuciukselle, Manun lakikirjalle, Muhamedille, kristilliselle kirkolle yhteinen --: ei puutu Platoltakaan.
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Tekopyhä ryömiminen, hartauskokous-salakähmä, synkkä käsite kuten helvetti, viattoman uhraaminen, _unio mystica_ verenjuonnissa, ennen kaikkea koston, Tshandalakoston hitaasti liehdottu tuli -- se tuli Rooman herraksi, samanlainen uskonto, jonka edeltäolomuotoa vastaan jo Epikuros oli taistellut.
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o.
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Kristinusko, alkohooli -- turmelemisen molemmat suuret keinot.
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on ollut, -- terveyttä, kauneutta, sopusointuisuutta, urhoollisuutta, henkeä, sielun hyvyyttä, _elämää itseään_ vastaan.