Also sprach Zarathustra: Ein Buch für Alle und Keinen

By Friedrich Nietzsche

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wie stimmt Das mit dir selber zusammen,
dass du solchergestalt einen Esel hier als Gott anbetest?" -

"Oh Zarathustra, antwortete der Papst, vergieb mir, aber in Dingen
Gottes bin ich aufgeklärter noch als du. Und so ist's billig.

Lieber Gott also anbeten, in dieser Gestalt, als in gar keiner
Gestalt! Denke über diesen Spruch nach, mein hoher Freund: du erräthst
geschwind, in solchem Spruch steckt Weisheit.

Der, welcher sprach `Gott ist ein Geist` - der machte bisher auf Erden
den grössten Schritt und Sprung zum Unglauben: solch Wort ist auf
Erden nicht leicht wieder gut zu machen!

Mein altes Herz springt und hüpft darob, dass es auf Erden noch Etwas
anzubeten giebt. Vergieb das, oh Zarathustra, einem alten frommen
Papst-Herzen! -"

- "Und du, sagte Zarathustra zu dem Wanderer und Schatten, du nennst
und wähnst dich einen freien Geist? Und treibst hier solchen Götzen-
und Pfaffendienst?

Schlimmer, wahrlich, treibst du's hier noch als bei deinen schlimmen
braunen Mädchen, du schlimmer neuer Gläubiger!"

"Schlimm genug, antwortete der Wanderer und Schatten, du hast Recht:
aber was kann ich dafür! Der alte Gott lebt wieder, Oh Zarathustra, du
magst reden, was du willst.

Der hässlichste Mensch ist an Allem schuld: der hat ihn wieder
auferweckt. Und wenn er sagt, dass er ihn einst getödtet habe: _Tod_
ist bei Göttern immer nur ein Vorurtheil."

- Und du, sprach Zarathustra, du schlimmer alter Zauberer, was thatest
du! Wer soll, in dieser freien Zeit, fürderhin an dich glauben, wenn
_du_ an solche Götter-Eseleien glaubst?

Es war eine Dummheit, was du thatest; wie konntest du, du Kluger, eine
solche Dummheit thun!

"Oh Zarathustra, antwortete der kluge Zauberer, du hast Recht, es war
eine Dummheit, - es ist mir auch schwer genug geworden."

- "Und du gar, sagte Zarathustra, zu dem Gewissenhaften des Geistes,
erwäge doch und lege den Finger an deine Nase! Geht hier denn Nichts
wider dein Gewissen? Ist dein Geist nicht zu reinlich für diess Beten
und den Dunst dieser Betbrüder?"

"Es ist Etwas daran, antwortete der Gewissenhafte und legte den Finger
an die Nase, es ist Etwas an diesem Schauspiele, das meinem Gewissen
sogar wohlthut.

Vielleicht, dass ich an Gott nicht glauben darf: gewiss aber ist, dass
Gott mir in dieser Gestalt noch am glaubwürdigsten dünkt.

Gott soll ewig sein, nach dem Zeugnisse der Frömmsten: wer so viel
Zeit hat, lässt sich Zeit. So langsam und so dumm als möglich: _damit_
kann ein Solcher es doch sehr weit bringen.

Und wer des Geistes zu viel hat, der möchte sich wohl in die Dumm-
und Narrheit selber vernarren. Denke über dich selber nach, oh
Zarathustra!

Du selber - wahrlich! auch du könntest wohl aus Überfluss und Weisheit
zu einem Esel werden.

Geht nicht

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Text Comparison with Beyond Good and Evil

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