Beyond Good and Evil

By Friedrich Nietzsche

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latter-day civilizations. I have no doubt that an ancient
Greek, also, would first of all remark the self-dwarfing in us Europeans
of today--in this respect alone we should immediately be "distasteful"
to him.

268. What, after all, is ignobleness?--Words are vocal symbols for
ideas; ideas, however, are more or less definite mental symbols
for frequently returning and concurring sensations, for groups of
sensations. It is not sufficient to use the same words in order to
understand one another: we must also employ the same words for the same
kind of internal experiences, we must in the end have experiences IN
COMMON. On this account the people of one nation understand one another
better than those belonging to different nations, even when they use
the same language; or rather, when people have lived long together under
similar conditions (of climate, soil, danger, requirement, toil) there
ORIGINATES therefrom an entity that "understands itself"--namely, a
nation. In all souls a like number of frequently recurring experiences
have gained the upper hand over those occurring more rarely: about
these matters people understand one another rapidly and always more
rapidly--the history of language is the history of a process of
abbreviation; on the basis of this quick comprehension people always
unite closer and closer. The greater the danger, the greater is the
need of agreeing quickly and readily about what is necessary; not to
misunderstand one another in danger--that is what cannot at all be
dispensed with in intercourse. Also in all loves and friendships one has
the experience that nothing of the kind continues when the discovery
has been made that in using the same words, one of the two parties has
feelings, thoughts, intuitions, wishes, or fears different from those of
the other. (The fear of the "eternal misunderstanding": that is the good
genius which so often keeps persons of different sexes from too
hasty attachments, to which sense and heart prompt them--and NOT some
Schopenhauerian "genius of the species"!) Whichever groups of sensations
within a soul awaken most readily, begin to speak, and give the word of
command--these decide as to the general order of rank of its values, and
determine ultimately its list of desirable things. A man's estimates of
value betray something of the STRUCTURE of his soul, and wherein it
sees its conditions of life, its intrinsic needs. Supposing now that
necessity has from all time drawn together only such men as could
express similar requirements and similar experiences by similar symbols,
it results on the whole that the easy COMMUNICABILITY of need,
which implies ultimately the undergoing only of average and COMMON
experiences, must have been the most

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Text Comparison with Jenseits von Gut und Böse

