Beyond Good and Evil

By Friedrich Nietzsche

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himself to reflect on his
suffering, but in vain! His thoughts already rove away to the MORE
GENERAL case, and tomorrow he knows as little as he knew yesterday how
to help himself He does not now take himself seriously and devote time
to himself he is serene, NOT from lack of trouble, but from lack
of capacity for grasping and dealing with HIS trouble The habitual
complaisance with respect to all objects and experiences, the radiant
and impartial hospitality with which he receives everything that
comes his way, his habit of inconsiderate good-nature, of dangerous
indifference as to Yea and Nay: alas! there are enough of cases in which
he has to atone for these virtues of his!--and as man generally, he
becomes far too easily the CAPUT MORTUUM of such virtues. Should one
wish love or hatred from him--I mean love and hatred as God, woman, and
animal understand them--he will do what he can, and furnish what he can.
But one must not be surprised if it should not be much--if he should
show himself just at this point to be false, fragile, questionable, and
deteriorated. His love is constrained, his hatred is artificial, and
rather UN TOUR DE FORCE, a slight ostentation and exaggeration. He is
only genuine so far as he can be objective; only in his serene totality
is he still "nature" and "natural." His mirroring and eternally
self-polishing soul no longer knows how to affirm, no longer how to
deny; he does not command; neither does he destroy. "JE NE MEPRISE
PRESQUE RIEN"--he says, with Leibniz: let us not overlook nor undervalue
the PRESQUE! Neither is he a model man; he does not go in advance of any
one, nor after, either; he places himself generally too far off to have
any reason for espousing the cause of either good or evil. If he has
been so long confounded with the PHILOSOPHER, with the Caesarian trainer
and dictator of civilization, he has had far too much honour, and what
is more essential in him has been overlooked--he is an instrument,
something of a slave, though certainly the sublimest sort of slave, but
nothing in himself--PRESQUE RIEN! The objective man is an instrument,
a costly, easily injured, easily tarnished measuring instrument and
mirroring apparatus, which is to be taken care of and respected; but he
is no goal, not outgoing nor upgoing, no complementary man in whom the
REST of existence justifies itself, no termination--and still less a
commencement, an engendering, or primary cause, nothing hardy, powerful,
self-centred, that wants to be master; but rather only a soft, inflated,
delicate, movable

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Text Comparison with Jenseits von Gut und Böse

