Also sprach Zarathustra: Ein Buch für Alle und Keinen

By Friedrich Nietzsche

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- ich sah noch keinen grossen Menschen. Was gross
ist, dafür ist das Auge der Feinsten heute grob. Es ist das Reich des
Pöbels.

So Manchen fand ich schon, der streckte und blähte sich, und das
Volk schrie: `Seht da, einen grossen Menschen!` Aber was helfen alle
Blasebälge! Zuletzt fährt der Wind heraus.

Zuletzt platzt ein Frosch, der sich zu lange aufblies: da fährt der
Wind heraus. Einem Geschwollnen in den Bauch stechen, das heisse ich
eine brave Kurzweil. Hört das, ihr Knaben!

Diess Heute ist des Pöbels: wer _weiss_ da noch, was gross, was klein
ist! Wer suchte da mit Glück nach Grösse! Ein Narr allein: den Narren
glückt's.

Du suchst nach grossen Menschen, du wunderlicher Narr? Wer _lehrte's_
dich? Ist heute dazu die Zeit? Oh du schlimmer Sucher, was - versuchst
du mich?" - -

Also sprach Zarathustra, getrösteten Herzens, und gierig lachend
seines Wegs fürbass.



Ausser Dienst

Nicht lange aber, nachdem Zarathustra sich von dem Zauberer losgemacht
hatte, sahe er wiederum Jemanden am Wege sitzen, den er gierig,
nämlich einen schwarzen langen Mann mit einem hageren Bleichgesicht:
_der_ verdross ihn gewaltig. "Wehe, sprach er zu seinem Herzen, da,
sitzt vermummte Trübsal, das dünkt mich von der Art der Priester: was
wollen _die_ in meinem Reiche?

Wie! Kaum bin ich jenem Zauberer entronnen: muss mir da wieder ein
anderer Schwarzkünstler über den Weg laufen, -

- irgend ein Hexenmeister mit Handauflegen, ein dunkler Wunderthäter
von Gottes Gnaden, ein gesalbter Welt-Verleumder, den der Teufel holen
möge!

Aber der Teufel ist nie am Platze, wo er am Platze wäre: immer kommt
er zu spät, dieser vermaledeite Zwerg und Klumpfuss!" -

Also fluchte Zarathustra ungeduldig in seinem Herzen und gedachte, wie
er abgewandten Blicks an dem schwarzen Manne vorüberschlüpfe: aber
siehe, es kam anders. Im gleichen Augenblicke nämlich hatte ihn schon
der Sitzende erblickt; und nicht unähnlich einem Solchen, dem ein
unvermuthetes Glück zustösst, sprang er auf und gieng auf Zarathustra
los.

"Wer du auch bist, du Wandersmann, sprach er, hilf einem Verirrten,
einem Suchenden, einem alten Manne, der hier leicht zu Schaden kommt!

Diese Welt hier ist mir fremd und fern, auch hörte ich wilde Thiere
heulen; und Der, welcher mir hätte Schutz bieten können, der ist
selber nicht mehr.

Ich suchte den letzten frommen Menschen, einen Heiligen und
Einsiedler, der allein in seinem Walde noch Nichts davon gehört hatte,
was alle Welt heute weiss."

"_Was_ weiss heute alle Welt? fragte Zarathustra. Etwa diess, dass der
alte Gott nicht mehr lebt, an den alle Welt einst geglaubt hat?"

"Du sagst es, antwortete der alte Mann betrübt. Und ich diente diesem
alten Gotte bis zu seiner letzten Stunde.

Nun aber bin ich ausser Dienst, ohne Herrn, und doch nicht frei,

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Text Comparison with Human, All-Too-Human: A Book for Free Spirits, Part 2

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their own burden lighter.
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With men of the latter stamp we are near to the high mountains where mighty rivers have their source, and with believers we are under vigorous, shady, restful trees.
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in our heart of hearts that it must be excellent, and are offended if others find it ugly, over-spiced, or pretentious.
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ORIGINS OF TASTE IN WORKS OF ART.
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He discovered a class of hearers which had hitherto never been taken into consideration: among the callow German youth of both sexes.
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It is not an embryonic stage of art in which such things are made--as if they were not _able_ to speak more plainly and portray more sensibly in the age when such images were honoured! Rather, men are afraid of.
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--Immediate self-observation is not enough, by a long way, to enable us to learn to know ourselves.
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--We shall not move the crowd to cry "Hosanna!" until we have ridden into the city upon an ass.
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ORIGIN OF RIGHTS.
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SEWERS OF THE SOUL.
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Moreover, he who is harsh to animals awakens a suspicion that he is also harsh to men who are weak, inferior, and incapable of revenge.
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Even the great scholar, "the good man" with "the dark impulse," is brought into heaven in the nick of time, by a trick which is played upon the devil at the decisive moment.
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--Felix Mendelssohn's music is the music of the.
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AS FRIENDS OF MUSIC.
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"--The former method was frequently tried in antiquity, always indeed on a small scale, and yet with poor success.
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312.
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THE BEST REMEDY.
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338.
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--The growth of wisdom may be gauged exactly by the diminution of ill-temper.
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For do but confess that you have hitherto been only too fond of reviling us.