Early Greek Philosophy & Other Essays Collected Works, Volume Two

By Friedrich Nietzsche

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very appropriately called in German
_Wirklichkeit_ (actuality)--a word which is far more expressive than
_Realität_ (reality).[2] That upon which actuality acts is always
matter; actuality's whole 'Being' and essence therefore consist only in
the orderly change, which _one_ part of it causes in another, and is
therefore wholly relative, according to a relation which is valid only
within the boundary of actuality, as in the case of time and space."

The eternal and exclusive Becoming, the total instability of all
reality and actuality, which continually works and becomes and never
_is,_ as Heraclitus teaches--is an awful and appalling conception,
and in its effects most nearly related to that sensation, by which
during an earthquake one loses confidence in the firmly-grounded earth.
It required an astonishing strength to translate this effect into
its opposite, into the sublime, into happy astonishment. Heraclitus
accomplished this through an observation of the proper course of all
Becoming and Passing, which he conceived of under the form of polarity,
as the divergence of a force into two qualitatively different, opposite
actions, striving after reunion. A quality is set continually at
variance with itself and separates itself into its opposites: these
opposites continually strive again one towards another. The common
people of course think to recognise something rigid, completed,
consistent; but the fact of the matter is that at any instant, bright
and dark, sour and sweet are side by side and attached to one another
like two wrestlers of whom sometimes the one succeeds, sometimes the
other. According to Heraclitus honey is at the same time sweet and
bitter, and the world itself an amphora whose contents constantly need
stirring up. Out of the war of the opposites all Becoming originates;
the definite and to us seemingly persistent qualities express only the
momentary predominance of the one fighter, but with that the war is not
at an end; the wrestling continues to all eternity. Everything happens
according to this struggle, and this very struggle manifests eternal
justice. It is a wonderful conception, drawn from the purest source
of Hellenism, which considers the struggle as the continual sway of a
homogeneous, severe justice bound by eternal laws. Only a Greek was
able to consider this conception as the fundament of a _Cosmodicy;_ it
is Hesiod's good Eris transfigured into the cosmic principle, it is
the idea of a contest, an idea held by individual Greeks and by their
State, and translated out of the gymnasia and palæstra, out of the
artistic agonistics, out of the struggle of the political parties and
of the towns into the most general principle, so that the machinery of
the universe is

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Text Comparison with Jenseits von Gut und Böse