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Was dazu reizt, auf alle Philosophen halb misstrauisch, halb spöttisch zu blicken, ist nicht, dass man wieder und wieder dahinter kommt, wie unschuldig sie sind - wie oft und wie leicht sie sich vergreifen und verirren, kurz ihre Kinderei und Kindlichkeit - sondern dass.
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Der Deutsche ist beinahe des Presto in seiner Sprache unfähig: also, wie man billig schliessen darf, auch vieler der ergötzlichsten und verwegensten Nuances des freien, freigeisterischen Gedankens.
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In den letzten zehn Jahrtausenden ist man hingegen auf einigen grossen Flächen der Erde Schritt für Schritt so weit gekommen, nicht mehr die Folgen, sondern die Herkunft der Handlung über ihren Werth entscheiden zu lassen: ein grosses Ereigniss als Ganzes, eine erhebliche Verfeinerung des Blicks und Maassstabs, die unbewusste Nachwirkung von der Herrschaft aristokratischer Werthe und des Glaubens an "Herkunft", das Abzeichen einer Periode, welche man im engeren Sinne als die moralische bezeichnen darf: der erste Versuch zur Selbst-Erkenntniss ist damit gemacht.
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gehören, kurz und schlimm, unter die Nivellirer, diese fälschlich genannten "freien Geister" - als beredte und schreibfingrige Sklaven des demokratischen Geschmacks und seiner "modernen Ideen": allesammt Menschen ohne Einsamkeit, ohne eigne Einsamkeit, plumpe brave Burschen, welchen weder Muth noch achtbare Sitte abgesprochen werden soll, nur dass sie eben unfrei und zum Lachen oberflächlich sind, vor Allem mit ihrem Grundhange, in den Formen der bisherigen alten Gesellschaft ungefähr die Ursache für alles menschliche Elend und Missrathen zu sehn: wobei die Wahrheit glücklich auf den Kopf zu stehn kommt! Was sie mit allen Kräften erstreben möchten, ist das allgemeine grüne Weide-Glück der Heerde, mit Sicherheit, Ungefährlichkeit, Behagen, Erleichterung des Lebens für Jedermann; ihre beiden am reichlichsten abgesungnen Lieder und Lehren heissen "Gleichheit der Rechte" und "Mitgefühl für alles Leidende", - und das Leiden selbst wird von ihnen als Etwas genommen, das man abschaffen muss.
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Das Schlimmste ist: er scheint unfähig, sich deutlich mitzutheilen: ist er unklar? - Dies ist es, was ich, als Ursachen für den Niedergang des europäischen Theismus, aus vielerlei Gesprächen, fragend, hinhorchend, ausfindig gemacht habe; es scheint mir, dass zwar der religiöse Instinkt mächtig im Wachsen ist, - dass er aber gerade die theistische Befriedigung mit tiefem Misstrauen ablehnt.
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Gesetzt, dass man mit dem spöttischen und unbetheiligten Auge eines epikurischen Gottes die wunderlich schmerzliche und ebenso grobe wie feine Komödie des europäischen Christenthums zu überschauen vermöchte, ich glaube, man fände kein Ende mehr zu staunen und zu lachen: scheint es denn nicht, dass Ein Wille über Europa durch achtzehn Jahrhunderte geherrscht hat, aus dem Menschen eine sublime Missgeburt zu machen? Wer aber mit umgekehrten Bedürfnissen, nicht epikurisch mehr, sondern mit irgend einem göttlichen Hammer in der Hand auf diese fast willkürliche Entartung und Verkümmerung des Menschen zuträte, wie sie der christliche Europäer ist (Pascal zum Beispiel), müsste er da nicht mit Grimm, mit Mitleid, mit Entsetzen schreien: "Oh ihr Tölpel, ihr anmaassenden mitleidigen Tölpel, was habt ihr da gemacht! War das eine Arbeit für eure Hände! Wie habt ihr mir meinen schönsten Stein verhauen und verhunzt! Was nahmt ihr euch heraus!" - Ich wollte sagen: das Christenthum war bisher die verhängnissvollste Art von Selbst-Überhebung.
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Die arbeitsamen Rassen finden eine grosse Beschwerde darin, den Müssiggang zu ertragen: es war ein Meisterstück des englischen Instinktes, den Sonntag in dem Maasse zu heiligen und zu langweiligen, dass der Engländer dabei wieder unvermerkt nach seinem Wochen- und Werktage lüstern wird: - als eine Art klug erfundenen, klug eingeschalteten Fastens, wie dergleichen auch in der antiken Welt reichlich wahrzunehmen ist (wenn auch, wie billig bei südländischen Völkern, nicht gerade in Hinsicht auf Arbeit -).
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- In einem lebhaften Gespräch sehe ich oftmals das Gesicht der Person, mit der ich rede, je nach dem Gedanken, den sie äussert, oder den ich bei ihr hervorgerufen glaube, so deutlich und feinbestimmt vor mir, dass dieser Grad von Deutlichkeit weit über die Kraft meines Sehvermögens hinausgeht: - die Feinheit des Muskelspiels und des Augen-Ausdrucks muss also von mir hinzugedichtet sein.
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Der europäische Mischmensch - ein leidlich hässlicher Plebejer, Alles in Allem - braucht schlechterdings ein Kostüm: er hat die Historie nöthig als die Vorrathskammer der Kostüme.
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Aber wir mögen thun, was wir wollen: die Tölpel und der Augenschein sagen gegen uns "das sind Menschen ohne Pflicht" - wir haben immer die Tölpel und den Augenschein gegen uns! 227.
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Nenne man es nun "Civilisation" oder "Vermenschlichung" oder "Fortschritt", worin jetzt die Auszeichnung der Europäer gesucht wird; nenne man es einfach, ohne zu loben und zu tadeln, mit einer politischen Formel die demokratische Bewegung Europa's: hinter all den moralischen und politischen Vordergründen, auf welche mit solchen Formeln hingewiesen wird, vollzieht sich ein ungeheurer physiologischer Prozess, der immer mehr in Fluss geräth, - der Prozess einer Anähnlichung der Europäer, ihre wachsende Loslösung von den Bedingungen, unter denen klimatisch und ständisch gebundene Rassen entstehen, ihre zunehmende Unabhängigkeit von jedem bestimmten milieu, das Jahrhunderte lang sich mit gleichen Forderungen in Seele und Leib einschreiben möchte, - also die langsame Heraufkunft einer wesentlich übernationalen und nomadischen Art Mensch, welche, physiologisch geredet, ein Maximum von Anpassungskunst und -kraft als ihre typische Auszeichnung besitzt.
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Europäer der Zukunft vorwegzunehmen: nur mit ihren Vordergründen, oder in schwächeren Stunden, etwa im Alter, gehörten sie zu den "Vaterländern", - sie ruhten sich nur von sich selber aus, wenn sie "Patrioten" wurden.
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- Gesetzt, dies ist als Theorie eine Neuerung, - als Realität ist es das Ur-Faktum aller Geschichte: man sei doch so weit gegen sich ehrlich! - 260.
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Es ist Viel erreicht, wenn der grossen Menge (den Flachen und Geschwind-Därmen aller Art) jenes Gefühl endlich angezüchtet ist, dass sie nicht an Alles rühren dürfe; dass es heilige Erlebnisse giebt, vor denen sie die Schuhe auszuziehn und die unsaubere Hand fern zu halten hat, - es ist beinahe ihre höchste Steigerung zur Menschlichkeit.
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begeistert, sinnlich, kindsköpfisch, im Misstrauen und Vertrauen leichtfertig und plötzlich; mit Seelen, an denen gewöhnlich irgend ein Bruch verhehlt werden soll; oft mit ihren Werken Rache nehmend für eine innere Besudelung, oft mit ihren Aufflügen Vergessenheit suchend vor einem allzutreuen Gedächtniss, oft in den Schlamm verirrt und beinahe verliebt, bis sie den Irrlichtern um die Sümpfe herum gleich werden und sich zu Sternen verstellen - das Volk nennt sie dann wohl Idealisten -, oft mit einem langen Ekel kämpfend, mit einem wiederkehrenden Gespenst von Unglauben, der kalt macht und sie zwingt, nach gloria zu schmachten und den "Glauben an sich" aus den Händen berauschter Schmeichler zu fressen: - welche Marter sind diese grossen Künstler und überhaupt die höheren Menschen für Den, der sie einmal errathen hat! Es ist so begreiflich, dass sie gerade vom Weibe - welches hellseherisch ist in der Welt des Leidens und leider auch weit über seine Kräfte hinaus hülf- und rettungssüchtig - so leicht jene Ausbrüche unbegrenzten hingebendsten Mitleids erfahren, welche die Menge, vor Allem die verehrende Menge, nicht versteht und mit neugierigen und selbstgefälligen Deutungen überhäuft.
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Aber mit all diesem ehrwürdigen Plunder und Prunk weiss ein solcher Gott nichts anzufangen.