Early Greek Philosophy & Other Essays Collected Works, Volume Two

By Friedrich Nietzsche

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singers; and from this jugglery the judicious
listener turns away laughing. If the mass is diverted by _this very
jugglery_ and only _permits_ the music with it, then the mob fares as
all those do who value the frame of a good picture higher than the
picture itself. Who treats such naïve aberrations with a serious or
even pathetic reproach?

But what will the opera mean as "dramatic" music, in its possibly
farthest distance from pure music, efficient in itself, and purely
Dionysean? Let us imagine a passionate drama full of incidents which
carries away the spectator, and which is already sure of success
by its plot: what will "dramatic" music be able to add, if it does
not take away something? Firstly, it _will_ take away much: for in
every moment where for once the Dionysean power of music strikes
the listener, the eye is dimmed that sees the action, the eye that
became absorbed in the individuals appearing before it: the listener
now _forgets_ the drama and becomes alive again to it only when the
Dionysean spell over him has been broken. In so far, however, as music
makes the listener forget the drama, it is not yet "dramatic" music:
but what kind of music is that which is not _allowed_ to exercise
any Dionysean power over the listener? And how is it possible? It is
possible as _purely conventional symbolism,_ out of which convention
has sucked all natural strength: as music which has diminished to
symbols of remembrance: and its effect aims at reminding the spectator
of something, which at the sight of the drama must not escape him lest
he should misunderstand it: as a trumpet signal is an invitation for
the horse to trot. Lastly, before the drama commenced and in interludes
or during tedious passages, doubtful as to dramatic effect, yea,
even in its highest moments, there would still be permitted another
species of remembrance-music, no longer purely conventional, namely
_emotional-music,_ music, as a stimulant to dull or wearied nerves.
I am able to distinguish in the so-called dramatic music these two
elements only: a conventional rhetoric and remembrance-music, and a
sensational music with an effect essentially physical: and thus it
vacillates between the noise of the drum and the signal-horn, like
the mood of the warrior who goes into the battle. But now the mind,
regaling itself on pure music and educated through comparison, demands
a _masquerade_ for those two wrong tendencies of music; "Remembrance"
and "Emotion" are to be played, but in good music, which must be
in itself enjoyable, yea, valuable; what despair for the dramatic
musician, who must mask

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Text Comparison with Jenseits von Gut und Böse