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Allmählich hat sich mir herausgestellt, was jede grosse Philosophie bisher war: nämlich das Selbstbekenntnis ihres Urhebers und eine Art ungewollter und unvermerkter mémoires; insgleichen, dass die moralischen (oder unmoralischen) Absichten in jeder Philosophie den eigentlichen Lebenskeim ausmachten, aus dem jedesmal die ganze Pflanze gewachsen ist.
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Der Wollende nimmt dergestalt die Lustgefühle der ausführenden, erfolgreichen Werkzeuge, der dienstbaren "Unterwillen" oder Unter-Seelen - unser Leib ist ja nur ein Gesellschaftsbau vieler Seelen - zu seinem Lustgefühle als Befehlender hinzu.
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dürfte gar eine deutsche Übersetzung des Petronius wagen, der, mehr als irgend ein grosser Musiker bisher, der Meister des presto gewesen ist, in Erfindungen, Einfällen, Worten: - was liegt zuletzt an allen Sümpfen der kranken, schlimmen Welt, auch der "alten Welt", wenn man, wie er, die Füsse eines Windes hat, den Zug und Athem, den befreienden Hohn eines Windes, der Alles gesund macht, indem er Alles laufen macht! Und was Aristophanes angeht, jenen verklärenden, complementären Geist, um dessentwillen man dem ganzen Griechenthum verzeiht, dass es da war, gesetzt, dass man in aller Tiefe begriffen hat, was da Alles der Verzeihung, der Verklärung bedarf: - so wüsste ich nichts, was mich über Plato's Verborgenheit und Sphinx-Natur mehr hat träumen lassen als jenes glücklich erhaltene petit falt: dass man unter dem Kopfkissen seines Sterbelagers keine "Bibel" vorfand, nichts Ägyptisches, Pythagoreisches, Platonisches, - sondern den Aristophanes.
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Es giebt Bücher, welche für Seele und Gesundheit einen umgekehrten Werth haben, je nachdem die niedere Seele, die niedrigere Lebenskraft oder aber die höhere und gewaltigere sich ihrer bedienen: im ersten Falle sind es gefährliche, anbröckelnde, auflösende Bücher, im anderen Heroldsrufe, welche die Tapfersten zu ihrer Tapferkeit herausfordern.
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Wie es zuletzt noch, in aller Helligkeit der neueren Zeiten, mit der französischen Revolution gegangen ist, jener schauerlichen und, aus der Nähe beurtheilt, überflüssigen Posse, in welche aber die edlen und schwärmerischen Zuschauer von ganz Europa aus der Ferne her so lange und so leidenschaftlich ihre eignen Empörungen und Begeisterungen hinein interpretirt haben, bis der Text unter der Interpretation verschwand: so könnte eine edle Nachwelt noch einmal die ganze Vergangenheit missverstehen und dadurch vielleicht erst ihren Anblick erträglich machen.
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Eine neue Gattung von Philosophen kommt herauf: ich wage es, sie auf einen nicht ungefährlichen Namen zu taufen.
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Für die Starken, Unabhängigen, zum Befehlen, Vorbereiteten und Vorbestimmten, in denen die Vernunft und Kunst einer regierenden Rasse leibhaft wird, ist, Religion ein Mittelmehr, um Widerstände zu überwinden, um herrschen zu können: als ein Band, das Herrscher und Unterthanen gemeinsam bindet und die Gewissen der Letzteren, ihr Verborgenes und Innerlichstes, das sich gerne dem Gehorsam entziehen möchte, den Ersteren verräth und überantwortet; und falls einzelne Naturen einer solchen vornehmen Herkunft, durch hohe Geistigkeit, einem abgezogeneren und beschaulicheren Leben sich zuneigen und nur die feinste Artung des Herrschens (über ausgesuchte Jünger oder Ordensbrüder) sich vorbehalten, so kann Religion selbst als Mittel benutzt werden, sich Ruhe vor dem Lärm und der Mühsal des gröberen Regierens und Reinheit vor dem nothwendigen Schmutz alles Politik-Machens zu schaffen.
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Wie könnte eine solche Philosophie - herrschen! 205.
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Seine spiegelnde und ewig sich glättende Seele weiss nicht mehr zu bejahen, nicht mehr zu verneinen; er befiehlt nicht; er zerstört auch nicht.
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" Angesichts einer Welt der "modernen Ideen", welche Jedermann in eine Ecke und "Spezialität" bannen möchte, würde ein Philosoph, falls es heute Philosophen geben könnte, gezwungen sein, die Grösse des Menschen, den Begriff "Grösse" gerade in seine Umfänglichkeit und Vielfältigkeit, in seine Ganzheit im Vielen zu setzen: er würde sogar den Werth und Rang darnach bestimmen, wie viel und vielerlei Einer tragen und auf sich nehmen, wie weit Einer seine Verantwortlichkeit spannen könnte.
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Nicht anders steht es mit Shakespeare, dieser erstaunlichen spanisch-maurisch-sächsischen Geschmacks-Synthesis, über welchen sich ein Altathener aus der Freundschaft des Aeschylus halbtodt gelacht oder geärgert haben würde: aber wir - nehmen gerade diese wilde Buntheit, dies Durcheinander des Zartesten, Gröbsten und Künstlichsten, mit einer geheimen Vertraulichkeit und Herzlichkeit an, wir geniessen ihn als das gerade uns aufgesparte Raffinement der Kunst und lassen uns dabei von den widrigen Dämpfen und der Nähe des englischen Pöbels,.
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Ich wollte sagen: die Demokratisirung Europa's ist zugleich eine unfreiwillige Veranstaltung zur Züchtung von Tyrannen,- das Wort in jedem Sinne verstanden, auch im geistigsten.
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nur zu erkennen - nämlich etwas Neues zu sein, etwas Neues zu bedeuten, neue Werthe darzustellen! Die Kluft zwischen Wissen und Können ist vielleicht grösser, auch unheimlicher als man denkt: der Könnende im grossen Stil, der Schaffende wird möglicherweise ein Unwissender sein müssen, - während andererseits zu wissenschaftlichen Entdeckungen nach der Art Darwin's eine gewisse Enge, Dürre und fleissige Sorglichkeit, kurz, etwas Englisches nicht übel disponiren mag.
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- Und nochmals gesagt: Eitelkeit ist ein Atavismus.
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dieser geistige schweigende Hochmuth des Leidenden, dieser.
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- Steckt darin vielleicht ein Räthsel? Wahrscheinlich; aber glücklicherweise keins für meine eigenen Zähne.
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