Ecce Homo Complete Works, Volume Seventeen

By Friedrich Nietzsche

Page 15

All silent people
are dyspeptic. You perceive that I should not like to see rudeness
undervalued; it is by far the most _humane_ form of contradiction, and,
in the midst of modern effeminacy, it is one of our first virtues; If
one is sufficiently rich for it, it may even be a joy to be wrong. If
a god were to descend to this earth, he would have to do nothing but
wrong--to take _guilt_ not punishment, on one's shoulders, is the first
proof of divinity.



6


Freedom from resentment and the understanding of the nature of
resentment--who knows how very much after all I am indebted to my long
illness for these two things? The problem is not exactly simple: a
man must have experienced both through his strength and through his
weakness, If illness and weakness are to be charged with anything at
all, it is with the fact that when they prevail, the very instinct of
recovery, which is the instinct of defence and of war in man, becomes
decayed. He knows not how to get rid of anything, how to come to
terms with anything, and how to cast anything behind him. Everything
wounds him. People and things draw importunately near, all experiences
strike deep, memory is a gathering wound. To be ill is a sort of
resentment in itself. Against this resentment the invalid has only
one great remedy--I call it _Russian fatalism,_ that fatalism which
is free from revolt, and with which the Russian soldier, to whom a
campaign proves unbearable, ultimately lays himself down in the snow.
To accept nothing more, to undertake nothing more, to absorb nothing
more--to cease entirely from reacting.... The tremendous sagacity
of this fatalism, which does not always imply merely the courage for
death, but which in the most dangerous cases may actually constitute
a self-preservative measure, amounts to a reduction of activity in
the vital functions, the slackening down of which is like a sort of
will to hibernate. A few steps farther in this direction we find the
fakir, who will sleep for weeks in a tomb.... Owing to the fact that
one would be used up too quickly if one reacted, one no longer reacts
at all: this is the principle. And nothing on earth consumes a man
more quickly than the passion of resentment. Mortification, morbid
susceptibility, the inability to wreak revenge, the desire and thirst
for revenge, the concoction of every sort of poison--this is surely the
most injurious manner of reacting which could possibly be conceived by
exhausted men. It involves a rapid wasting away of nervous energy, an
abnormal increase