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es bei ihnen nicht redlich genug zugeht: während sie allesammt einen grossen und tugendhaften Lärm machen, sobald das Problem der Wahrhaftigkeit auch nur von ferne angerührt wird.
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Ein Mensch, der will -, befiehlt einem Etwas in sich, das gehorcht oder von dem er glaubt, dass es gehorcht.
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- 26.
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Er begiebt sich in ein Labyrinth, er vertausendfältigt die Gefahren, welche das Leben an sich schon mit sich bringt; von denen es nicht die kleinste ist, dass Keiner mit Augen sieht, wie und wo er sich verirrt, vereinsamt und stückweise von irgend einem Höhlen-Minotaurus des Gewissens zerrissen wird.
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schändet, - nämlich Seele und Leib gemein macht? Und dass folglich die moderne, lärmende, Zeit-auskaufende, auf sich stolze, dumm-stolze Arbeitsamkeit, mehr als alles Übrige, gerade zum "Unglauben" erzieht und vorbereitet? Unter Denen, welche zum Beispiel jetzt in Deutschland abseits von der Religion leben, finde ich Menschen von vielerlei Art und Abkunft der "Freidenkerei", vor Allem aber eine Mehrzahl solcher, denen Arbeitsamkeit, von Geschlecht zu Geschlecht, die religiösen Instinkte aufgelöst hat: so dass sie gar nicht mehr wissen, wozu Religionen nütze sind, und nur mit einer Art stumpfen Erstaunens ihr Vorhandensein in der Welt gleichsam registriren.
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Vielleicht giebt es sogar hinsichtlich dieser verbrannten Kinder, der geborenen Künstler, welche den Genuss des Lebens nur noch in der Absicht finden, sein Bild zu fälschen (gleichsam in einer langwierigen Rache am Leben -), auch noch eine Ordnung des Ranges: man könnte den Grad, in dem ihnen das Leben verleidet ist, daraus abnehmen, bis wie weit sie sein Bild verfälscht, verdünnt, verjenseitigt, vergöttlicht zu sehn wünschen, - man könnte die homines religiosi mit unter die Künstler rechnen, als ihren höchsten Rang.
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Erziehungs- und Veredelungsmittel, wenn eine Rasse über ihre Herkunft aus dem Pöbel Herr werden will und sich zur einstmaligen Herrschaft emporarbeitet.
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Wir wissen es schon genug, wie beleidigend es klingt, wenn Einer überhaupt den Menschen ungeschminkt und ohne Gleichniss zu den Thieren rechnet; aber es wird beinahe als Schuld uns angerechnet werden, dass wir gerade in Bezug auf die Menschen der "modernen Ideen" beständig die Ausdrücke "Heerde", "Heerden-Instinkte" und dergleichen gebrauchen.
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Man verstehe doch endlich das Erstaunen Napoleon's tief genug, als er Goethen zu sehen bekam: es verräth, was man sich Jahrhunderte lang unter dem "deutschen Geiste" gedacht hatte.
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Heute schwächt und verdünnt der Zeitgeschmack und die Zeittugend den Willen, Nichts ist so sehr zeitgemäss als Willensschwäche: also muss, im Ideale des Philosophen, gerade Stärke des Willens, Härte und Fähigkeit zu langen Entschliessungen in den Begriff "Grösse" hineingehören; mit so gutem Rechte als die umgekehrte Lehre und das Ideal einer blöden entsagenden demüthigen selbstlosen Menschlichkeit einem umgekehrten Zeitalter angemessen war, einem solchen, das gleich dem sechszehnten Jahrhundert an seiner aufgestauten Energie des Willens und den wildesten Wässern und Sturmfluthen der Selbstsucht litt.
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Vielleicht steht unsre grosse Tugend des historischen Sinns in einem nothwendigen Gegensatz zum guten Geschmacke, mindestens zum allerbesten Geschmacke, und wir vermögen gerade die kleinen kurzen und höchsten Glücksfälle und Verklärungen des menschlichen Lebens, wie sie hier und da einmal aufglänzen, nur schlecht, nur zögernd, nur mit Zwang in uns nachzubilden: jene Augenblicke und Wunder, wo eine grosse Kraft freiwillig vor dem Maasslosen und Unbegrenzten stehen blieb -, wo ein Überfluss von feiner Lust in der plötzlichen Bändigung und Versteinerung, im Feststehen und Sich-Fest-Stellen auf einem noch zitternden Boden genossen wurde.
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Wir Immoralisten! - Diese Welt, die uns angeht, in der wir zu fürchten und zu lieben haben, diese beinahe unsichtbare unhörbare Welt feinen Befehlens, feinen Gehorchens, eine Welt des "Beinahe" in jedem Betrachte, häklich, verfänglich, spitzig, zärtlich: ja, sie ist gut vertheidigt gegen plumpe Zuschauer und vertrauliche Neugierde! Wir sind in ein strenges Garn und Hemd von Pflichten eingesponnen und können da nicht heraus -, darin eben sind wir "Menschen der Pflicht", auch wir! Bisweilen, es ist wahr, tanzen wir wohl in unsern "Ketten" und zwischen unsern "Schwertern"; öfter, es ist nicht minder wahr, knirschen wir darunter und sind ungeduldig über all die heimliche Härte unsres Geschicks.
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Die Kraft des Geistes, Fremdes sich anzueignen, offenbart sich in einem starken Hange, das Neue dem Alten anzuähnlichen, das Mannichfaltige zu vereinfachen, das gänzlich Widersprechende zu übersehen oder wegzustossen: ebenso wie er bestimmte Züge und Linien am Fremden, an jedem Stück "Aussenwelt" willkürlich stärker unterstreicht, heraushebt, sich zurecht fälscht.
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Man will hier und da selbst Freigeister und Litteraten aus den Frauen machen: als ob ein Weib ohne Frömmigkeit für einen tiefen und gottlosen Mann nicht etwas vollkommen Widriges oder Lächerliches wäre -; man verdirbt fast überall ihre Nerven mit der krankhaftesten und gefährlichsten aller Arten Musik (unsrer deutschen neuesten Musik) und macht sie täglich.
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Als ein Volk der ungeheuerlichsten Mischung und Zusammenrührung von Rassen, vielleicht sogar mit einem Übergewicht des vor-arischen Elementes, als "Volk der Mitte" in jedem Verstande, sind die Deutschen unfassbarer, umfänglicher, widerspruchsvoller, unbekannter, unberechenbarer, überraschender, selbst erschrecklicher, als es andere Völker sich selber sind: - sie entschlüpfen der Definition und sind damit schon die Verzweiflung der Franzosen.
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vorigen Jahrhundert, als alle Italiäner und Italiänerinnen zu singen verstanden, bei ihnen das Gesangs-Virtuosenthum (und damit auch die Kunst der Melodik -) auf die Höhe kam.
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es in England fehlt und immer gefehlt hat, das wusste jener Halb-Schauspieler und Rhetor gut genug, der abgeschmackte Wirrkopf Carlyle, welcher es unter leidenschaftlichen Fratzen zu verbergen suchte, was er von sich selbst wusste: nämlich woran es in Carlyle fehlte - an eigentlicher Macht der Geistigkeit, an eigentlicher Tiefe des geistigen Blicks, kurz, an Philosophie.
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Vielleicht geht die Paradoxie seiner Lage so weit in's Schauerliche, dass die Menge, die Gebildeten, die Schwärmer gerade dort, wo er das grosse Mitleiden neben der grossen Verachtung gelernt hat, ihrerseits die grosse Verehrung lernen, - die Verehrung für "grosse Männer" und Wunderthiere, um derentwillen man das Vaterland, die Erde, die Würde der Menschheit, sich selber segnet und in Ehren hält, auf welche man die Jugend hinweist, hinerzieht.
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habe, biete ich dir an! - "Zur Erholung? Zur Erholung? Oh du Neugieriger, was sprichst du da! Aber gieb mir, ich bitte - -" Was? Was? sprich es aus! - "Eine Maske mehr! Eine zweite Maske!".
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