Early Greek Philosophy & Other Essays Collected Works, Volume Two

By Friedrich Nietzsche

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we _did_ understand them thus.

But what lies, as the mother-womb of the Hellenic, _behind_ the Homeric
world? In the _latter,_ by the extremely artistic definiteness, and the
calm and purity of the lines we are already lifted far above the purely
material amalgamation: its colours, by an artistic deception, appear
lighter, milder, warmer; its men, in this coloured, warm illumination,
appear better and more sympathetic--but where do we look, if, no
longer guided and protected by Homer's hand, we step backwards into
the pre-Homeric world? Only into night and horror, into the products
of a fancy accustomed to the horrible. What earthly existence is
reflected in the loathsome-awful theogonian lore: a life swayed only
by the _children of the night,_ strife, amorous desires, deception,
age and death. Let us imagine the suffocating atmosphere of Hesiod's
poem, still thickened and darkened and without all the mitigations and
purifications, which poured over Hellas from Delphi and the numerous
seats of the gods! If we mix this thickened Boeotian air with the grim
voluptuousness of the Etruscans, then such a reality would _extort_
from us a world of myths within which Uranos, Kronos and Zeus and
the struggles of the Titans would appear as a relief. Combat in this
brooding atmosphere is salvation and safety; the cruelty of victory is
the summit of life's glories. And just as in truth the idea of Greek
law has developed from _murder_ and expiation of murder, so also nobler
Civilisation takes her first wreath of victory from the altar of the
expiation of murder. Behind that bloody age stretches a wave-furrow
deep into Hellenic history. The names of Orpheus, of Musæus, and
their cults indicate to what consequences the uninterrupted sight of
a world of warfare and cruelty led--to the loathing of existence, to
the conception of this existence as a punishment to be borne to the
end, to the belief in the identity of existence and indebtedness. But
these particular conclusions are not specifically Hellenic; through
them Greece comes into contact with India and the Orient generally. The
Hellenic genius had ready yet another answer to the question: what does
a life of fighting and of victory mean? and gives this answer in the
whole breadth of Greek history.

In order to understand the latter we must start from the fact that
the Greek genius admitted the existing fearful impulse, and deemed it
_justified;_ whereas in the Orphic phase of thought was contained the
belief that life with such an impulse as its root would not be worth
living. Strife and the pleasure of victory were acknowledged; and
nothing separates the Greek world

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Text Comparison with Jenseits von Gut und Böse

