Early Greek Philosophy & Other Essays Collected Works, Volume Two

By Friedrich Nietzsche

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State, that of the creation of the military
genius. If we now imagine the military primal State in its greatest
activity, at its proper "labour," and if we fix our glance upon the
whole technique of war, we cannot avoid correcting our notions picked
up from everywhere, as to the "dignity of man" and the "dignity of
labour" by the question, whether the idea of dignity is applicable
also to that labour, which has as its purpose the destruction of the
"dignified" man, as well as to the man who is entrusted with that
"dignified labour," or whether in this warlike task of the State those
mutually contradictory ideas do not neutralise one another. I should
like to think the warlike man to be a _means_ of the military genius
and his labour again only a tool in the hands of that same genius; and
not to him, as absolute man and non-genius, but to him as a means of
the genius--whose pleasure also can be to choose his tool's destruction
as a mere pawn sacrificed on the strategist's chessboard--is due a
degree of dignity, of that dignity namely, _to have been deemed worthy
of being a means of the genius._ But what is shown here in a single
instance is valid in the most general sense; every human being, with
his total activity, only has dignity in so far as he is a tool of _the_
genius, consciously or unconsciously; from this we may immediately
deduce the ethical conclusion, that "man in himself," the absolute man
possesses neither dignity, nor rights, nor duties; only as a wholly
determined being serving unconscious purposes can man excuse his
existence.

_Plato's perfect State_ is according to these considerations certainly
something still greater than even the warm-blooded among his admirers
believe, not to mention the smiling mien of superiority with which
our "historically" educated refuse such a fruit of antiquity. The
proper aim of the State, the Olympian existence and ever-renewed
procreation and preparation of the genius,--compared with which
all other things are only tools, expedients and factors towards
realisation--is here discovered with a poetic intuition and painted
with firmness. Plato saw through the awfully devastated Herma of the
then-existing State-life and perceived even then something divine in
its interior. He _believed_ that one might be able to take out this
divine image and that the grim and barbarically distorted outside and
shell did not belong to the essence of the State: the whole fervour
and sublimity of his political passion threw itself upon this belief,
upon that desire--and in the flames of this fire he perished. That in
his perfect State

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Text Comparison with Jenseits von Gut und Böse

