Also sprach Zarathustra: Ein Buch für Alle und Keinen

By Friedrich Nietzsche

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es abermals, dieses Eselsfest, thut's euch zu Liebe,
thut's auch mir zu Liebe! Und zu _meinem_ Gedächtniss!"

Also sprach Zarathustra.



Das Nachtwandler-Lied

1.

Inzwischen aber war Einer nach dem Andern hinaus getreten, in's Freie
und in die kühle nachdenkliche Nacht; Zarathustra selber aber führte
den hässlichsten Menschen an der Hand, dass er ihm seine Nacht-Welt
und den grossen runden Mond und die silbernen Wasserstürze bei seiner
Höhle zeige. Da standen sie endlich still bei einander, lauter alte
Leute, aber mit einem getrösteten tapferen Herzen und verwundert
bei sich, dass es ihnen auf Erden so wohl war; die Heimlichkeit der
Nacht aber kam ihnen näher und näher an's Herz. Und von Neuem dachte
Zarathustra bei sich: "oh wie gut sie mir nun gefallen, diese höheren
Menschen!" - aber er sprach es nicht aus, denn er ehrte ihr Glück und
ihr Stillschweigen. -

Da aber geschah Das, was an jenem erstaunlichen langen Tage das
Erstaunlichste war: der hässlichste Mensch begann noch ein Mal und zum
letzten Mal zu gurgeln und zu schnauben, und als er es bis zu Worten
gebracht hatte, siehe, da sprang eine Frage rund und reinlich aus
seinem Munde, eine gute tiefe klare Frage, welche Allen, die ihm
zuhörten, das Herz im Leibe bewegte.

"Meine Freunde insgesammt, sprach der hässlichste Mensch, was dünket
euch? Um dieses Tags Willen - _ich_ bin's zum ersten Male zufrieden,
dass ich das ganze Leben lebte.

Und dass ich so viel bezeuge, ist mir noch nicht genug. Es lohnt sich
auf der Erde zu leben: Ein Tag, Ein Fest mit Zarathustra lehrte mich
die Erde lieben.

`War _Das_ - das Leben?` will ich zum Tode sprechen. `Wohlan! Noch Ein
Mal!`

Meine Freunde, was dünket euch? Wollt ihr nicht gleich mir zum Tode
sprechen: War Das - das Leben? Um Zarathustra's Willen, wohlan! Noch
Ein Mal!" - -

Also sprach der hässlichste Mensch; es war aber nicht lange vor
Mitternacht. Und was glaubt ihr wohl, dass damals sich zutrug? Sobald
die höheren Menschen seine Frage hörten, wurden sie sich mit Einem
Male ihrer Verwandlung und Genesung bewusst, und wer ihnen dieselbe
gegeben habe: da sprangen sie auf Zarathustra zu, dankend, verehrend,
liebkosend, ihm die Hände küssend, so wie es der Art eines Jeden eigen
war: also dass Einige lachten, Einige weinten. Der alte Wahrsager aber
tanzte vor Vergnügen; und wenn er auch, wie manche Erzähler meinen,
damals voll süssen Weines war, so war er gewisslich noch voller des
süssen Lebens und hatte aller Müdigkeit abgesagt. Es giebt sogar
Solche, die erzählen, dass damals der Esel getanzt habe: nicht umsonst
nämlich habe ihm der hässlichste Mensch vorher Wein zu trinken
gegeben. Diess mag sich nun so verhalten oder auch anders; und

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