Also sprach Zarathustra: Ein Buch für Alle und Keinen

By Friedrich Nietzsche

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Predigt
des Todes?

Ihr Alle, denen die wilde Arbeit lieb ist und das Schnelle, Neue,
Fremde, - ihr ertragt euch schlecht, euer Fleiss ist Flucht und Wille,
sich selber zu vergessen.

Wenn ihr mehr an das Leben glaubtet, würdet ihr weniger euch dem
Augenblicke hinwerfen. Aber ihr habt zum Warten nicht Inhalt genug in
euch - und selbst zur Faulheit nicht!

Überall ertönt die Stimme Derer, welche den Tod predigen: und die Erde
ist voll von Solchen, welchen der Tod gepredigt werden muss.

Oder "das ewige Leben": das gilt mir gleich, - wofern sie nur schnell
dahinfahren!

Also sprach Zarathustra.



Vom Krieg und Kriegsvolke

Von unsern besten Feinden wollen wir nicht geschont sein, und auch von
Denen nicht, welche wir von Grund aus lieben. So lasst mich denn euch
die Wahrheit sagen!

Meine Brüder im Kriege! Ich liebe euch von Grund aus, ich bin und war
Euresgleichen. Und ich bin auch euer bester Feind. So lasst mich denn
euch die Wahrheit sagen!

Ich weiss um den Hass und Neid eures Herzens. Ihr seid nicht gross
genug, um Hass und Neid nicht zu kennen. So seid denn gross genug,
euch ihrer nicht zu schämen!

Und wenn ihr nicht Heilige der Erkenntniss sein könnt, so seid mir
wenigstens deren Kriegsmänner. Das sind die Gefährten und Vorläufer
solcher Heiligkeit.

Ich sehe viel Soldaten: möchte ich viel Kriegsmänner sehn! "Ein-form"
nennt man's, was sie tragen: möge es nicht Ein-form sein, was sie
damit verstecken!

Ihr sollt mir Solche sein, deren Auge immer nach einem Feinde sucht -
nach _eurem_ Feinde. Und bei Einigen von euch giebt es einen Hass auf
den ersten Blick.

Euren Feind sollt ihr suchen, euren Krieg sollt ihr führen und
für eure Gedanken! Und wenn euer Gedanke unterliegt, so soll eure
Redlichkeit darüber noch Triumph rufen!

Ihr sollt den Frieden lieben als Mittel zu neuen Kriegen. Und den
kurzen Frieden mehr, als den langen.

Euch rathe ich nicht zur Arbeit, sondern zum Kampfe. Euch rathe ich
nicht zum Frieden, sondern zum Siege. Eure Arbeit sei ein Kampf, euer
Friede sei ein Sieg!

Man kann nur schweigen und stillsitzen, wenn man Pfeil und Bogen hat:
sonst schwätzt und zankt man. Euer Friede sei ein Sieg!

Ihr sagt, die gute Sache sei es, die sogar den Krieg heilige? Ich sage
euch: der gute Krieg ist es, der jede Sache heiligt.

Der Krieg und der Muth haben mehr grosse Dinge gethan, als die
Nächstenliebe. Nicht euer Mitleiden, sondern eure Tapferkeit rettete
bisher die Verunglückten.

Was ist gut? fragt ihr. Tapfer sein ist gut. Lasst die kleinen Mädchen
reden: "gut sein ist, was hübsch zugleich und rührend ist."

Man nennt euch herzlos: aber euer Herz ist ächt, und ich liebe die
Scham eurer Herzlichkeit.

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Text Comparison with Thus Spake Zarathustra: A Book for All and None

Page 6
first occurred to me in August 1881.
Page 29
Behind thy thoughts and feelings, my brother, there is a mighty lord, an unknown sage--it is called Self; it dwelleth in thy body, it is thy body.
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And therefore are ye now angry with life and with the earth.
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Lo, this is the tarantula's den! Wouldst thou see the tarantula itself? Here hangeth its web: touch this, so that it may tremble.
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Ye seem to me lukewarm ones: but coldly floweth all deep knowledge.
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I know not you men: this gloom and consolation is often spread around me.
Page 103
Thoughts that come with doves' footsteps guide the world.
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And behold, thereby came he unawares also to the gate of the GREAT CITY.
Page 122
1.
Page 126
Down there, however--all talking is in vain! There, forgetting and passing-by are the best wisdom: THAT have I learned now! He who would understand everything in man must handle everything.
Page 131
My mouthpiece--is of the people: too coarsely and cordially do I talk for Angora rabbits.
Page 160
Perhaps he is there.
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THE DESERTS GROW: WOE HIM WHO DOTH THEM HIDE! --Ha! Solemnly! In effect solemnly! A worthy beginning! Afric manner, solemnly! Of a lion worthy, Or perhaps of a virtuous howl-monkey-- --But it's naught to you, .
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And that I testify so much is still not enough for me.
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Ye higher men, do ye not feel it? There welleth up mysteriously an odour, --A perfume and odour of eternity, a rosy-blessed, brown, gold-wine-odour of old happiness, --Of drunken midnight-death happiness, which singeth: the world is deep, AND DEEPER THAN THE DAY COULD READ! 7.
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It is almost impossible for one of them to write a line on the subject, however kindly he may do so, without being suspected of wishing to open a crusade against the fair sex.
Page 226
Voluntary Death.
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In verses 31 and 32, he tells us to what extent he had to modify himself in order to be endured by his fellows whom he loved (see also verse 12 in "Manly Prudence").
Page 236
Voluptuousness, or sensual pleasure, is a dangerous thing to discuss nowadays.
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We have given Nietzsche's definition of life in the Note on Chapter LVI.