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Die ebenso steife als sittsame Tartüfferie des alten Kant, mit der er uns auf die dialektischen Schleichwege lockt, welche zu seinem "kategorischen Imperativ" führen, richtiger verführen - dies Schauspiel macht uns Verwöhnte lächeln, die wir keine kleine Belustigung darin finden, den feinen Tücken alter Moralisten und Moralprediger auf die Finger zu sehn.
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Es scheint mir, dass man jetzt überall bemüht ist, von dem eigentlichen Einflusse, den Kant auf die deutsche Philosophie ausgeübt hat, den Blick abzulenken und namentlich über den Werth, den er sich selbst zugestand, klüglich hinwegzuschlüpfen.
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Wer nicht im Verkehr mit Menschen gelegentlich in allen Farben der Noth, grün und grau vor Ekel, Überdruss, Mitgefühl, Verdüsterung, Vereinsamung schillert, der ist gewiss kein Mensch höheren Geschmacks; gesetzt aber, er nimmt alle diese Last und Unlust nicht freiwillig auf sich, er weicht ihr immerdar aus und bleibt, wie.
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ist, - er hat heute die Pflicht zum Misstrauen, zum boshaftesten Schielen aus jedem Abgrunde des Verdachts heraus.
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gehören, kurz und schlimm, unter die Nivellirer, diese fälschlich genannten "freien Geister" - als beredte und schreibfingrige Sklaven des demokratischen Geschmacks und seiner "modernen Ideen": allesammt Menschen ohne Einsamkeit, ohne eigne Einsamkeit, plumpe brave Burschen, welchen weder Muth noch achtbare Sitte abgesprochen werden soll, nur dass sie eben unfrei und zum Lachen oberflächlich sind, vor Allem mit ihrem Grundhange, in den Formen der bisherigen alten Gesellschaft ungefähr die Ursache für alles menschliche Elend und Missrathen zu sehn: wobei die Wahrheit glücklich auf den Kopf zu stehn kommt! Was sie mit allen Kräften erstreben möchten, ist das allgemeine grüne Weide-Glück der Heerde, mit Sicherheit, Ungefährlichkeit, Behagen, Erleichterung des Lebens für Jedermann; ihre beiden am reichlichsten abgesungnen Lieder und Lehren heissen "Gleichheit der Rechte" und "Mitgefühl für alles Leidende", - und das Leiden selbst wird von ihnen als Etwas genommen, das man abschaffen muss.
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Bisher haben sich die mächtigsten Menschen immer noch verehrend vor dem Heiligen gebeugt, als dem Räthsel der Selbstbezwingung und absichtlichen letzten Entbehrung: warum beugten sie sich? Sie ahnten in ihm - und gleichsam hinter dem Fragezeichen seines gebrechlichen und kläglichen Anscheins - die überlegene Kraft, welche sich an einer solchen Bezwingung erproben wollte, die Stärke des Willens, in der sie die eigne Stärke und herrschaftliche Lust wieder erkannten und zu ehren wussten: sie ehrten Etwas an sich, wenn sie den Heiligen ehrten.
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auch noch keinen Schritt weit dem, was noch als Kirche oder Frömmigkeit besteht, näher gekommen: vielleicht umgekehrt.
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Menschen, nicht hoch und hart genug, um am Menschen als Künstler gestalten zu dürfen; Menschen, nicht stark und fernsichtig genug, um, mit einer erhabenen Selbst-Bezwingung, das Vordergrund-Gesetz des tausendfältigen Missrathens und Zugrundegehns walten zu lassen; Menschen, nicht vornehm genug, um die abgründlich verschiedene Rangordnung und Rangkluft zwischen Mensch und Mensch zu sehen: - solche Menschen haben, mit ihrem "Gleich vor Gott", bisher über dem Schicksale Europa's gewaltet,.
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Eine Sache, die sich aufklärt, hört auf, uns etwas anzugehn.
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Das Wesentliche und Unschätzbare an jeder Moral ist, dass sie ein langer Zwang ist: um den Stoicismus oder Port-Royal oder das Puritanerthum zu verstehen, mag man sich des Zwangs erinnern, unter dem bisher jede Sprache es zur Stärke und Freiheit gebracht, - des metrischen Zwangs, der Tyrannei von Reim und Rhythmus.
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- So wenig ein Leser heute die einzelnen Worte (oder gar Silben) einer Seite sämmtlich abliest - er nimmt vielmehr aus zwanzig Worten ungefähr fünf nach Zufall heraus und "erräth" den zu diesen fünf Worten muthmaasslich zugehörigen Sinn -, eben so wenig sehen wir einen Baum genau und vollständig, in Hinsicht auf Blätter, Zweige, Farbe, Gestalt; es fällt uns so sehr viel leichter, ein Ungefähr von Baum hin zu phantasiren.
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" - Also tröstet sich ein Skeptiker; und es ist wahr, dass er einigen Trost nöthig hat.
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Wir Menschen des "historischen Sinns": wir haben als solche unsre Tugenden, es ist nicht zu bestreiten, - wir sind anspruchslos, selbstlos, bescheiden, tapfer, voller Selbstüberwindung, voller Hingebung, sehr dankbar, sehr geduldig, sehr entgegenkommend: - wir sind mit Alledem vielleicht nicht sehr "geschmackvoll".
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Ich wage vielleicht etwas, wenn ich eine solche Wahrheit mir entschlüpfen lasse: mögen Andre sie wieder einfangen und ihr so viel "Milch der frommen Denkungsart" zu trinken geben, bis sie still und vergessen in ihrer alten Ecke liegt.
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Furcht und Mitleiden: mit diesen Gefühlen stand bisher der Mann vor dem Weibe, immer mit einem Fusse schon in der Tragödie, welche zerreisst, indem sie entzückt -.
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- Ich bin noch keinem Deutschen begegnet, der den Juden gewogen gewesen wäre; und so unbedingt auch die Ablehnung der eigentlichen Antisemiterei von Seiten aller Vorsichtigen und Politischen sein mag, so richtet sich doch auch diese Vorsicht und Politik nicht etwa gegen die Gattung des Gefühls selber, sondern nur gegen seine gefährliche Unmässigkeit, insbesondere gegen den abgeschmackten und schandbaren Ausdruck dieses unmässigen Gefühls, - darüber darf man sich nicht täuschen.
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Das Wesentliche an einer guten und gesunden Aristokratie ist aber, dass sie sich nicht als Funktion (sei es des Königthums, sei es des Gemeinwesens), sondern als dessen Sinn und höchste Rechtfertigung fühlt, - dass sie deshalb mit gutem Gewissen das Opfer einer Unzahl Menschen hinnimmt, welche um ihretwillen zu unvollständigen Menschen, zu Sklaven, zu Werkzeugen herabgedrückt und vermindert werden müssen.