Also sprach Zarathustra: Ein Buch für Alle und Keinen

By Friedrich Nietzsche

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Honig-Opfer bringen." -

Als Zarathustra aber oben auf der Höhe war, sandte er die Thiere heim,
die ihn geleitet hatten, und fand, dass er nunmehr allein sei: - da
lachte er aus ganzem Herzen, sah sich um und sprach also:

Dass ich von Opfern sprach und Honig-Opfern, eine List war's nur
meiner Rede und, wahrlich, eine nützliche Thorheit! Hier oben
darf ich schon freier reden, als vor Einsiedler-Höhlen und
Einsiedler-Hausthieren.

Was opfern! Ich verschwende, was mir geschenkt wird, ich Verschwender
mit tausend Händen: wie dürfte ich Das noch - Opfern heissen!

Und als ich nach Honig begehrte, begehrte ich nur nach Köder und
süssem Seime und Schleime, nach dem auch Brummbären und wunderliche
mürrische böse Vögel die Zunge lecken:

- nach dem besten Köder, wie er Jägern und Fischfängern noththut. Denn
wenn die Welt wie ein dunkler Thierwald ist und aller wilden Jäger
Lustgarten, so dünkt sie mich noch mehr und lieber ein abgründliches
reiches Meer,

- ein Meer voll bunter Fische und Krebse, nach dem es auch Götter
gelüsten möchte, dass sie an ihm zu Fischern würden und zu
Netz-Auswerfern: so reich ist die Welt an Wunderlichem, grossem und
kleinem!

Sonderlich die Menschen-Welt, das Menschen-Meer: - nach _dem_ werfe
ich nun meine goldene Angelruthe aus und spreche: thue dich auf, du
Menschen-Abgrund!

Thue dich auf und wirf mir deine Fische und Glitzer-Krebse zu!
Mit meinem besten Köder ködere ich mir heute die wunderlichsten
Menschen-Fische!

- mein Glück selber werfe ich hinaus in alle Weiten und Fernen,
zwischen Aufgang, Mittag und Niedergang, ob nicht an meinem Glücke
viele Menschen-Fische zerrn und zappeln lernen.

Bis sie, anbeissend an meine spitzen verborgenen Haken, hinauf müssen
in _meine_ Höhe, die buntesten Abgrund-Gründlinge zu dem boshaftigsten
aller Menschen- Fischfänger.

_Der_ nämlich bin ich von Grund und Anbeginn, ziehend, heranziehend,
hinaufziehend, aufziehend, ein Zieher, Züchter und Zuchtmeister, der
sich nicht umsonst einstmals zusprach: "Werde, der du bist!"

Also mögen nunmehr die Menschen zu mir _hinauf_ kommen: denn noch
warte ich der Zeichen, dass es Zeit sei zu meinem Niedergange, noch
gehe ich selber nicht unter, wie ich muss, unter Menschen.

Dazu warte ich hier, listig und spöttisch auf hohen Bergen, kein
Ungeduldiger, kein Geduldiger, vielmehr Einer, der auch die Geduld
verlernt hat, - weil er nicht mehr "duldet."

Mein Schicksal nämlich lässt mir Zeit: es vergass mich wohl? Oder
sitzt es hinter einem grossen Steine im Schatten und fängt Fliegen?

Und wahrlich, ich bin ihm gut darob, meinem ewigen Schicksale, dass
es mich nicht hetzt und drängt und mir Zeit zu Possen lässt und
Bosheiten: also dass ich heute zu einem Fischfange auf diesen hohen
Berg stieg.

Fieng wohl je ein Mensch auf hohen Bergen Fische? Und wenn es auch
eine Thorheit ist, was

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Text Comparison with The Joyful Wisdom

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COHN AND MAUDE D.
Page 18
_Interpretation.
Page 27
_ "Rather on your toes stand high Than crawl upon all fours, Rather through the keyhole spy Than through open doors!" 43.
Page 35
_Star Morality.
Page 48
Perhaps only those.
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His Majesty has bad weather to-day: we shall be careful not to call it bad; we shall not speak of the weather,—but we shall go through to-day's business somewhat more ceremoniously and make the fêtes somewhat more festive than would otherwise be necessary.
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But one is accustomed to overlook the fact that the old national energy and national passion, which acquired a magnificent splendour in war and in the tourney, has now transferred itself into innumerable private passions, and has merely become less visible; indeed in periods of "corruption" the quantity and quality of the expended energy of a people is probably greater than ever, and the individual spends it lavishly, to such an extent as could not be done formerly—he was not then rich enough to do so! And thus it is precisely in times of "effeminacy" that tragedy runs at large in and out of doors, it is then that ardent love and ardent hatred are born, and the flame of knowledge flashes heavenward in full blaze.
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I am apart from all the world, I accept conditions from nobody.
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A loquacity which comes from pure satisfaction in noise and confusion of feelings: for example in Carlyle.
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We describe better,—we explain just as little as our predecessors.
Page 124
_—"God himself cannot subsist without wise men," said Luther, and with good reason; but "God can still less subsist without unwise men,"—good Luther did not say that! 130.
Page 135
167.
Page 139
_Poor.
Page 148
_Mathematics.
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And although silent here about some things, I will not, however, be silent about my morality, which says to me: Live in concealment in order that thou _mayest_ live to thyself.
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Finally, the growing consciousness is a danger, and whoever lives among the most conscious Europeans knows even that it is a disease.
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.
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_The Cynic Speaks.
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In this manner I gradually began to understand Epicurus, the opposite of a Dionysian pessimist;—in a similar manner also the "Christian," who in fact is only a type of Epicurean, and like him essentially a romanticist:—and my vision has always become keener in tracing that most difficult and insidious of all forms of _retrospective inference_, which most mistakes have been made—the inference from the work to its author, from the deed to its doer, from the ideal to him who _needs_ it, from every mode of thinking and valuing to the imperative _want_ behind it.
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A DANCING SONG TO THE MISTRAL WIND.