Early Greek Philosophy & Other Essays Collected Works, Volume Two

By Friedrich Nietzsche

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to
him! And if you are able to divine what kind of culture that would have
to be, which would correspond to such a philosopher, then you have, in
this divination, already _passed sentence_ on all your culture and on
yourselves!




PHILOSOPHY DURING THE TRAGIC AGE OF THE GREEKS


(1873)



PREFACE


(_Probably_ 1874)


If we know the aims of men who are strangers to us, it is sufficient
for us to approve of or condemn them as wholes. Those who stand nearer
to us we judge according to the means by which they further their
aims; we often disapprove of their aims, but love them for the sake of
their means and the style of their volition. Now philosophical systems
are absolutely true only to their founders, to all later philosophers
they are usually _one_ big mistake, and to feebler minds a sum of
mistakes and truths; at any rate if regarded as highest aim they are
an error, and in so far reprehensible. Therefore many disapprove of
every philosopher, because his aim is not theirs; they are those whom I
called "strangers to us." Whoever on the contrary finds any pleasure at
all in great men finds pleasure also in such systems, be they ever so
erroneous, for they all have in them one point which is irrefutable, a
personal touch, and colour; one can use them in order to form a picture
of the philosopher, just as from a plant growing in a certain place one
can form conclusions as to the soil. _That_ mode of life, of viewing
human affairs at any rate, has existed once and is therefore possible;
the "system" is the growth in this soil or at least a part of this
system....

I narrate the history of those philosophers simplified: I shall bring
into relief only _that_ point in every system which is a little bit
of _personality,_ and belongs to that which is irrefutable, and
indiscussable, which history has to preserve: it is a first attempt
to regain and recreate those natures by comparison, and to let the
polyphony of Greek nature at least resound once again: the task is, to
bring to light that which we must _always love and revere_ and of which
no later knowledge can rob us: the great man.



LATER PREFACE


(_Towards the end of_ 1879)


This attempt to relate the history of the earlier Greek philosophers
distinguishes itself from similar attempts by its brevity. This has
been accomplished by mentioning but a small number of the doctrines of
every philosopher, _i.e.,_ by incompleteness. Those doctrines, however,
have been selected in which the personal element of the philosopher
re-echoes most

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Text Comparison with Jenseits von Gut und Böse