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In der That, man thut gut (und klug), zur Erklärung davon, wie eigentlich die entlegensten metaphysischen Behauptungen eines Philosophen zu Stande gekommen sind, sich immer erst zu fragen: auf welche Moral will es (will er -) hinaus? Ich glaube demgemäss nicht, dass ein "Trieb zur Erkenntniss" der Vater der Philosophie ist, sondern dass sich ein andrer Trieb, hier wie sonst, der Erkenntniss (und der Verkenntniss!) nur wie eines Werkzeugs bedient hat.
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Es giebt sogar Fälle, wo zum Ekel sich die Bezauberung mischt: da nämlich, wo an einen solchen indiskreten Bock und Affen, durch eine Laune der Natur, das Genie gebunden ist, wie bei dem Abbé Galiani, dem tiefsten, scharfsichtigsten und vielleicht auch schmutzigsten Menschen seines Jahrhunderts - er war viel tiefer als Voltaire und folglich auch ein gut Theil schweigsamer.
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Statt der Folgen die Herkunft: welche Umkehrung der Perspektive! Und sicherlich eine erst nach langen Kämpfen und Schwankungen erreichte Umkehrung! Freilich: ein verhängnissvoller neuer Aberglaube, eine eigenthümliche Engigkeit der Interpretation kam eben damit zur Herrschaft: man interpretirte die Herkunft einer Handlung im allerbestimmtesten Sinne als Herkunft aus einer Absicht; man wurde Eins im Glauben daran, dass der Werth einer Handlung im Werthe ihrer Absicht belegen sei.
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Es giebt Vorgänge so zarter Art, dass man gut thut, sie durch eine Grobheit zu verschütten und unkenntlich zu machen; es giebt Handlungen der Liebe und einer ausschweifenden Grossmuth, hinter denen nichts räthlicher ist, als einen Stock zu nehmen und den Augenzeugen durchzuprügeln: damit trübt man dessen Gedächtniss.
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- 41.
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Der Übelstand, den es hat, Gelehrte auf neue und gefährliche Jagdbereiche auszuschicken, wo Muth, Klugheit, Feinheit in jedem Sinne noth thun, liegt darin, dass sie gerade dort nicht mehr brauchbar sind, wo die "grosse Jagd", aber auch die grosse Gefahr beginnt: - gerade dort verlieren sie ihr Spürauge und ihre Spürnase.
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Das, was an der Religiosität der alten Griechen staunen macht, ist die unbändige Fülle von Dankbarkeit, welche sie ausströmt: - es ist eine sehr vornehme Art Mensch, welche so vor der Natur und vor dem Leben steht! - Später, als der Pöbel in Griechenland zum Übergewicht kommt, überwuchert die Furcht auch in der Religion; und das Christenthum bereitete sich vor.
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Insgleichen sein "freier Wille": er hört nicht, - und wenn er hörte, wüsste er trotzdem nicht zu helfen.
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Hat man wohl beachtet, in wiefern zu einem eigentlich religiösen Leben (und sowohl zu seiner mikroskopischen Lieblings-Arbeit der Selbstprüfung, als zu jener zarten Gelassenheit, welche sich "Gebet" nennt und eine beständige Bereitschaft für das "Kommen Gottes" ist) der äussere Müssiggang oder Halb-Müssiggang noth thut, ich meine der Müssiggang mit gutem Gewissen, von Alters her, von Geblüt, dem das Aristokraten-Gefühl nicht ganz fremd ist, dass Arbeit.
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- Plato, in solchen Dingen unschuldiger und ohne die Verschmitztheit des Plebejers, wollte mit Aufwand aller Kraft - der grössten Kraft, die bisher ein Philosoph aufzuwenden hatte! - sich beweisen, dass Vernunft und Instinkt von selbst auf Ein Ziel zugehen, auf das Gute, auf "Gott"; und seit Plato sind alle Theologen und Philosophen auf der gleichen Bahn, - das heisst, in Dingen der Moral hat bisher der Instinkt, oder wie die Christen es nennen, "der Glaube", oder wie ich es nenne, "die Heerde" gesiegt.
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Mein Gedächtniss - das Gedächtniss eines wissenschaftlichen Menschen, mit Verlaub! - strotzt von Naivetäten des Hochmuths, die ich seitens junger Naturforscher und alter Ärzte über Philosophie und Philosophen gehört habe (nicht zu reden von den gebildetsten und eingebildetsten aller Gelehrten, den Philologen und Schulmännern, welche Beides von Berufs wegen sind -).
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Moral als Attitüde - geht uns heute wider den Geschmack.
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war, dass ihnen endlich Religion als Attitüde wider den Geschmack gieng, eingerechnet die Feindschaft und Voltairische Bitterkeit gegen die Religion (und was Alles ehemals zur Freigeist-Gebärdensprache gehörte).
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.
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- Man soll über die Grausamkeit umlernen und die Augen aufmachen; man soll endlich Ungeduld lernen, damit nicht länger solche unbescheidne dicke Irrthümer tugendhaft und dreist herumwandeln, wie sie zum Beispiel in Betreff der Tragödie von alten und neuen Philosophen aufgefüttert worden sind.
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Und so auch in politicis.
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Die "gute alte" Zeit ist dahin, in Mozart hat sie sich ausgesungen: - wie glücklich wir, dass zu uns sein Rokoko noch redet, dass seine "gute Gesellschaft", sein zärtliches Schwärmen, seine Kinderlust am Chinesischen und Geschnörkelten, seine Höflichkeit des Herzens, sein Verlangen nach Zierlichem, Verliebtem, Tanzendem, Thränenseligem, sein Glaube an den Süden noch an irgend einen Rest in uns appelliren darf! Ach, irgend wann wird es einmal damit vorbei sein! - aber wer darf zweifeln, dass es noch früher mit dem Verstehen und Schmecken Beethoven's vorbei sein wird! - der ja nur der Ausklang eines Stil-Übergangs und Stil-Bruchs war und nicht, wie Mozart, der Ausklang eines grossen Jahrhunderte langen europäischen Geschmacks.
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Wie wenig der deutsche Stil mit dem Klange und mit den Ohren zu thun hat, zeigt die Thatsache, dass gerade unsre guten Musiker schlecht schreiben.
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Sich gegenseitig der Verletzung, der Gewalt, der Ausbeutung enthalten, seinen Willen dem des Andern gleich setzen: dies kann in einem gewissen groben Sinne zwischen Individuen zur guten Sitte werden, wenn die Bedingungen dazu gegeben sind (nämlich deren thatsächliche Ähnlichkeit in Kraftmengen und Werthmaassen und ihre Zusammengehörigkeit innerhalb Eines Körpers).