Last Page Next Page

Text Comparison with Jenseits von Gut und Böse

Page 1
Erstes Hauptstück: Von den Vorurtheilen der Philosophen.
Page 7
- Es kam der Honigmond der deutschen.
Page 22
Die längste Zeit der menschlichen Geschichte hindurch - man nennt sie die prähistorische Zeit - wurde der Werth oder der Unwerth einer Handlung.
Page 25
Warum nicht? Es ist nicht mehr als ein moralisches Vorurtheil, dass Wahrheit mehr werth ist als Schein; es ist sogar die schlechtest bewiesene Annahme, die es in der Welt giebt.
Page 29
Sicherlich aber werden es keine Dogmatiker sein.
Page 35
In vielen Fällen erscheint sie wunderlich genug als Verkleidung der Pubertät eines Mädchens oder Jünglings; hier und da selbst als Hysterie einer alten Jungfer, auch als deren letzter Ehrgeiz: - die Kirche hat das Weib schon mehrfach in einem solchen Falle heilig gesprochen.
Page 38
Sie fühlen sich schon reichlich in Anspruch genommen, diese braven Leute, sei es von ihren Geschäften, sei es von ihren Vergnügungen, gar nicht zu reden vom "Vaterlande" und den Zeitungen und den "Pflichten der Familie": es scheint, dass sie gar keine Zeit für die Religion übrig haben, zumal es ihnen unklar bleibt, ob es sich dabei um ein neues Geschäft oder ein neues Vergnügen handelt, - denn unmöglich, sagen sie sich, geht man in die Kirche, rein um sich die gute Laune zu verderben.
Page 41
Vielleicht ist am Christenthum und Buddhismus nichts so ehrwürdig als ihre Kunst, noch den Niedrigsten anzulehren, sich durch Frömmigkeit in eine höhere Schein-Ordnung der Dinge zu stellen und damit das Genügen an der wirklichen Ordnung, innerhalb deren sie hart genug leben, - und gerade diese Härte thut Noth! - bei sich festzuhalten.
Page 48
Schon das Wort "Wissenschaft der Moral" ist in Hinsicht auf Das, was damit bezeichnet wird, viel zu hochmüthig und wider den guten Geschmack: welcher immer ein Vorgeschmack für die bescheideneren Worte zu sein pflegt.
Page 53
von den Instinkten lösen! Man muss ihnen und auch der Vernunft zum Recht verhelfen, - man muss den Instinkten folgen, aber die Vernunft überreden, ihnen dabei mit guten Gründen nachzuhelfen.
Page 69
In dem neuen Geschlechte, das gleichsam verschiedene Maasse und Werthe in's Blut vererbt bekommt, ist Alles Unruhe, Störung, Zweifel, Versuch; die besten Kräfte wirken hemmend, die Tugenden selbst lassen einander nicht wachsen und stark werden, in Leib und Seele fehlt Gleichgewicht, Schwergewicht, perpendikuläre Sicherheit.
Page 71
Gesetzt also, dass im Bilde der Philosophen der Zukunft irgend ein Zug zu rathen giebt, ob sie nicht vielleicht, in dem zuletzt angedeuteten Sinne, Skeptiker sein müssen, so wäre damit doch nur ein Etwas an ihnen bezeichnet - und nicht sie selbst.
Page 72
Sie werden lächeln, diese strengen Geister, wenn Einer vor ihnen sagte "jener Gedanke erhebt mich: wie sollte er nicht wahr sein?" Oder: "jenes Werk entzückt mich: wie sollte es nicht schön sein?" Oder: "jener Künstler vergrössert mich: wie sollte er nicht gross sein?" - sie haben vielleicht nicht nur ein Lächeln, sondern einen ächten Ekel vor allem derartig Schwärmerischen, Idealistischen, Femininischen, Hermaphroditischen bereit, und wer ihnen bis in ihre geheimen Herzenskammern zu folgen wüsste, würde schwerlich dort die Absicht vorfinden, "christliche Gefühle" mit dem "antiken Geschmacke" und etwa gar noch mit dem "modernen Parlamentarismus" zu versöhnen (wie dergleichen Versöhnlichkeit in unserm sehr unsicheren, folglich sehr versöhnlichen Jahrhundert sogar bei Philosophen vorkommen soll).
Page 80
noch Zukunft hat! 224.
Page 87
Bei jedem kardinalen Probleme redet ein unwandelbares "das bin ich"; über Mann und Weib zum Beispiel kann ein Denker nicht umlernen, sondern nur auslernen, - nur zu Ende entdecken, was darüber bei ihm "feststeht".
Page 92
.
Page 101
"Keine neuen Juden mehr hinein lassen! Und namentlich nach dem Osten (auch nach Östreich) zu die Thore zusperren!" also gebietet der Instinkt eines Volkes, dessen Art noch schwach und unbestimmt ist, so dass sie leicht verwischt, leicht durch eine stärkere Rasse ausgelöscht werden könnte.
Page 109
Die vornehme Kaste war im Anfang immer die Barbaren-Kaste: ihr Übergewicht lag nicht vorerst in der physischen Kraft, sondern in der seelischen, - es waren die ganzeren Menschen (was auf jeder Stufe auch so viel mit bedeutet als "die ganzeren Bestien").
Page 127
Ein Mann, der sagt: "das gefällt mir, das nehme ich zu eigen und will es schützen und gegen Jedermann vertheidigen"; ein Mann, der eine Sache führen, einen Entschluss durchführen, einem Gedanken Treue wahren, ein Weib festhalten, einen Verwegenen strafen und niederwerfen kann; ein Mann, der seinen Zorn und sein Schwert hat, und dem die Schwachen, Leidenden, Bedrängten, auch die Thiere gern zufallen und von Natur zugehören, kurz ein Mann, der von Natur Herr ist, - wenn ein solcher Mann Mitleiden hat, nun! dies Mitleiden hat Werth! Aber was liegt am Mitleiden Derer, welche leiden! Oder Derer, welche gar Mitleiden predigen! Es giebt heute fast überall in Europa eine krankhafte Empfindlichkeit und Reizbarkeit für Schmerz, insgleichen eine widrige Unenthaltsamkeit in der Klage, eine Verzärtlichung, welche sich mit Religion und philosophischem Krimskrams zu etwas Höherem aufputzen möchte, - es giebt einen förmlichen Cultus des Leidens.
Page 128
295.