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Das bedeutet dem Wortlaute nach und im Vordergrunde "Schmeichler des Dionysios", also Tyrannen-Zubehör und Speichellecker; zu alledem will es aber noch sagen "das sind Alles Schauspieler, daran ist nichts Ächtes" (denn Dionysokolax war eine populäre Bezeichnung des Schauspielers).
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"Wo der Mensch nichts mehr zu sehen und zu greifen hat, da hat er auch nichts mehr zu suchen" - das ist freilich ein anderer Imperativ als der Platonische, welcher aber doch für ein derbes arbeitsames Geschlecht von Maschinisten und Brückenbauern der Zukunft, die lauter grobe Arbeit abzuthun haben, gerade der rechte Imperativ sein mag.
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Aber es dünkt mich immer wieder, dass Schopenhauer auch in diesem Falle nur gethan hat, was Philosophen eben zu thun pflegen: dass er ein Volks-Vorurtheil übernommen und übertrieben hat.
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Die wunderliche Familien-Ahnlichkeit alles indischen, griechischen, deutschen Philosophirens erklärt sich einfach genug.
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Nur dass man sich, mit einem solchen Wunsche, darüber klar sein muss, was man jedenfalls dabei zu sehen bekommen wird: - nur ein Satyrspiel, nur eine Nachspiel-Farce, nur den fortwährenden Beweis dafür, dass die lange eigentliche Tragödie zu Ende ist: vorausgesetzt, dass jede Philosophie im Entstehen eine lange Tragödie war.
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Man vergisst aber gerne, auch auf Seiten besonnener Geister, dass Unglücklich-machen und Böse-machen ebensowenig Gegenargumente sind.
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Einem Menschen, der Tiefe in der Scham hat, begegnen auch seine Schicksale und zarten Entscheidungen auf Wegen, zu denen Wenige je gelangen, und um deren Vorhandensein seine Nächsten und Vertrautesten nicht wissen dürfen: seine Lebensgefahr verbirgt sich ihren Augen und ebenso seine wieder eroberte Lebens-Sicherheit.
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Sie.
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In aller bisherigen "Wissenschaft der Moral" fehlte, so wunderlich es klingen mag, noch das Problem der Moral selbst: es fehlte der Argwohn dafür, dass es hier etwas Problematisches gebe.
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Wie viel Noth haben sich in jedem Volke die Dichter und die Redner gemacht! - einige Prosaschreiber von heute nicht ausgenommen, in deren Ohr ein unerbittliches Gewissen wohnt - "um einer Thorheit willen", wie utilitarische Tölpel sagen, welche sich damit klug dünken, - "aus Unterwürfigkeit gegen Willkür-Gesetze", wie die Anarchisten sagen, die sich damit "frei", selbst freigeistisch wähnen.
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In Betreff eines Weibes zum Beispiel gilt dem Bescheideneren schon die Verfügung über den Leib und der Geschlechtsgenuss als ausreichendes und genugthuendes Anzeichen des Habens, des Besitzens; ein Anderer, mit seinem argwöhnischeren und anspruchsvolleren Durste nach Besitz, sieht das "Fragezeichen", das nur Scheinbare eines solchen Habens, und will feinere Proben, vor Allem, um zu wissen, ob das Weib nicht nur ihm sich giebt, sondern.
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Es thut ihnen im Grunde ihres Herzens wohl, dass es einen Maassstab giebt, vor dem auch die mit Gütern und Vorrechten des Geistes überhäuften ihnen gleich stehn: - sie kämpfen für die "Gleichheit Aller vor Gott" und brauchen beinahe dazu schon den Glauben an Gott.
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Nenne man es nun "Civilisation" oder "Vermenschlichung" oder "Fortschritt", worin jetzt die Auszeichnung der Europäer gesucht wird; nenne man es einfach, ohne zu loben und zu tadeln, mit einer politischen Formel die demokratische Bewegung Europa's: hinter all den moralischen und politischen Vordergründen, auf welche mit solchen Formeln hingewiesen wird, vollzieht sich ein ungeheurer physiologischer Prozess, der immer mehr in Fluss geräth, - der Prozess einer Anähnlichung der Europäer, ihre wachsende Loslösung von den Bedingungen, unter denen klimatisch und ständisch gebundene Rassen entstehen, ihre zunehmende Unabhängigkeit von jedem bestimmten milieu, das Jahrhunderte lang sich mit gleichen Forderungen in Seele und Leib einschreiben möchte, - also die langsame Heraufkunft einer wesentlich übernationalen und nomadischen Art Mensch, welche, physiologisch geredet, ein Maximum von Anpassungskunst und -kraft als ihre typische Auszeichnung besitzt.
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Als ein Volk der ungeheuerlichsten Mischung und Zusammenrührung von Rassen, vielleicht sogar mit einem Übergewicht des vor-arischen Elementes, als "Volk der Mitte" in jedem Verstande, sind die Deutschen unfassbarer, umfänglicher, widerspruchsvoller, unbekannter, unberechenbarer, überraschender, selbst erschrecklicher, als es andere Völker sich selber sind: - sie entschlüpfen der Definition und sind damit schon die Verzweiflung der Franzosen.
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Umgekehrt werden die Eigenschaften hervorgezogen und mit Licht übergossen, welche dazu dienen, Leidenden das Dasein zu erleichtern: hier kommt das Mitleiden, die gefällige hülfbereite Hand, das warme Herz, die Geduld, der Fleiss, die Demuth, die Freundlichkeit zu Ehren -, denn das sind hier die nützlichsten Eigenschaften und.
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Die Werthschätzungen eines Menschen verrathen etwas vom Aufbau seiner Seele, und worin sie ihre Lebensbedingungen, ihre eigentliche Noth sieht.
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