Ecce Homo Complete Works, Volume Seventeen

By Friedrich Nietzsche

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the root of the
'metaphysical need' of man,--whether more as a blessing than a curse to
the general welfare it is not easy to say; but in any case as a theory
with the most important consequences, at once fruitful and terrible,
and looking into the world with that Janus-face which all great
knowledge possesses."[4]


[Footnote 1: Nohl and Pohl were both writers on music; Kohl, however,
which literally means cabbage, is a slang expression, denoting superior
nonsense.--TR.]

[Footnote 2: Needless to say, Nietzsche distinguishes between
Bismarckian Germany and that other Germany--Austria, Switzerland, and
the Baltic Provinces--where the German language is also spoken.--TR.]

[Footnote 3: _Human, all-too-Human,_ Part II. in this edition.--TR.]

[Footnote 4: _Human, all-too-Human,_ vol. i. Aph. 37.]




"THE DAWN OF DAY:

THOUGHTS ABOUT MORALITY AS A PREJUDICE"



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With this book I open my campaign against morality. Not that it is at
all redolent of powder--you will find quite other and much nicer smells
in it, provided that you have any keenness in your nostrils. There
is nothing either of light or of heavy artillery in its composition,
and if its general end be a negative one, its means are not so--means
out of which the end follows like a logical conclusion, _not_ like a
cannon-shot. And if the reader takes leave of this book with a feeling
of timid caution in regard to everything which has hitherto been
honoured and even worshipped under the name of morality, it does not
alter the fact that there is not one negative word, not one attack,
and not one single piece of malice in the whole work--on the contrary,
it lies in the sunshine, smooth and happy, like a marine animal,
basking in the sun between two rocks. For, after all, I was this marine
animal: almost every sentence in the book was thought out, or rather
_caught,_ among that medley of rocks in the neighbourhood of Genoa,
where I lived quite alone, and exchanged secrets with the ocean. Even
to this day, when by chance I happen to turn over the leaves of this
book, almost every sentence seems to me like a hook by means of which I
draw something incomparable out of the depths; its whole skin quivers
with delicate shudders of recollection. This book is conspicuous for no
little art in gently catching things which whisk rapidly and silently
away, moments which I call godlike lizards--not with the cruelty of
that young Greek god who simply transfixed the poor little beast;
but nevertheless with something pointed--with a pen. "There are so
many dawns which have not yet shed their light"--this Indian maxim is
written over the doorway

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Text Comparison with Menschliches, Allzumenschliches: Ein Buch Fuer Freie Geister

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Später freilich bekommt er Misstrauen gegen die ganze metaphysische Erklärungsart, dann sieht er vielleicht ein, dass jene Wirkungen auf einem anderen Wege eben so gut und wissenschaftlicher zu erreichen sind: dass physische und historische Erklärungen mindestens.
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Wer aber kümmert sich jetzt noch um die Theologen - ausser den Theologen? - Abgesehen von aller Theologie und ihrer Bekämpfung liegt es auf der Hand, dass die Welt nicht gut und nicht böse, geschweige denn die beste oder die schlechteste ist, und dass diese Begriffe "gut" und "böse" nur in Bezug auf Menschen Sinn haben, ja vielleicht selbst hier, in der Weise, wie sie gewöhnlich gebraucht werden, nicht berechtigt sind: der schimpfenden und verherrlichenden Weltbetrachtung müssen wir uns in jedem Falle entschlagen.
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Da flogen all die Uebel, lebendige beschwingte Wesen heraus: von da an schweifen sie nun herum und thun den Menschen Schaden bei Tag und Nacht.
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Alle Lust an sich selber ist weder gut noch böse; woher sollte die Bestimmung kommen, dass man, um Lust an sich selber zu haben, keine Unlust Anderer erregen dürfe? Allein vom Gesichtspuncte des Nutzens her, das heisst aus Rücksicht auf die Folgen, auf eventuelle Unlust, wenn der Geschädigte oder der stellvertretende Staat Ahndung und Rache erwarten lässt: nur Diess kann ursprünglich den Grund abgegeben haben, solche Handlungen sich zu versagen.
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Denn aus der Angst und dem Bedürfniss ist eine jede geboren, auf Irrgängen der Vernunft hat sie sich in's Dasein geschlichen; sie hat vielleicht einmal, im Zustande der Gefährdung durch die Wissenschaft, irgend eine philosophische Lehre in ihr System hineingelogen, damit man sie später darin vorfinde: aber diess ist ein Theologenkunststück, aus der Zeit, in welcher eine Religion schon an sich selber.
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Der Mensch denkt vornehm von sich, wenn er sich solche Götter giebt, und stellt sich in ein Verhältniss, wie das des niedrigeren Adels zum höheren ist; während die italischen Völker eine rechte Bauern-Religion haben, mit fortwährender Aengstlichkeit gegen böse und launische Machtinhaber und Quälgeister.
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- Erwägt man nun gar, dass jede Handlung eines Menschen, nicht nur ein Buch, auf irgend eine Art Anlass zu anderen Handlungen, Entschlüssen, Gedanken wird, dass Alles, was geschieht, unlösbar fest sich mit Allem, was geschehen wird, verknotet, so erkennt man die wirkliche Unsterblichkeit, die es giebt, die der Bewegung: was einmal bewegt hat, ist in dem Gesammtverbande alles Seienden, wie in einem Bernstein ein Insect, eingeschlossen und verewigt.
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So giebt es in Deutschland eine doppelte Strömung der musicalischen Entwickelung: hier eine Schaar von Zehntausend mit immer höheren, zarteren Ansprüchen und immer mehr nach dem "es bedeutet" hinhörend, und dort die ungeheuere Ueberzahl, welche alljährlich immer unfähiger wird, das Bedeutende auch in der Form der sinnlichen Hässlichkeit zu verstehen und desshalb nach dem an sich Hässlichen und Ekelhaften, das heisst dem niedrig Sinnlichen, in der Musik mit immer mehr Behagen greifen lernt.
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Der kränkere Mensch zum Beispiel wird vielleicht, inmitten eines kriegerischen und unruhigen Stammes, mehr Veranlassung haben, für sich zu sein und dadurch ruhiger und weiser zu werden, der Einäugige wird Ein stärkeres Auge haben, der Blinde wird tiefer in's Innere schauen und jedenfalls schärfer hören.
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- Ueberhaupt gilt der Satz, dass Tyrannen meistens ermordet werden und dass ihre Nachkommenschaft kurz lebt, auch von den Tyrannen des Geistes.
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Existirt nun ein Ehren-Kanon, welcher Blut an Stelle des Todes gelten lässt, so dass nach einem regelmässigen Duell das Gemüth erleichtert ist, so ist diess eine grosse Wohlthat, weil sonst viele Menschenleben in Gefahr wären.
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Seine gereizte Empfindung wird dadurch erleichtert, eine Person und nicht eine Sache sich als Grund seines Misslingens zu denken; denn an Personen kann man sich rächen, die Unbilden des Zufalls aber muss man hinunterwürgen.
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Ohne Beihülfe der Priester kann auch jetzt noch keine Macht "legitim" werden: wie Napoleon begriff.
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Die Missachtung, der Verfall und der Tod des Staates, die Entfesselung der Privatperson (ich hüte mich zu sagen: des Individuums) ist die Consequenz des demokratischen Staatsbegriffes; hier liegt seine Mission.
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Schlecht sehen und schlecht hören.