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Das bedeutet dem Wortlaute nach und im Vordergrunde "Schmeichler des Dionysios", also Tyrannen-Zubehör und Speichellecker; zu alledem will es aber noch sagen "das sind Alles Schauspieler, daran ist nichts Ächtes" (denn Dionysokolax war eine populäre Bezeichnung des Schauspielers).
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Er begiebt sich in ein Labyrinth, er vertausendfältigt die Gefahren, welche das Leben an sich schon mit sich bringt; von denen es nicht die kleinste ist, dass Keiner mit Augen sieht, wie und wo er sich verirrt, vereinsamt und stückweise von irgend einem Höhlen-Minotaurus des Gewissens zerrissen wird.
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Die bisherige Psychologie litt an dieser Stelle Schiffbruch: sollte es nicht vornehmlich darum geschehen sein, weil sie sich unter die Herrschaft der Moral gestellt hatte, weil sie an die moralischen Werth-Gegensätze selbst glaubte, und diese Gegensätze in den Text und Thatbestand hineinsah, hineinlas, hinein deutete? - Wie? Das "Wunder" nur ein Fehler der Interpretation? Ein Mangel an Philologie? - 48.
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"Nicht dass du mich belogst, sondern dass ich dir nicht mehr glaube, hat mich erschüttert.
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dass dabei ebenfalls unersetzbar viel an Kraft und Geist erdrückt, erstickt und verdorben werden musste (denn hier wie überall zeigt sich "die Natur", wie sie ist, in ihrer ganzen verschwenderischen und gleichgültigen Grossartigkeit, welche empört, aber vornehm ist).
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von den Instinkten lösen! Man muss ihnen und auch der Vernunft zum Recht verhelfen, - man muss den Instinkten folgen, aber die Vernunft überreden, ihnen dabei mit guten Gründen nachzuhelfen.
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) Überhaupt in's Grosse gerechnet,.
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Wille - ungewiss, ob als Wille der Verneinung oder der Bejahung - in bedrohlicher Weise darauf, ausgelöst zu werden, um den Physikern von heute ihr Leibwort abzuborgen.
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Es mag zur Erziehung des wirklichen Philosophen nöthig.
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Unnütz, sich romantisch oder klassisch oder christlich oder florentinisch oder barokko oder "national" vorzuführen, in moribus et artibus: "es kleidet nicht"! Aber der "Geist", insbesondere der "historische Geist", ersieht sich auch noch an dieser Verzweiflung seinen Vortheil: immer wieder wird ein neues Stück Vorzeit und Ausland versucht, umgelegt, abgelegt, eingepackt, vor allem studirt: - wir sind das erste studirte Zeitalter in puncto der "Kostüme", ich meine der Moralen, Glaubensartikel, Kunstgeschmäcker und Religionen, vorbereitet wie noch keine Zeit es war, zum Karneval grossen Stils, zum geistigsten Fasching-Gelächter und Übermuth, zur transscendentalen Höhe des höchsten Blödsinns und der aristophanischen Welt-Verspottung.
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hysterischer und zu ihrem ersten und letzten Berufe, kräftige Kinder zu gebären, unbefähigter.
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Während nämlich jene Anpassungskraft, welche immer wechselnde Bedingungen durchprobirt und mit jedem Geschlecht, fast mit jedem Jahrzehend, eine neue Arbeit beginnt, die Mächtigkeit des Typus gar nicht möglich macht; während der Gesammt-Eindruck solcher zukünftiger Europäer wahrscheinlich der von vielfachen geschwätzigen willensarmen und äusserst anstellbaren Arbeitern sein wird, die des Herrn, des Befehlenden bedürfen wie des täglichen Brodes; während also die Demokratisirung Europa's auf die Erzeugung eines zur Sklaverei im feinsten Sinne vorbereiteten Typus hinausläuft: wird, im Einzel- und Ausnahmefall, der starke Mensch stärker und reicher gerathen müssen, als er vielleicht jemals bisher gerathen ist, - Dank der Vorurtheilslosigkeit seiner Schulung, Dank der ungeheuren Vielfältigkeit von Übung, Kunst und Maske.
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Damals waren die Gesetze des Schrift-Stils die selben, wie die des Rede-Stils; und dessen Gesetze hiengen zum Theil von der erstaunlichen Ausbildung, den raffinirten Bedürfnissen des Ohrs und Kehlkopfs ab, zum andern Theil von der Stärke, Dauer und Macht der antiken Lunge.
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Bei allen tieferen und umfänglicheren Menschen dieses Jahrhunderts war es die eigentliche Gesammt-Richtung in der geheimnissvollen Arbeit ihrer Seele, den Weg zu jener neuen Synthesis vorzubereiten und versuchsweise den.
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Sie sind sich in allen Höhen und Tiefen ihrer Bedürfnisse verwandt, grundverwandt: Europa ist es, das Eine Europa, dessen Seele sich durch ihre vielfältige und ungestüme Kunst hinaus, hinauf drängt und sehnt - wohin? in ein neues Licht? nach einer neuen Sonne? Aber wer möchte genau aussprechen, was alle diese Meister neuer Sprachmittel nicht deutlich auszusprechen wussten? Gewiss ist, dass der gleiche Sturm und Drang sie quälte, dass sie auf gleiche Weise suchten, diese letzten grossen Suchenden! Allesammt beherrscht von der Litteratur bis in ihre Augen und Ohren - die ersten Künstler von weltlitterarischer Bildung - meistens sogar selber Schreibende, Dichtende, Vermittler und Vermischer der Künste und der Sinne (Wagner gehört als Musiker unter die Maler, als Dichter unter die Musiker, als Künstler überhaupt unter die Schauspieler); allesammt Fanatiker des Ausdrucks "um jeden Preis" - ich hebe Delacroix hervor, den Nächstverwandten Wagner's -, allesammt grosse Entdecker im Reiche des Erhabenen, auch des Hässlichen und Grässlichen, noch grössere Entdecker im Effekte, in der Schaustellung, in der Kunst der Schauläden, allesammt Talente weit über ihr Genie hinaus -, Virtuosen durch und durch, mit unheimlichen Zugängen zu Allem, was verführt, lockt, zwingt, umwirft, geborene Feinde der Logik und der geraden Linien, begehrlich nach dem Fremden, dem Exotischen, dem Ungeheuren, dem Krummen, dem Sich-Widersprechenden; als Menschen Tantalusse des Willens, heraufgekommene Plebejer, welche sich im Leben und Schaffen eines vornehmen tempo, eines lento unfähig wussten, - man denke zum Beispiel an Balzac - zügellose Arbeiter, beinahe Selbst-Zerstörer durch Arbeit; Antinomisten und Aufrührer in den Sitten, Ehrgeizige und Unersättliche ohne Gleichgewicht und Genuss; allesammt zuletzt an dem christlichen Kreuze zerbrechend und niedersinkend (und das mit Fug und Recht: denn wer von ihnen wäre tief und ursprünglich genug zu einer Philosophie des Antichrist gewesen? -) im Ganzen eine verwegen-wagende, prachtvoll-gewaltsame, hochfliegende und hoch emporreissende Art höherer Menschen, welche ihrem Jahrhundert - und es ist das Jahrhundert der Menge! - den Begriff "höherer Mensch" erst zu lehren hatte.
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Corruption, als der Ausdruck davon, dass innerhalb der Instinkte Anarchie droht, und dass der Grundbau der Affekte, der "Leben" heisst, erschüttert ist: Corruption ist, je nach dem Lebensgebilde, an dem sie sich zeigt, etwas Grundverschiedenes.
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