Also sprach Zarathustra: Ein Buch für Alle und Keinen

By Friedrich Nietzsche

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Was kann ich dafür, dass die Macht gerne auf
krummen Beinen Wandelt?

Der soll mir immer der beste Hirt heissen, der sein Schaf auf die
grünste Aue führt: so verträgt es sich mit dem gutem Schlafe.

Viel Ehren will ich nicht, noch grosse Schätze: das entzündet die
Milz. Aber schlecht schläft es sich ohne einen guten Namen und einen
kleinen Schatz.

Eine kleine Gesellschaft ist mir willkommener als eine böse: doch muss
sie gehn und kommen zur rechten Zeit. So verträgt es sich mit gutem
Schlafe.

Sehr gefallen mir auch die Geistig-Armen: sie fördern den Schlaf.
Selig sind die, sonderlich, wenn man ihnen immer Recht giebt.

Also läuft der Tag dem Tugendsamen. Kommt nun die Nacht, so hüte
ich mich wohl, den Schlaf zu rufen! Nicht will er gerufen sein, der
Schlaf, der der Herr der Tugenden ist!

Sondern ich denke, was ich des Tages gethan und gedacht. Wiederkäuend
frage ich mich, geduldsam gleich einer Kuh: welches waren doch deine
zehn Überwindungen?

Und welches waren die zehn Versöhnungen und die zehn Wahrheiten und
die zehn Gelächter, mit denen sich mein Herz gütlich that?

Solcherlei erwägend und gewiegt von vierzig Gedanken, überfällt mich
auf einmal der Schlaf, der Ungerufne, der Herr der Tugenden.

Der Schlaf klopft mir auf meine Auge: da wird es schwer. Der Schlaf
berührt mir den Mund: da bleibt er offen.

Wahrlich, auf weichen Sohlen kommt er mir, der liebste der Diebe, und
stiehlt mir meine Gedanken: dumm stehe ich da wie dieser Lehrstuhl.

Aber nicht lange mehr stehe ich dann: da liege ich schon. -

Als Zarathustra den Weisen also sprechen hörte, lachte er bei sich im
Herzen: denn ihm war dabei ein Licht aufgegangen. Und also sprach er
zu seinem Herzen:

Ein Narr ist mir dieser Weise da mit seinen vierzig Gedanken: aber ich
glaube, dass er sich wohl auf das Schlafen versteht.

Glücklich schon, wer in der Nähe dieses Weisen wohnt! Solch ein Schlaf
steckt an, noch durch eine dicke Wand hindurch steckt er an.

Ein Zauber wohnt selbst in seinem Lehrstuhle. Und nicht vergebens
sassen die Jünglinge vor dem Prediger der Tugend.

Seine Weisheit heisst: wachen, um gut zu schlafen. Und wahrlich, hätte
das Leben keinen Sinn und müsste ich Unsinn wählen, so wäre auch mir
diess der wählenswürdigste Unsinn.

Jetzo verstehe ich klar, was einst man vor Allem suchte, wenn man
Lehrer der Tugend suchte. Guten Schlaf suchte man sich und mohnblumige
Tugenden dazu!

Allen diesen gelobten Weisen der Lehrstühle war Weisheit der Schlaf
ohne Träume: sie kannten keinen bessern Sinn des Lebens.

Auch noch heute wohl giebt es Einige, wie diesen Prediger der Tugend,
und nicht immer so Ehrliche: aber ihre Zeit ist um. Und nicht mehr
lange

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Text Comparison with The Antichrist

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MENCKEN _New York_ ALFRED A.
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In much of it, including not a few official hymns of hate, Nietzsche was gravely discovered to be the teacher of such spokesmen of the extremest sort of German nationalism as von Bernhardi and von Treitschke--which was just as intelligent as making George Bernard Shaw the mentor of Lloyd-George.
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But this sentimental yielding never went far enough to distract his attention for long from his main idea, which was this: that Christian ethics were quite as dubious, at bottom, as Christian theology--that they were founded, just as surely as such childish fables as the story of Jonah and the whale, upon the peculiar prejudices and credulities, the special desires and appetites, of.
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This type might be depicted in the Gospels, in however mutilated a form and however much overladen with extraneous characters--that is, in _spite_ of the Gospels; just as the figure of Francis of Assisi shows itself in his.
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The prophet, the messiah, the future judge, the teacher of morals, the worker of wonders, John the Baptist--all these merely presented chances to misunderstand it.
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Nevertheless, the probabilities seem to be against it, for in that case tradition would have been particularly accurate and objective, whereas we have reasons for assuming the contrary.
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He no longer needed any formula or ritual in his relations with God--not even prayer.
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In _that_ we observe the most fatal sort of megalomania that the earth has ever seen: little abortions of bigots and liars began to claim exclusive rights in the concepts of "God," "the truth," "the light," "the spirit," "love," "wisdom" and "life," as if these things were synonyms of themselves and thereby they sought to fence themselves off from the "world"; little super-Jews, ripe for some sort of madhouse, turned values upside down in order to meet _their_ notions, just as if the Christian were the meaning, the salt, the standard and even the _last judgment_ of all the rest.
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This _frightful impostor_ then proceeds: "Know ye not that we shall judge angels? how much more things that pertain to this life?".
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The pietist, the priest of either sex, is a fraud _because_ he is sick: his instinct _demands_ that the truth shall never be allowed its rights on any point.
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("Human, All-Too-Human," I, aphorism 483.
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